In Mariental gewinnt die Natur Oberhand

Von: Markus Bienwald
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Bald werden die vom Bagger gezogenen Furchen unsichtbar sein. Der Weg hinab besteht nur zum Teil aus Asphalt, meist laufen die besser gut profilierten Sohlen über Kies, der diese Grube überhaupt erst entstehen ließ. Foto: Bienwald

Übach-Palenberg. Eine grobe Kette hängt am Tor zur früheren Kiesgrube in Marienberg. Das Blau des Metalls ist ein wenig abgeblättert und verfärbt, doch direkt neben dem Tor öffnet sich ein schmaler Durchgang. Das ist kein Schleichweg, sondern der offizielle Zugang zum Naturgebiet Mariental, das zwischen den Ortslagen Marienberg und Scherpenseel auf deutscher Seite sowie – ein Stückchen weiter – auch im niederländischen Landgraaf liegt.

Das Mariental an sich gab es schon früher, denn wo ein Berg ist, muss auch ein Tal sein, so freute sich der Stadtrat, dass der Name, der früher dem Vernehmen von Ortshistorikern nach für das Gebiet des heutigen Stadions des SV Marienberg und dem aktuellen Naherholungsgebiet Wurmtal gebraucht wurde, zu neuen Ehren kommt. „Wir haben hier aber bewusst einen ganz anderen Ansatz gewählt“, wie Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch erzählt, der das frühere Sand- und Kiesabbaugebiet zur Chefsache machte.

Denn der Fokus solle im Naturgebiet Mariental vor allem auf der sich entwickelnden Natur liegen, in der der Mensch zu Gast sein kann. Kraftfahrer und Zweiräder sind nicht erwünscht, Spaziergänger und Wanderer dagegen schon. „Das ist etwas anderes, als in unserem Naherholungsgebiet, wo sich neben der Natur auch der Mensch entfalten kann“, schließt der Verwaltungschef. Doch genug gehört von offizieller Seite, denn ein Besuch sagt mehr als tausend Bilder.

Jeder Schritt befreit

Vor allem scheint sich der Wanderer, der sich von Marienberger Seite aus auf einem leicht nach rechts schwenkenden Weg in das Tal bewegt, allmählich aus den Fängen der Zivilisation zu befreien. Mit jedem Schritt hinab ins Tal werden die unvermeidlichen Umgebungsgeräusche geringer, das Rauschen der Zivilisation nimmt ab und Ruhe kehrt ein.

Sicherlich sind überall die Spuren der industriellen Nutzung des Geländes noch sehr lebhaft nachvollziehbar. Doch bald werden die vom Bagger gezogenen Furchen unsichtbar sein, wird die Natur Oberhand gewinnen. Der Weg hinab besteht nur zum Teil aus Asphalt, meist laufen die besser gut profilierten Sohlen über Kies, der diese Grube überhaupt erst entstehen ließ. So wurde bereits am 30. September 1999 ein Abschlussbetriebsplan von den Rheinischen Baustoffwerken als Inhaber und Betreiber des Geländes vorgelegt.

Der ehemalige Quarzsandtagebau, wie er im Behördendeutsch heißt, wurde mit Ende des offiziellen Betriebes vor einigen Jahren zur Natur zurückgeführt. Damals kam eine Verfüllung ebenso wenig in Frage wie das ebenfalls von einigen Stadtverordneten einst angedachte Naturbad in der sich dann bildenden Wasserfläche. Zum Glück, könnte denken, wer die Füße einmal in die feiner gekörnten Sandflächen an der viele Meter unter der früheren Grasnarbe gelegenen Talsohle taucht.

Eine Wasserfläche, die später einmal rund 60 Meter lang, 20 Meter breit und drei Meter tief sein soll, wird sich nach dem Willen der Planer ganz alleine durch Oberflächenwasser entwickeln. Ruhe pur entwickelt sich hier, doch wer genauer hinschaut, entdeckt Spuren von anderen Bewohnern. So hat sich hier, wie auch Experten vom Nabu und der zuständigen Landschaftsbehörden unisono berichten, schon seit der relativ kurzen Zeit der Betriebspause und dem Ist-Zustand eine Landschaft und Tier- und Insektenwelt entwickelt, die die Erwartungen übertrifft. Viel zu sehen ist davon nicht, nur wer die gut erkennbaren Wege beschreitet, wird hier und da mit Hinterlassenschaften von Hasen und durch eindeutige Tiergeräusche auf das rege Leben im Mariental hingewiesen.

Natürlich gibt es auch einen Weg von Scherpenseeler Seite aus, der gleich von der Ruhe modern geprägter Landwirtschaft hinab in die noch größere Stille der Natur führt. Doch dann ist der Kontrast nicht so groß wie von der Marienberger Seite, auch wenn dort meist nur ein paar Radler und Fußgänger beinahe unbemerkt am so schön verwaschen blauen Tor der früheren Kiesgrube vorbeihuschen.

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