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Im Depot der West stehen die Räder still

Von: g.s.
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Mittwochmorgen um 6 Uhr: die streikenden Busfahrer und Werkstatt-Mitarbeiter der West Verkehr machen vor dem Geilenkirchener Busdepot auf ihre Forderungen aufmerksam. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Vertrauensmann Jörg Deußen sammelte im Aufenthaltsraum der Werkstatt im Geilenkirchener West-Betrieb noch die letzten Unterschriften der Streik-Teilnehmer. Schnell noch ein belegtes Brötchen und eine Tasse Kaffee, und schon zogen sich die drei Frauen und rund 40 Männer die scherzhaft „Müllsäcke” genannten Plastiküberhänge über.

Der in Rot auf weißem Untergrund gehaltene Slogan „Wir sind es wert” deutete auf die Forderung nach einer Lohnerhöhung der im öffentlichen Dienst tätigen Busfahrer und Werkstatt-Mitarbeiter der West-Verkehr hin.

Die Busse der West und der Kreisverkehrsdienst Heinsberg (KVG) blieben am Mittwoch in der Halle. „Wir wollen mehr Kohle”, meldet sich Vertrauensmann Martin Hoffmanns zu Wort. Der Busfahrer geht davon aus, dass die Verdi-Forderung nach 6,5 Prozent mehr Lohn nicht durchgesetzt werden kann, aber „wenn wir 4 Prozent kriegen, ist es gut”. „Busfahrer sind Mangelware”, verlieh er seinem Protest Nachdruck.

Kollege Jörg Deußen sah kein schnelles Ende an der Streikfront: „Wenn die sich jetzt nicht einigen, könnte es ein längerer Streik werden, vielleicht bis in den April.” Selbst nicht in der Gewerkschaft organisierte Männer erklärten sich solidarisch und waren am Mittwoch zur Unterstützung ihrer Kollegen dabei. Während die Busse der RVE fahrplanmäßig am Geilenkirchener Bahnhof vorfuhren, versuchten private Busunternehmer die Hauptlinien der West aufrecht zu erhalten.

Die „streikende Gesellschaft” stieg um 6.30 Uhr in einen gecharterten Bus und fuhr nach Heinsberg, wo weitere Kollegen aufgenommen wurden.

Von hier aus ging es weiter nach Erkelenz, wo sich ein weiterer Bus mit Streikenden anschloss. Die insgesamt über 100 Teilnehmer fuhren zur zentralen Demonstration nach Mönchengladbach und trafen hier auf rund eintausend Gleichgesinnte des Öffentlichen Dienstes.

Der größte Teil der Menschen, die auf den Busverkehr - sei es zur Arbeitsstätte oder zur Schule - angewiesen sind, hatte sich offensichtlich auf den Streik eingestellt und sich anderweitig mobil gemacht. Selbst an den Schulen im Südkreis lief am Mittwoch der Betrieb fast überall in gewohntem Rahmen ab. Hier und da fehlten zwar ein paar Schüler oder erschienen verspätet zum Unterricht. Am Berufskolleg Wirtschaft in Geilenkirchen wurde zwar auch normal unterrichtet, allerdings machte sich der Streik der Busfahrer hier etwas stärker bemerkbar, nach Angaben der Schulleitung verbuchte man in einigen Klassen eine Fehlquote „von zehn bis 40 Prozent”.

Sehr viele Nachfragen und auch vereinzelte Beschwerden bei Fahrplanauskunft

Wie Burkhard Heine aus dem Bereich Verkehr bei der West Energie und Verkehr am Mittwochmittag auf Anfrage erklärte, seien auf den Linien, die im Notfahrplan berücksichtigt werden konnten (SB1, BW1, 401, 416, 430, 431 und 438), fast alle Busse auch wirklich gefahren. Zwar blieben die West-Busse streikbedingt im Depot.

Doch mit Hilfe privater Busunternehmer war - wie berichtet - ein Notfahrplan aufgestellt worden. Lediglich die eine oder andere sogenannte Verstärkerfahrt sei auf diesen Linien ausgefallen. Auf anderen Linien hätten vereinzelte Fahrten stattfinden können, so Heine, zum Beispiel auf der SB 4 oder auf den Linien 432 und 437. Die Grundschüler seien - wie angekündigt - größtenteils zu den Grundschulen gefahren und wieder abgeholt worden, berichtete Heine weiter.

Bei der Mercator-Schule in Gangelt habe es eine besondere Situation gegeben: Die Kinder seien auf einer der vereinzelten Fahrten der Linie 437 zur Schule gelangt. Am Mittag habe sich dann die Frage gestellt, wie denn die Kinder wieder zurückkommen könnten. Daraufhin sei kurzfristig noch eine weitere Fahrt auf dieser Linie organisiert worden.

In der Fahrplanauskunft des West-Verkehrsbetriebes gab es nach Angaben von Heine sehr viele Nachfragen und auch vereinzelte Beschwerden, offenbar von Menschen, die von der Streiksituation trotz aller Meldungen nichts gewusst hätten. Hingegen habe es befürchtete Überlastungen und Verspätungen auf den bedienten Linien des Notfahrplans kaum gegeben. Offensichtlich hätten sich viele Bürger bereits im Vorfeld des Streiks auf die Situation eingestellt und anders orientiert, indem sie beispielsweise Fahrgemeinschaften gebildet hätten. An diesem Donnerstag sollen alle Busse wieder planmäßig fahren. (disch)

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