Geilenkirchen - Horriger Weg: Von einer stolzen Burg blieb nur der Name übrig

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Horriger Weg: Von einer stolzen Burg blieb nur der Name übrig

Von: Johannes Gottwald
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In einem verborgenen Winkel von Geilenkirchen-Süggerath liegt der Horriger Weg, der nach einer untergegangen Wasserburg benannt ist. Foto: Johannes Gottwald

Geilenkirchen. Wer sich in Süggerath nicht auskennt, muss schon lange suchen oder Dorfbewohner fragen. Denn der Horriger Weg liegt in einem verborgenen Winkel des Dorfes – und allem Anschein nach führt er in eine Sackgasse.

Wer jedoch einem unscheinbaren betonierten Feldweg folgt, der bald nach Beginn der Straße rechts abzweigt, ist auf der richtigen Spur. Durch eine schöne Allee aus Eschen führt der Weg an saftigen Wiesen vorbei, überspannt die Wurm auf einer modernen Brücke – und dann ist man schon beinahe am Ziel, denn man sieht den kleinen Weiler, der sich „Gut Horrig“ nennt. Der stattliche Bauernhof, der seinen Mittelpunkt bildet, trägt allerdings nur die Jahreszahl 1892, was also nicht unbedingt auf eine lange Tradition schließen lässt.

Der Schein trügt jedoch wie so häufig, denn dieser Ort ist in Wirklichkeit seit mindestens 1000 Jahren besiedelt. Schon 1004 wird Gut Horrig zum ersten Mal erwähnt. Damals vermachte ein Adeliger namens Meginherus de Randenrode (Randerath), „... der weder Weib noch Sohn hat, aus dem frommem Antrieb sein eigenes Gut Horichem … das 12 Kölner Schilling einbringt, für sein und seines Vaters Seelenheil dem Altar der heiligen Maria, der an der Treppe steht“. Beglaubigt wurde diese Schenkung, die der Kölner Kirche St. Mariagraden galt, vom Kölner Erzbischof Friedrich I.. Der Ortsname „Horichem“ wird von dem althochdeutschen Ausdruck „Horo“ (Sumpfboden) abgeleitet und bedeutet so viel wie „Sumpf-Reich“, also Siedlung am Sumpf. Und dies ist völlig einleuchtend, denn die Wurm wurde früher von vielen Altarmen und Feuchtwiesen gesäumt.

Lange scheint Gut Horrig aber nicht in kirchlichem Besitz geblieben zu sein. Denn die Kölner Erzbischöfe vergaben ihre Ländereien gerne treuen Gefolgsleuten als Lehensgüter. So war es auch in diesem Falle, denn schon im 13. Jahrhundert werden die Herren von Horrig als neue Eigentümer erwähnt. Ob sie auch verwandtschaftliche Beziehungen zum gleichnamigen Haus Horrig in Brachelen hatten, lässt sich leider nicht feststellen. Sportlich und reiselustig waren sie auf jeden Fall: Im Jahre 1235 wird ein „Herr von Horrick“ als Teilnehmer an einem Ritterturnier in Gravenhage (heute Den Haag) genannt. Und sie bauten Haus Horrig zu einer Wasserburg aus, die der flussaufwärts gelegenen Burg Trips durchaus Konkurrenz machen konnte.

Zu den Untertanen gehörten die Bauern im nahen Süggerath. 1398 übertrug Herzog Wilhelm III. von Jülich dem Johann Horyck die Gerichtsbarkeit im Dorf, 1494 erhielten die Herren von Horrig auch die Herrschaft über Süggerath zugesprochen. Daher werden sie auch als mögliche Stifter des kostbaren Antwerpener Schnitzaltares in der Heilig-Kreuz-Kirche betrachtet, der um das Jahr 1530 entstand, denn die Dorfbewohner hätten die Geldsumme für ein so wertvolles Inventarstück wohl kaum alleine aufbringen können. Diese Annahme setzt allerdings voraus, dass der Schnitzaltar etwa zehn Jahre früher geschaffen worden sein müsste, denn bereits im Jahre 1525 gelangte Haus Horrig zusammen mit Süggerath in den Besitz Hermann von Randeraths – und dieser hätte einen so teuren Altar wohl eher für die Kirche in seinem eigenen Dorf bestellt.

Schon 1577 tauschten die Erben Hermann von Randeraths die Herrschaft Horrig gegen die Burg Baesweiler ein. Damit kam Haus Horrig in den Besitz Johann von Randeraths, der einer Seitenlinie entstammte. Nachdem dieser Familienzweig 1760 im Mannesstamm erloschen war, wurde der wohlhabende Bürger Theodor Meuser, der die Tochter der letzten Erbin geheiratet hatte, mit Haus Horrig belehnt. Ebenfalls durch Heirat ging Horrig in der nächsten Generation an den aus Belgien stammenden Wilhelm Doemens über, dessen Nachkommen noch um 1900 als Eigentümer von Haus Horrig genannt werden.

Flussbegradigung

Zu diesem Zeitpunkt war die alte Horriger Wasserburg allerdings schon völlig von der Bildfläche verschwunden. Dieser Vorgang ist immer noch etwas geheimnisumwoben. Denn um 1800 war die Anlage noch vollständig erhalten – die Landkarte von Tranchot aus der Napoleon-Zeit lässt den genauen Grundriss erkennen, sogar die umgebenden Wassergräben, die von der Wurm gespeist wurden, sind sorgfältig eingezeichnet. Dagegen lässt die preußische Katasterkarte von 1846 an dieser Stelle nur noch ein Ruinenfeld erkennen. Der Abbruch dürfte wohl um das Jahr 1830 begonnen haben, denn zu dieser Zeit wurde die Horriger Mühle errichtet, die man getrost als „Nachfolgebau“ von Burg Horrig ansprechen kann. Denn ganz offensichtlich wurde Mauerwerk aus der alten Burg dabei mitverwendet, angeblich soll sogar noch ein Schießschlitz als letzter Überrest zu sehen sein. Die neue Mühle wurde übrigens am linken Ufer der Wurm angelegt, während die alte Burg Horrig am rechten Ufer gestanden hatte. Denn durch die Wurm verlief bis zum Jahre 1794 die Grenze des Erzbistums Köln.

Die Horriger Mühle besaß zwei Wasserräder, hatte allerdings häufig Probleme, da die Wurm an dieser Stelle nur wenig Gefälle hat. Im Jahre 1892 erfolgte der Ausbau der Mühle zu einem großen Bauernhof, in dieser Form blieb sie bis heute erhalten. Der Mühlenbetrieb wurde 1910 eingestellt, die beiden Räder demontiert. Ihr einstiger Standort lässt sich jedoch noch heute im Gemäuer der Ostseite gut erkennen.

Der heutige Betrachter der Horriger Mühle wird sich vielleicht über ihren Standort wundern – denn die Wurm fließt heute über hundert Meter weiter südöstlich. Dazu muss man wissen, dass der heutige Lauf erst durch die Flussbegradigung um 1970 entstand. Früher schlängelte sich die Wurm in vielen Windungen durch ihr Tal und floss auch dicht an dem heutigen Bauernhof vorbei.

Das Ziel der Begradigung war damals der Hochwasserschutz – eine Fehlspekulation, wie man heute weiß. Daher hat man auch im Stadtgebiet von Geilenkirchen mit Renaturierungsmaßnahmen begonnen.

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