Übach-Palenberg/Aachen - Hightech-Unternehmen „mNemoscience” vor dem Aus

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Hightech-Unternehmen „mNemoscience” vor dem Aus

Von: Stephan Vallata
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Für die Entwicklung so genannter „Formgedächtniskunsstoffe” ist die Firma „mNemoscience” mehrfach ausgezeichnet worden. Jetzt ist sie insolvent. Seit dieser Woche ist das Bietverfahren für Investoren eröffnet. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg/Aachen. Sie haben gehofft, und sie haben gebangt. Übrig geblieben ist nur tiefe Ernüchterung: Die 17 Mitarbeiter des insolventen Hightech-Unternehmens „mNemoscience” mit Sitz im Carolus-Magnus-Center und in Aachen werden ab dem 1. August wohl arbeitslos sein.

Insolvenzverwalter Thomas Georg teilte der Belegschaft am Mittwoch in einer Betriebsversammlung mit, dass er eine Kündigung aufgrund der Zahlungsunfähigkeit der hochdekorierten Firma für unumgänglich hält. „Wir haben hier keine Umsätze, wir haben keine Einnahmen, nichts - das ist die Situation”, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Die Crux an der ganzen Sache scheint zu sein, dass „mNemoscience” zwar auf ihrem Arbeitsgebiet - der Entwicklung von Kunststoffen mit Gedächtnis - an die 40 Patente hält, aber diese erst in rund zwei Jahren serienreif sein werden.

Bis zu diesem Zeitpunkt ist die 1998 gegründete Firma abhängig von regelmäßigen Finanzspritzen. Diese kamen von dem US-amerikanischer Investor „Paperboy Ventures” aus Washington, bis dieser in den Sog der aktuellen Finanzkrise geriet und die Zahlungen einstellte. Damit wurde „mNemoscience” zu einem unschuldigen Opfer dieser Entwicklung.

Geschäftsführer Christian Palme war bis zuletzt fieberhaft damit beschäftigt, die endgültige Liquidation des Unternehmens abzuwenden. Man habe einen Investor an der Angel, der noch in dieser Woche ein Angebot unterbreiten wolle, teilte er mit.

Zu spät für Insolvenzverwalter Georg. Er will ein offenes Bieterverfahren eröffnen, weil die Investorensuche aus seiner Sicht bisher noch kein „adäquates Ergebnis” erbracht habe. Den Betrieb nahtlos fortzuführen, hält er daher für unmöglich. Eine neue Gesellschaft am gleichen Standort mit demselben Personal zu gründen, sei zumindest eine denkbare Option, glaubt der Rechtsanwalt.

„mNemoscience” hat nach Rechnung von Geschäftsführer Palme einen Investitionsbedarf von zirka sechs Millionen Euro in den kommenden beiden Jahren. Die Schulden der Firma beliefen sich aktuell auf rund eine Million Euro - eine überschaubare Größenordnung, meint Palme. Er sieht mit Blick auf den potenziellen Investor eine Chance, sofern die Gläubiger mitspielen. „Wir müssen den Gläubigern vermitteln, dass wir hier noch eine Perspektive haben.”

Unterdessen schließt man innerhalb der Belegschaft nicht mehr aus, den Klageweg auf Basis des Kündigungsschutzes zu beschreiten. Wenn ein Investor ein tragfähiges Konzept vorlege, sei es nicht rechtens, das Unternehmen zu zerschlagen, heißt es. Der Mitarbeiterstab besteht größtenteils aus Chemikern, Laboranten und Ingenieuren. Sie entwickeln so genannte Formgedächtniskunststoffe.

Dazu zählt chirurgisches Nahtmaterial, das sich selbst verknotet, sowie Stents, die sich in verstopften Blutgefäßen selbst fixieren und diese erweitern. In den vergangenen Jahren hat die 1998 gegründete Firma mehrere renommierte Gründer- und Innovationspreise erhalten.
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