Gangelt - Hein Gottfried Fischer: Nächste Station Rathaus?

Hein Gottfried Fischer: Nächste Station Rathaus?

Von: Jan Mönch
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Da will er rein: Bürgermeisterkandidat Hein Gottfried Fischer vor dem Gangelter Rathaus. Foto: Jan Mönch
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Bürgermeisterkandidaten unter sich: Hein Gottfried Fischer (links) beim lockeren Plausch mit Amtsinhaber Bernhard Tholen. Foto: Hamacher

Gangelt. Ausgerechnet die Bemerkung eines 20-Jährigen, also eines sehr jungen Menschen, trägt Hein Gottfried Fischer durch den Wahlkampf, von Termin zu Termin und von Tür zu Tür. Bei einer Veranstaltung habe dieser junge Mann zu ihm gesagt: „Gut, dass hier in Gangelt mal frisches Blut reinkommt“, erinnert sich Fischer. Das hat ihm so gut gefallen, dass er den Satz zu seinem Slogan gemacht hat: Frisches Blut für Gangelt. Dafür wäre es doch mal Zeit, findet er.

Hein Gottfried Fischer sitzt vor einem Glas Wasser im Infocenter am Freibad, er will sich der Presse vorstellen. Eigentlich sollte das Gespräch im Haus Hamacher stattfinden, doch da war noch geschlossen. Egal, auch im Infocenter nebenan gibt’s was zu trinken. Hein Gottfried Fischer möchte gern Bürgermeister werden, und bei einem Glas Wasser erklärt er nun, warum. Und vor allem: wie.

Auf den ersten Blick mag seine Idee ja erstaunlich wirken. Schließlich gibt es da einen Amtsinhaber namens Bernhard Tholen, dem die Bevölkerung bereits drei Mal ihr Vertrauen geschenkt hat. Zuletzt hat Tholen die Gemeinde schuldenfrei gemacht. Warum also sollten die Gangelter ausgerechnet jetzt, wo andere Kommunen unter ihrer Schuldenlast ächzen, umschwenken? Und wie will der Herausforderer sein Ziel erreichen, zumal als freier Kandidat, also ohne eine Partei im Rücken? Fischer lächelt. Doch er meint es ernst.

Einzelhandel, Zoll, Bofrost

Fischers Lebenslauf ist reich an Wendungen: Er ist gelernter Einzelhandelskaufmann, arbeitete aber auch schon als Zollbeamter. Später wurde er Sozialpädagoge. Er interessiert sich für alternative Behandlungsformen, Hypnosetherapie, Schütteltherapie, autogenes Training, solche Dinge. Er fuhr auch schon mal für Bofrost von Tür zu Tür, aber nur nebenbei. Auf den zweiten Blick wirkt Fischers Idee dann schon weniger verrückt, ein bisschen weniger zumindest. Warum nicht auch mal Bürgermeister werden? Die nötigen Unterschriften für eine Kandidatur jedenfalls hat er ja irgendwie bekommen.

Geboren wurde Hein Gottfried Fischer in Goslar, aufgewachsen ist er in Duderstadt, das liegt bei Göttingen. Ein Mann am Nebentisch, der bis jetzt an seinem Kaffee geschlürft hat, wird hellhörig. Duderstadt? Da komme er auch her, das gibt’s doch nicht. Auch Fischer freut sich über die unverhoffte Gemeinsamkeit. „Sie können mich übrigens wählen, ich bin Bürgermeisterkandidat“, geht er gleich auf Stimmenfang. Doch der Mann lebt gar nicht in Gangelt. Schade, aber zumindest kann er dann ja auch nicht Tholen wählen. Das nennt man positives Denken.

Extra für die Presse hat Fischer handschriftlich eine Liste seiner Vorzüge erstellt, sie ist ziemlich lang und betrifft vor allem seine menschlichen Qualitäten. Offen, ehrlich und zuverlässig sei er, sympathisch, gesund und lebensfreudig, außerdem möge er Menschen. Auch das Attribut selbstbewusst fehlt nicht.

Und inwieweit hebt Sie das von Herrn Tholen ab, Herr Fischer? „Sympathisch sind wir natürlich beide, das ist klar“, sagt er. Und bestimmt habe Tholen ebenfalls Freude am Leben. Er selbst, Hein Gottfried Fischer, bringe aber mehr Lebensweisheit mit, schließlich sei er ja schon 70. Auch viele verschiedene Wohnsitze hatte er in diesen 70 Lebensjahren schon, Stuttgart, Bremen und Mönchengladbach zählen dazu. Duderstadt wurde ja schon genannt. Aktuell lebt er in Birgden.

Fischer ist auch stolz auf seine Vorfahren: „Mein Stammbaum ist exklusiv“, sagt er. Sein Urgroßvater sei Imanuel Lazarus Fuchs, ein Mathematiker, der im 19. Jahrhundert lebte und der einen Wikipedia-Eintrag hat. Entfernt verwandt sei er auch mit Kaiser Wilhelm II. Ob das stimmt? Der Beweis dagegen ist vermutlich ebenso schwer zu erbringen wie der Beweis dafür. Und vielleicht hat das „frische Blut“ für Gangelt ja in der Tat einen leichten Blaustich.

Wichtiger dürfte den Wählern allerdings sein, wie viel Erfahrung der Kandidat in Sachen Politik und Verwaltung hat. Hier muss man sagen: Sehr, sehr, sehr viel weniger als Bernhard Tholen. Fischer engagierte sich mal bei den Grünen, die mit seinem aktuellen Wahlkampf jedoch nichts zu tun haben. Und wenn es um administrative Abläufe geht, verweist der Kandidat auf Zusatzqualifikationen in Sachen Arbeits- und Sozialrecht. Da habe er auch mit Paragrafenwerk hantiert. Ob das genügt?

Vergangene Woche hat Fischer die für seine Kandidatur notwendigen Unterschriften eingereicht. Seitdem meldet er sich am Telefon mit „Fischer, Bürgermeisterkandidat“. Das klingt gut. Telefonisch ist der zweifache Vater allerdings schwer zu erreichen, denn seinen Wahlkampf bestreitet er durch Hausbesuche. Das heißt: Er zieht von Tür zu Tür und stellt sich vor. So ähnlich wie früher bei Bofrost, nur ohne Tiefkühlkost. „Diese Erfahrung kommt mir nun zupass. Alles kommt mir zupass“, sagt er. Das Thema Lebensweisheit, da ist es wieder. In Kreuzrath und in Schierwaldenrath war Fischer schon auf Hausbesuch, diese Woche sind Stahe, Niederbusch und Langbroich dran. „Ich gehe da strukturiert vor.“

In Fischers Pressemitteilung steht auch, was er, wenn Tholen erst mal weg ist, erreichen möchte. Über den Energieverbrauch der Hauptschule müsse man sich Gedanken machen, außerdem über die weitere Nutzung des Birgdener Pennymarkt-Ladenlokals. Dort könne ja eine Drogerie, ein Norma oder ein Fitnessstudio rein. Alles gute Ideen, findet Fischer.

Der Busverkehr müsse mehr an die Bedürfnisse von Alten sowie Müttern mit Kinderwagen angepasst werden. Das Gleiche gelte für den Gehweg Großer Pley. Am Birgdener Mehrgenerationenspielplatz wäre ein Bodenschachspiel schön und in Schierwaldenrath, wenn es überhaupt einen Spielplatz gäbe. Nicht alle diese Ideen sind seine eigenen. Vor oder im Rathaus, je nach Wetterlage, würde Fischer außerdem gerne ein offenes Singen organisieren, als „sinnvolle Freizeitbeschäftigung“ für die Allgemeinheit. „Es braucht ja nicht unbedingt besonders gut zu klingen.“ Das wäre ja vielleicht auch etwas viel verlangt.

Und wieder Pech gehabt

Das Gespräch ist beendet, Fischer steht auf und bezahlt. „Sie können mich wählen, ich kandidiere als Bürgermeister“, lässt er auch die Dame an der Kasse wissen. „Ich wohne nicht in Gangelt“, sagt auch sie und kramt plötzlich ganz konzentriert im Geldfach. Verflixt, schon wieder Pech gehabt – bei Hausbesuchen kann sich auf diese Tour natürlich keiner rausreden. Hein Gottfried Fischer sagt: „Je mehr Unterstützung ich bekomme, desto sicherer bin ich, dass ich Bürgermeister werde.“

Ein Attribut hat er auf der Liste seiner Persönlichkeitsmerkmale vergessen: Er ist ohne jeden Zweifel ein ganz grandioser Optimist.

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