In der Küche sprechen alle die gleiche Sprache

Von: Laura Beemelmanns
Letzte Aktualisierung:
5404135.jpg
Beim internationalen Kochkurs „Gemeinsam isst man seltener allein“ kochten Kinder und Mütter unterschiedlicher Nationen zusammen, belegten Pizzabrötchen, rührten Obst unter den Quark und schnitten Tomaten in Stücke. Das Projekt wurde aus dem Programm Toleranz fördern – Kompetenz stärken ins Leben gerufen. Foto: Laura Beemelmanns
5404242.jpg
Beim internationalen Kochkurs „Gemeinsam isst man seltener allein“ kochten Kinder und Mütter unterschiedlicher Nationen zusammen, belegten Pizzabrötchen, rührten Obst unter den Quark und schnitten Tomaten in Stücke. Das Projekt wurde im Rahmen des Programms Toleranz fördern – Kompetenz stärken ins Leben gerufen. Foto: Laura Beemelmanns
5404137.jpg
Chefkoch Justin (10) probiert die Tomatensuppe und ist sehr zufrieden.

Geilenkirchen. Tomatensuppe, Pizzabrötchen und Obstquark sind Justins absolute kulinarische Favoriten, wenn es um ein leckeres Essen nach seinen Vorstellungen geht.

Der Zehnjährige ist der erste in der Runde vieler junger Köche, die sich die Rezepte aussuchen und einmal den Chefkoch eines großen Küchenteams mimen dürfen. Denn im Rahmen des Programms Toleranz fördern – Kompetenz stärken des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend entstand in Geilenkirchen die Projektidee „Gemeinsam isst man seltener allein“.

Die Mitarbeiterin der Internen Koordinierungsstelle für Geilenkirchen, Birgit Gerhards, brachte die Idee von einer Reise ins Saarland mit, wo ein ähnliches Projekt von Groß und Klein sehr gut angenommen wurde. Und auch in der Küche der katholischen Grundschule an der Brucknerstraße kommt der internationale Kochkurs gut an. Mütter und Kinder aus den Niederlanden, Sri Lanka, Äthiopien, Russland, Somalia und Deutschland kommen nun jeden Dienstagnachmittag zusammen, um – im besten Fall ein Gericht aus dem jeweiligen Land – zu kochen.

Den Anfang macht Justin mit einem deutschen Menü. Inzwischen sind Tomaten, Knoblauch, Paprika und Petersilie klein geschnitten, und Justins Tomatensuppe köchelt in zwei großen Töpfen vor sich hin. Es fehlt nur noch die Sahne.

Doch Köchin Jaqueline Mallmann, die im St. Elisabeth Krankenhaus arbeitet, sagt: „Die Sahne geben wir später dazu. Zunächst testen wir auf einem Löffel, ob sie gerinnt.“ Das ist neu für Justin. Die Suppe kocht er heute schließlich zum ersten Mal. Er freut sich über den Tipp und steht voller Stolz neben dem Herd, um immer wieder umzurühren und die Suppe abzuschmecken.

All die anderen jungen Köche bereiten derweil den Obstquark vor und schneiden die Brötchen in zwei Teile. „Hast du noch nie ein Brötchen beim Bäcker geschnitten?“, fragt ein junges Mädchen ihren männlichen Nachbarn. Der antwortet: „Nein, beim Bäcker noch nicht.“ „Jeckerweise weiß jeder, was seine Aufgabe ist“, sagt Birgit Gerhards. Ohne, dass diese vorher explizit vergeben worden seien. „Wir haben eine Mal-Ecke eingerichtet, dort zeichnen die Kinder die Gerichte“, alle anderen haben sich ihre Position für heute selbst ausgesucht.

Der Kochkurs sei deshalb so eine gute Sache, weil die Kinder ihre eigenen Ideen mit einbringen können. „Sie sind die Hauptakteure“, so Gerhards weiter. „Wenn jeder zeigt, was er kann, dann funktioniert das auch.“ Der eine kann eben besser Brötchen aufschneiden, der andere malt lieber ein Bild davon.

Das Projekt leitet die sozialpädagogischen Fachkraft Barbara Kramer. Viele der Frauen, die an diesem Kurs teilnehmen, besuchen auch regelmäßig das Café Vielfalt, für das sie ebenfalls verantwortlich ist. So haben sie gleich wieder neuen Anschluss zu Müttern und Kindern gefunden.

Es gebe nicht einmal ein Verständigungsproblem, sagt Gerhards. „Ich hatte schon mein Englisch und Französisch wieder im Kopf zusammengesucht, doch das war gar nicht nötig.“ Die Kinder unterhalten sich mit Mimik und Gestik und lernen ohnehin schnell neue Worte. Außerdem sprechen auch allesamt fließend Deutsch. Das Projekt endet kurz vor den Sommerferien. Gerhards plant, anhand eines Fragebogens herauszufinden, wie der Kurs ankam. Je nachdem, wie das Ergebnis ausfällt, gibt es im nächsten Jahr wieder einen Kochkurs.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert