„Heute Kunst”: Tag des Offenen Ateliers in Gillrath

Von: Karl-Heinz Hamacher
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Theo Heinen (links) und Georg
Theo Heinen (links) und Georg Kohlen beim intensiven Austausch. Im Hintergrund ist eine ganze Reihe von Heinen-Bilder zu sehen. Die individuell geprägten Aussteller fanden auf dem alten Gillrather Fabrikgelände auch Gemeinsames. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Geilenkirchen-Gillrath. „Heute Kunst” war am Eingang des alten Fabrikgeländes Teeuwen in Gillrath zu lesen. Kunst groß geschrieben. Denn am Tag des Offenen Ateliers präsentierten sich vier Künstler, die seit geraumer Zeit ihre Werkstätten in dem weitläufigen Gelände haben.

Andreas Joerissen, der dort als Erster einzog, hat einen Raum für sich alleine. Burkart Ollertz, Georg Kohlen und Theo Heinen teilen sich einen großen Raum für ihre sehr unterschiedlichen Arbeiten.

Das gemeinsame Arbeiten ist für die drei Individualisten kein Pro­blem. Zum einen erzählt Theo Heinen von Interaktion, die sich natürlich auch bis zum Atelier Joerissen zieht. „Am Besten ist es aber, wenn keiner quatscht und jeder malt”, fasst Theo Heinen pragmatisch das gute Verhältnis untereinander zusammen.

Über die Vielzahl der Besucher an diesem Wochenende mit eben so viel Sonnenschein wie Fahrradfahrern haben sich alle vier gewundert. „Diese Resonanz haben wir eigentlich nicht erwartet und wir haben uns gefreut, wie viel fach- und sachverständiges Publikum und besucht hat.”

Kunstwerke, Objekte und Installationen waren auch rund um die Ateliers auf dem Außengelände platziert. Die ersten Außenarbeiten wiesen auf das Atelier von Andreas Joerissen hin. Der Stamm eines Mammutbaumes, der vor Jahren noch auf dem Gangelter Friedhof gestanden hat, war die dominierende Arbeit. „Drei vom gleichen Stamm” heißt das tonnenschwere Stück, das drei rot lackierte Figuren im Stamm versteckt zeigt. „Es sind verschiedene Kulturen, die aber eben alle die gleiche Herkunft haben. Der Außenstehende muss sich bewegen, um jede von ihnen zu sehen”, hat Andreas Joerissen an diesen zwei Tagen mehrfach erläutert. Neben aktuellen Arbeiten und solchen aus der Vergangenheit, wie zum Beispiel „Der Rufer” aus dem Jahre 2007, ziehen sich die Schamanen wie ein roter Faden durch seine Arbeit. Mittlerweile gibt es neun davon, und jeder von ihnen stellt einen anderen Charakter dar. „Die werden gerne als Hausgeister eingesetzt”, berichtet Andreas Joerissen lachend von einem Gespräch mit einer Käuferin.

Von seinem „früheren Leben” als Liedermacher sind noch einige CDs übrig geblieben, die nun bemalt einer neuen Bestimmung zugeführt werden. „Abspielen kann man sie aber immer noch”, berichtet er von einem Selbstversuch.

Dass Gedichte auch mit Bildhauerei zu tun haben können, ist ein Aspekt in der Arbeit von Georg Kohlen. Tipp-ex ist das Mittel zum Zweck, aus Werken von mehr oder weniger bekannten Lyrikern ganz neue Sprachgebilde zu bauen; quasi aus dem Gesamt-Wortwerk mittels Wegnehmen etwas Neues zu schaffen - so wie Bildhauerei eben.

Eine Lesung dieser Arbeiten, bei der die Originale den bearbeiteten Texten von Georg Kohlen mittels mit einem Beamer gegenübergestellt wurden, war der Abschluss des ersten Abends. „Es wurde viele gelacht”, erzählt der „Wortakrobat” Kohlen von einem geselligen Abend, an dem die Texte in der Dunkelheit projiziert wurden und man bei Heinsberger Rostbratwürstchen und türkischer Pizza langsam zum geselligen Teil der Veranstaltung über ging.

Stilistisch ist Georg Kohlen nicht festgelegt. Die Texte sind das eine, die Malerei auf einem weiten Feld der andere Bereich. „Ich bin ein Hans-Dampf in allen Gassen”, charakterisiert er sich selber und weist auf abstrakte Bilder hin, auf Bilder mit Menschen, die hier ein Miteinander und ein dort ein Nicht-Miteinander zeigen.

„Punkte malte er jetzt auch wieder”, so Theo Heinen, der auf einen Kohlen-Stein mit Farben und Punkten überzogen hinweist. „Malen entsteht für mich so, wie für einen Komponisten das Musikstück”, umschreibt Theo Heinen seine Art, Figürliches ebenso wie Abstraktes auf die Leinwand zu bringen. Er gießt Farbe auf das Bild, schaut sich die Struktur an, beeinflusst oder ordnet diese und bringt Farbtöne und Varianten hinein.

Früher hat auch er Musik gemacht, doch die sei flüchtig. „Der Ton ist gespielt, dann weg.” Er möchte „festhalten können”; dazu bietet die Leinwand Raum.

Von „bewegt bis peinlich berührt” hat Burkart Ollertz das Publikum vor seinen Bildern erlebt. Nacktsein, Krankheit und Tod sind die Themen, um die sein aktuelles Schaffen sich drehen. Für ihn, der früher als Platzgründen ehr kleinformatige Bilder gemalt hat, ist das neue Heim in Gillrath der Ort, an dem große Formate möglich sind.

Erstaunlich, worauf er alles malt. „Armes Material” nennt er die Kartons, Verpackungen und sogar Frittenschälchen, auf denen man seine Bilder sieht, die oft ihn selber zeigen. Ihn reize „provisorisches, auf nicht für die Präsentation geeignetem Material”, so Burkart Ollertz. Die Bilder verlangen vom Betrachter eine Beschäftigung mit dem Thema, haben eine enorme Tiefe und erschließen sich hier und da erst, wenn man die Geschichte kennt, die dahinter steht.

Unter den zahlreichen Besuchern des Wochenendes waren auch einige, die den vier Künstlern Angebote für eine gemeinsame Ausstellung unterbreiteten. „Wir müssen uns unbedingt Visitenkarten als Kollektiv machen lassen”, mahnte Theo Heinen seine Mitstreiter - zu mehr Professionalität als „Zusammen-Schaffende”.
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