Immer weniger Kaufkraft bleibt in Geilenkirchen

Von: Udo Stüßer
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Die heutigen Leerstände belaufen sich inklusive des alten Extras auf 7165 Quadratmeter.

Geilenkirchen. Aus Geilenkirchen fließt immer mehr Kaufkraft ab. Wurden im Jahr 2008 durchschnittlich 5275 Euro von in Geilenkirchen lebenden Menschen im Einzelhandel ausgegeben, ist die Summe in diesem Jahr um mehr als 500 Euro auf 4737 Euro gesunken.

Dies geht aus einem jetzt vom Amt für Stadtentwicklung und Umwelt der Stadt Geilenkirchen vorgelegten Einzelhandelskonzept hervor, mit dem sich der Ausschuss für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung in seiner Sitzung am kommenden Donnerstag, 18 Uhr, im großen Sitzungssaal des Rathauses beschäftigt.

Dass aus Geilenkirchen Kaufkraft abfließe, lasse sich eindrucksvoll an der so genannten Einzelhandelszentralität beobachten, heißt es in dem Gutachten, das von Zahlen der Industrie- und Handelskammer Aachen untermauert wird. Die Kennziffer für die Einzelhandelszentralität hat laut IHK im Jahr 2008 75,0 betragen.

Eine Kennziffer von mehr als 100 sagt aus, dass ein Kaufkraftzufluss stattfindet, eine Kennziffer kleiner 100 bedeutet, dass ein Kaufkraftabfluss stattfindet. „Für 2010 liegt diese Kennziffer lediglich nur noch bei 73,4 Prozent. Aus Geilenkirchen fließt somit deutlich Kaufkraft ab”, heißt es in dem Gutachten.

Hintergrund des jetzt vorgelegten Einzelhandelskonzeptes ist, dass zum Teil großflächige Einzelhandelsstandorte außerhalb der Innenstadt in den Gewerbegebieten entstanden sind. „Dies hat dazu beigetragen, dass das Stadtzentrum von Geilenkirchen an ökonomischer Kraft und Funktionsfähigkeit verloren hat.

Dies äußert sich durch eine verringerte Attraktivität des Einzelhandelsbesatzes bis hin zu Leerständen in der Innenstadt”, wird in dem Konzept beklagt. Deshalb wird von der Stadtverwaltung „die Erarbeitung einer Gesamtkonzeption für das gesamte Stadtgebiet Geilenkirchen im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung des Einzelhandels für erforderlich angesehen”.

Auch die Ziele werden hier festgelegt: „Insbesondere soll die Funktionsfähigkeit des zentralen Versorgungsbereiches Innenstadt Geilenkirchen unterstützt werden.” Und: „Es soll dafür gesorgt werden, dass möglichst keine neuen Verkaufsflächen mit zentren- und nahversorgungsrelevanten Sortimenten an so genannten städtebaulich nicht integrierten Standorten entstehen und dort Kaufkraft binden.”

47,5 Prozent in Gewerbegebieten

Laut dem nun vorgelegten Einzelhandelskonzept befinden sich im gesamten Stadtgebiet 37709 Quadratmeter genutzte Verkaufsflächen. Diese liegen zu etwa 39 Prozent in der Innenstadt, zu 13,5 Prozent in den Ortsteilen und zu 47,5 Prozent in der Gewerbegebieten. Geilenkirchen verfüge über eine Verkaufsflächenausstattung von etwa 1,34 Quadratmeter je Einwohner.

Angesichts der Tatsache, dass Mittelzentren üblicherweise eine durchschnittliche Verkaufsflächenausstattung von rund 1,5 bis 1,7 Quadratmeter je Einwohner besitzen, sei festzustellen, dass Geilenkirchen einen unterdurchschnittlichen Besatz an Einzelhandelsflächen aufweise.

„Die Gewerbegebiete sind in Bezug auf die Flächenanteile über-, Standorte in Ortsteilen unterrepräsentiert.” Aus dem Einzelhandelskonzept geht hervor, dass die Innenstadt Geilenkirchens einerseits ein breit gefächertes Angebotsspektrum aufweist, andererseits in einigen Sortimenten erheblicher Nachholbedarf besteht. Es könne festgehalten werden, „dass die Geilenkirchener Bevölkerung hinsichtlich der Sortimente Bücher/Schreibwaren, Bekleidung, Schuhe, Musikalien sowie Spiel- und Sportwaren auf ein Angebot an Verkaufsfläche trifft, das unter dem Durchschnitt liegt”. Auch das Angebot in den Sortimenten Elektroartikel, Unterhaltungselektronik, Film- und Tonträger sei in Geilenkirchen eher unterrepräsentiert.

Weiterer Flächenbedarf

„Die Bevölkerung wird deswegen dazu neigen, ihren Bedarf anderweitig, also Interneteinkäufe, Katalogbestellungen oder Einkäufen in anderen Kommunen zu decken.” Zudem sei auffällig, dass die Innenstadt in weiten Teilen kleinteilig geprägt sei und viele Geschäfte mit Flächengrößen von weniger als 150 Quadratmetern aufweise. Ein deutlicher Mangel herrsche demgegenüber in Bezug auf - nach heutigen Standards interessanten - Verkaufsflächengrößen von beispielsweise 300 bis 500 Quadratmetern. Rechnerisch ergebe sich ein Zusatzbedarf von 4700 Quadratmeter Verkaufsfläche.

„Von grundlegender Bedeutung hierbei ist, dass diese zusätzlich benötigten Verkaufsflächen nach Möglichkeit in der Innenstadt, zumindest bei zentren- und nahversorgungsrelevanten Sortimenten, angesiedelt werden sollten.” Dieser Bedarf könne im Bereich der heutigen Leerstände - derzeit 7165 Quadratmeter inclusive des alten Extras - gedeckt werden.

Beklagt wird in dem Konzept auch, dass 11.000 Einwohnern Geilenkirchens in den Außenorten keine oder keine ausreichende Nahversorgung angeboten werden kann. „Es wäre sinnvoll und wünschenswert, wenn die Nahversorgung in den Außenorten durch Ansiedlung kleinerer Märkte verbessert würde.”

Bestandsschutz

In dem Einzelhandelskonzept wird empfohlen, in den Gewerbegebieten Niederheid und Fürthenrode Einzelhandel mit zentren- und nahversorgungsrelevanten Sortimenten auszuschließen. Bei der Aufstellung neuer Gewerbegebiets-Bebauungspläne sei der Sortimentsausschluss ebenfalls vorzunehmen. Regelungen zum Bestandsschutz sollen getroffen werden.
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