Übach-Palenberg - In der Schreibwerkstatt ist Kreativität gefragt

In der Schreibwerkstatt ist Kreativität gefragt

Von: Markus Bienwald
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Bei Autorin Mirjam Günter fühlen sich Ahmet Aydén (l.), Niklas Keils (2.v.l.) und Arne Bräuer als junge Schreiber wohl. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Im Schulzentrum befindet sich ein Raum, der geradezu zum Träumen einlädt. Zwar ist das Schülercafé in Reichweite der übrigen Klassenräume der Willy-Brandt-Gesamtschule, allerdings ist der mit riesigen Fenstern ausgestattete Raum ein Ort des Wohlfühlens. Mithin bietet sich an diesem ruhigen Platz genau die richtige Umgebung, um kreativ zu sein.

Nicht, dass das in den angebotenen Schulfächern nicht auch gefragt ist, nur hier kann besonders zu Zeiten der Schreibwerkstatt der junge Schreibernachwuchs in aller Ruhe seine Gedanken ausleben. An der Spitze der Fünft- und Sechstklässler sitzt an diesem Nachmittag Autorin Mirjam Günter. Hier kommt es nicht auf Noten an, sondern darauf, dass später auf dem Papier Wörter erscheinen, die direkt aus der jungen Nachwuchsschreiberseele über die Tinte auf den Zellstoff laufen.

„Rechtschreibung ist nicht so wichtig“, sagt Mirjam Günter einen der Sätze, die Deutschlehrer vielleicht sonst nicht so gerne hören. „Es kommt darauf an, was ihr sagen wollt“, gibt sie den Schülern mit auf den Weg. Klassen- und Jahrgangsübergreifend bietet die Autorin als Profi den jungen Nachwuchskräften nur ihre Unterstützung an. Sie will keinen Frontalunterricht, das ist sicher nicht das Ziel. Jeder, der hier nur kurz reinschaut, merkt gleich, dass hier eine andere Atmosphäre herrscht. Da wird die Autorin geduzt, wird zum Teil der Gruppe, scheint mit den Lippen die von den Schülern vorgelesenen Texte und Gedichte nachzuformen und lebt das just Geschriebene.

Natürlich gibt es aber ein Thema, denn schließlich soll auch ein gemeinsames „Werkstück“ entstehen – ein Heft, in dem all die von den Schülern bis hinauf zur neunten Klasse geschaffene Literatur in gebundener Form veröffentlicht wird. Doch zunächst ist die Arbeit in der Werkstatt gefragt. Hier stehen Apfelsaftschorle und Wasser auf dem Tisch, Schokolade ist als Gedankenmotor nicht verpönt.

Isabell Rosen aus der 6c liest vor, formt wie die anderen Teilnehmer der Gruppe in Worte, wo sie die anderen Mitglieder der Gruppe in 20 Jahren sieht. Da ist vom Leben im Ausland die Rede, vom beruflichen Erfolg, von Familien, aber auch davon, wie man selbst glücklich werden kann. Und fast immer sind die grauen Haare dabei, auch, wenn die heutigen Kinder dann gerade mal etwas älter als 30 Jahre sein werden. Aber auch die Gegenwart ist ein Thema, um das sich Schreiben und Lesen an diesem Nachmittag drehen.

„Ich bin hilfsbereit wie ein Krankenhaus“, macht Ahmet Aydén von der 5c einen gewagten Vergleich. „Ich bin ein Mädchen, das nicht lügt, sondern so ehrlich ist, wie die Wahrheit“, sagt Celina Henke aus der 6b. Dichtung und Wahrheit liegen immer dicht beisammen, aber genau das macht Mirjam Günter an dieser Werkstatt so viel Spaß.„Die Kinder sind ehrlich und echt in dem, was sie schreiben“, sagt Profi Mirjam Günter.

Und was ist schöner, als sich dem von Aline Fröschen aus der 6c erdachten „Wolkenflüsterer“ und seinen immer wieder neuen Geschichten hinzugeben? Wohl nichts, finden die Kinder und freuen sich, in einer Oase der Ruhe mit trotz ihrer jungen Jahre selbstbewusstem Schreiben einmal Kreativität zu zeigen.

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