Hobbywinzerei: Wie aus schmackhaftem Saft edler Wein wird

Von: Andrea Schever
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In seinem Weinkeller lagert Ge
In seinem Weinkeller lagert Gerhard Thimm bis zu 280 Liter Wein in bis zu zehn Sorten. Auf jede einzelne Flasche ist er stolz. Foto: Andrea Schever

Geilenkirchen-Grotenrath. In den gebogenen Röhrchen aus Glas oder Plastik gluggert das Wasser stetig. In der Luft hängt ein gemischter Geruch aus Apfel, Brombeere und Traube. Von der Wand blickt eine hölzerne Eule wie ein stiller Wächter herab.

Betritt man den „Weinkeller” von Hobbywinzer Gerhard Thimm, trifft man auf einen gemischten Geruch und eine nicht gezählte Menge von großen, sehr bauchigen Glasgefäßen. In diesen Weinballons für 15 bis 40 Liter und zahlreichen anderen kleineren Gefäßen gären verschiedene Fruchtsäfte. Zwischen 150 und 280 Liter gleichzeitig, in bis zu zehn Sorten.

Auf den Geschmack dessen, was heute sein stetig gepflegtes und nicht sehr verbreitetes Hobby ist, kam er im Alter von 17 Jahren. Damals, 1955, kostete er in Cochem an der Mosel seinen ersten Wein. Heute, fast 60 Jahre später, wurde aus den ersten Schlucken eine zwischen Johannisbeer-Stachelbeer-Rharbaber-Wein und Apfel-Rotwein rangierende Kunst. Ins Rollen oder besser ins Gären kam die Sache mit den schmackhaften Fruchtsäften vor ziemlich genau 25 Jahren. Als damals Gerhard Thimms Großmutter starb, hinterließ die passionierte Hobbywinzerin nebst zahlreichen Ballons auch ein Rezeptbüchlein. Nach den Anleitungen dieses Büchleins von 1951 bereitet Gerhard Thimm auch heute noch einige seiner besten Weine.

„Mein erster selbstgemachter Wein war ein Apfelwein”, erinnert sich Gerhard Thimm. „Auch genau hergestellt nach den Mengenangaben meiner Großmutter.” Damit der Wein jedoch so genussvoll wird, wie man es gewohnt ist, braucht man verschiedene Arbeitsutensilien: einen Kelter (Saftpresse), ein Refraktometer, die richtige Hefekultur, verschiedene Filter, besagte Ballons und vieles mehr. Den Kelter hat sich Gerhard Thimm damals selbst gebaut.

Wenn er von seinen über die Jahrzehnte gesammelten Erfahrungen erzählt, merkt man, mit welch einem Herzblut er bei der Sache ist. Er investiert - besonders seit seiner Pensionierung vor einigen Jahren - viel Zeit und Arbeit zum Beschaffen, Zerkleinern, Pressen und Ansetzen der Säfte. Da er mit diesem Wissen und den Ergebnissen viele verwundert - denn wer nur Wein aus Trauben kennt, ist über Sorten wie Holunderblüte oder einem roten Apfelwein schnell überrascht - hat er es sich seit 2005 auch zur Aufgabe gemacht, anderen die Hausweinbereitung nahezubringen. In mindestens einem VHS-Seminar pro Jahr erklärt er den Teilnehmern die Geschichte des Weins, die Grundlagen der Herstellung, aber auch die Pro-bleme und besonderen Kniffe, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Denn so manch einem Neuling in der Weinbereitung „fliegen die Flaschen bisweilen um die Ohren”, warnt Gerhard Thimm.

Auch ihm sei dies schon einige Male passiert, wenn der Wein noch nicht ganz ausgegoren war. Zu früh in Flaschen abgefüllt, baut sich durch die noch entweichende Kohlensäure ein solcher Druck auf, dass das Glas auch schon einmal platzt.

Mit seinem ersten Honigwein, dem sogenannten Met, hatte der Winzer zwar schon über viele Jahre geliebäugelt, stellte ihn letztlich aber erst 2003 her. Damals zog er nämlich nach Grotenrath und hatte einen Imker in unmittelbarer Nachbarschaft. Dieser liefert ihm seither den Rohstoff für das goldene Getränk, dessen Anfänge sogar noch vor denen des Weines liegen.

Auf eins ist Gerhard Thimm zudem stolz: „Ich habe in all den Jahren noch keine einzige Flasche Wein verkauft.” Der gute Saft wurde entweder verschenkt oder gespendet, doch nie wechselte er -trotz mehrfacher Anfragen - den Besitzer für Geld. Und dass auch niemand heimlich einen Weinballon öffnet und von dem edlen Saft kostet, darüber scheint die Eule an der Wand zu wachen.
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