Übach-Palenberg - „In geheimer Passion“: Wenn Bilder im Schloss Theater spielen

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„In geheimer Passion“: Wenn Bilder im Schloss Theater spielen

Von: Dettmar Fischer
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Karl von Monschau (l.) und Bernd Radtke (r.) bestreiten gemeinsam die Ausstellung „In geheimer Passion“ beim Künstlerforum Schloss Zweibrüggen. Ein herzlicher Händedruck zeugte von der langjährigen Freundschaft der beiden Künstler. Foto: Dettmar Fischer
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„Elbkind“ lautet der Titel eines großformatige Fotos von Bernd Radtke, das im Hamburger Hafen entstand und in einem Barock-Rahmen des Suermondt Ludwig Museums mit der Inventarnummer 232 im Schloss Zweibrüggen präsentiert wird. Foto: Dettmar Fischer
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„Versuchsanordnung“ heißt ein Werk des Künstlers Karl von Monschau Foto: Dettmar Fischer

Übach-Palenberg. „Man hört das in der Ausstellung, wenn man alleine ist, ein leises Gelächter“, kündigte Professor Dr. Wolfgang Becker den Besuchern der Vernissage der Ausstellung „In geheimer Passion“ an.

Wer also in aller Ruhe bei einem zweiten oder erstmaligen Besuch die Kunstwerke von Karl von Monschau und Bernd Radtke im Schloss Zweibrüggen aufnimmt, wird nach einer Weile vielleicht dieses versprochene „leise Gelächter“, das dem Betrachter aus den Kunstwerken entgegenschallt, hören.

Karl von Monschau und Bernd Radtke kenne er, so Wolfgang Becker in seiner Einführungsrede zur aktuellen Ausstellung des Künstlerforums Schloss Zweibrüggen, schon sehr lange aus dem „Dunstkreis der Aachener Museen“. Auch Professor Dr. Wolfgang Becker dürfte allen in der Region, die sich jemals der Kunst genähert haben, ein Begriff sein, unter anderem war er der Gründungsdirektor des Ludwig Forums Aachen.

Karl von Monschau und Bernd Radtke bestreiten nicht die erste Ausstellung gemeinsam. Den aktuellen Ausstellungstitel haben sie geklaut. „In geheimer Mission“ hieß die Krimiserie aus dem vergangenen Jahrhundert, bei der sich am Anfang jeder Folge ein Tonband, später dann eine CD in Luft auflöste, damit die übermittelte Mission auch wirklich geheim blieb.

So deutet schon der augenzwinkernde Ausstellungstitel darauf hin, dass Wolfgang Becker mit seinem Hinweis auf das „leise Gelächter“ richtig liegen könnte. Als Künstler sind die beiden Aachener Karl von Monschau und Bernd Radtke sicherlich auch in geheimer Mission unterwegs, ihre gemeinsame Passion, die Kunst, erläuterte Becker. „Eine Versuchsanordnung“ lautet der Untertitel der Ausstellung. Becker vermutete, der Versuch könne darin liegen, auszuloten, inwieweit die künstlerischen Wege Parallelen aufweisen und zumindest streckenweise auf ein Ziel hin führen, das einer gemeinsamen Ausstellung.

Karl von Monschau ist grob gesagt Maler, Bernd Radtke Fotograf. Die Experimentierlust ist beiden eigen und lässt sie die Grenzen ihres Metiers gerne überschreiten. „In geheimer Passion“ ist eine große Ausstellung, die sich der Besucher erarbeiten muss. Bis er das „leise Gelächter“ hört, muss er schon aufmerksam gucken. Der flüchtige Blick wird sicherlich die barocken Holzrahmen wahrnehmen. Wolfgang Becker erläuterte den Vernissagebesuchern, wo Bernd Radtke sie her bekam. Sie stammen aus dem Suermondt Ludwig Museum in Aachen, wo Radtkes Vater Schreiner war.

Die aussortierten Rahmen sollten im Müll landen. Radtke hat sie neuen Kunstwerken, seinen eigenen, zugeführt. Die Rückseite der Rahmen wendet sich nun dem Betrachter zu, gerahmt sind unter anderem zwei sehr schöne Fotografien. Eine der beiden heißt „La Boverie“. Die zweite trägt den Titel „conclave“. Es könnte sein, das „La Boverie“ den Ort bezeichnet, wo das Bild aufgenommen wurde, ein Lütticher Museum. Man sieht einen offenen Raum, ganz hinten einen Sitzenden. „conclave“ lässt schon etwas von diesem „leisen Gelächter“ hören.

Das Bild zeigt vier mumienartig verpackte Statuen. Was bei der Versammlung dieser Mumien wohl herauskommen mag? Radtke sei ein Meisterfotograf, der sich nie der journalistischen Fotografie zugewandt habe, sondern ein „Malerfotograf“ sei, so Becker. Nicht Action, sondern leere Räume zeige der Alchemist der Lichtbildnerei. Ein Beispiel der „Schnellmalerei“ Karl von Monschaus ist im Foyer des Schlosses Zweibrüggen zu sehen. Eine große Arbeit mit einem dominierenden gelbes Klecks, die den Verweis auf das Actionpainting eines Jackson Pollock nicht scheut.

Malen, schnell malen, kritzeln, tröpfeln, Kreise, Landoltsche Ringe, Buchstaben, Wörter, Bilder, die den Titel Sator-Arepo-Formel tragen, sind Teile der Kunst, die Karl von Monschau schafft. Sich diese Kunst zu erschließen auch im Duett mit der Kunst von Bernd Radtke ist eine Herausforderung, der sich der Ausstellungsbesucher stellen muss.

Die Künstler ebnen durchaus den Weg dieser Suche. In die historischen Räume des Schlosses haben sie ihre Kunst eingefügt. Manche Bilder stehen auf dem Boden, eines sogar im Kaminrund, auf dem Simms ein zweites, das Foto einer hingegossenen Schönen, darüber die Stuckverzierung des Kamins, eine Landschaft mit romantischer Ruine darstellend. Karl von Monschaus „Versuchsanordnung“ schwebt im Foyer über den Besuchern.

Das Werk besteht aus Einwegoveralls, die auf Kleiderbügel gehängt sind und gibt Anlass zu allerlei Interpretationsmöglichkeiten. Wolfgang Becker sah beide Künstler mit der gemeinsamen Ausstellung zurückblicken, feierlich gerahmte Rückblicke mit leisem Gelächter, die neugierige Erforschung der Vermischung von Gestern und Heute mit Verwunderung. „Die Bilder spielen Theater“, meinte Wolfgang Becker.

 

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