Guter Empfang bei Problemen

Von: Wilfried Rhein
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Ob Fahrrad, Telefon oder Kamera - was man herrenlos in der Landschaft entdeckt, wird meist dem Fundbüro der Stadt anvertraut. Nach wirklich „Verlorenem” wird übrigens von etwa einem Drittel der Betroffenen mit Erfolg nachgefragt. Auch im zukünftigen Service-Zentrum kann das geregelt werden, versichern Amtsleiter Armin Kaumanns mit Kolleginnen Carmen Hennes und Ramona Grafmüller.

Geilenkirchen. Wer etwas sucht oder gefunden hat, der soll auf absehbare Zeit im Rathaus ganz anders empfangen werden. Im Wortsinn. Das jetzige Besucherfoyer im Ratstrakt der Stadtverwaltung am Markt wird zurzeit überplant, eine zeitgemäße Dienstleistungszentrale wird demnächst dort eingerichtet.

Dann ist eine Frage nach dem Personalausweis, nach der Hundesteuer oder nach der in der Stadt verlorenen Brieftasche an der guten und rechten Adresse.

„Die Verwaltung bekommt ein Bürger-Service-Zentrum, in dem Dienstleistungen aus einer Hand und mit bürgerfreundlichen Öffnungszeiten angeboten werden.” Das hat Thomas Fiedler gesagt, als er sich im vorigen Herbst beim Wähler um das höchste Amt der Stadt bewarb. Nun ist Thomas Fiedler Bürgermeister der Stadt Geilenkirchen und hat Ideen wie Erfahrungen gesammelt, wie das Servicezentrum hier aussehen kann und wie es funktionieren muss.

Das Prädikat „bürgerfreundlich” will sich die Verwaltung mit ihrem Bestreben bei den Kunden schnell verdienen. Kunden, sagt Thomas Fiedler und macht deutlich, dass man „Vertrauen gewinnen muss, als wäre man ein Dienstleistungsbetrieb wie ein Geldinstitut oder ähnliches.” Das bedeute auch, dass man für den Bürger/Kunden etwas sichtbar verändert: eine „freundliche Empfangssituation” herstellt.

Was sich zurzeit noch als kühle Halle mit Plakatwänden vorstellt, soll sich im fertigen Zustand als transparente Publikumstheke zeigen, die trotz des Baustoffes Glas individuelle Schutzzonen bieten soll. Soviel zur Architektur. Entscheidend für den Bürger ist Qualität, mit der sein Problem gelöst wird. Der Bürgermeister legt dafür zugrunde: „Wir werden das Wissen verschiedener Fachämter so bündeln, dass maximale Auskunft gegeben werden kann, ohne das Fachamt direkt zu berühren.” 80 Prozent der Fragen sollen im ersten Anlauf beantwortet werden, hält Thomas Fiedler für realisierbar.

Alle Datenströme im Rathaus sollen im Service-Zentrum die Spuren hinterlassen, mit denen Anfragen schnell und treffend erledigt werden können. Das, betont Thomas Fiedler, soll nicht das Angebot telefonischer Auskunft wie auch der Internetseiten ablösen. Aber: „Nicht alles ist übers Internet zu regeln.” Dafür gibt es ja Menschen.

Den Service-Pool sollen nach jetzigen Vorstellungen sechs Mitarbeiterinnen und Kollegen aus den relevanten Fachabteilungen des Rathauses bilden, die in Ablösung untereinander der Bürgerdienst versehen. Das, weiß Thomas Fiedler, setzt freiwilliges Interesse an der Tätigkeit voraus, da sich auch die Arbeitszeiten verändern und vorab Schulungen stellen werden. Der Personalrat wird bei dieser Organisation mit am Tisch sitzen.

Ohne Bereitschaftsliste

Beigeordneter Herbert Brunen nennt es „praktizierte Bürgerfreundlichkeit”, was am neuen Platz fortgesetzt wird, die Verwaltung aber jetzt schon leistet. Ein Blick ins Ordnungsamt, dem vielfältige Bürgerkontakte auferlegt sind, bestätigt das. Und Amtsleiter Armin Kaumanns kennt zahlreiche Beispiele ungewöhnlicher Arbeitsweisen und -zeiten, wenn sie im Ordnungsamt nicht ohnehin an der Tagesordnung wären. Da muss auch am Wochenende reagiert werden, wenn der Geilenkirchener Bürger kurz vor dem Auslandsurlaub seinen ungültigen Pass in Händen hält.

Bei Armin Kaumanns und Kollegen läuft das ohne feste Personal-Bereitschaftsliste. Zwölf sind das im Ordnungsamt, ziemlich genau zehn Prozent aller Beschäftigten im Rathaus; mit sämtlichen Außenstellen zählt die Stadt rund 250 Mitarbeiter. Den Damen und Herren der Öffentlichen Sicherheit und Ordnung ist Bürgerservice praktisch ins Amt gelegt. „Eine Kernmannschaft von uns ist schon um 7 Uhr morgens da”, berichtet Armin Kaumanns. „Und wir haben festgestellt, dass unser Dienst von den Bürgern auch um diese Zeit schon angenommen wird.”

Beispielsweise, wenn ganz Eilige den Verlust eines wertvollen privaten Gegenstands zwecks Wiederbeschaffung anmelden möchten, also: Fundbüro. Bei der Stadtverwaltung Geilenkirchen ist die Quote solchen Erfolgs recht hoch. Bei einem Drittel etwa siedelt Armin Kaumanns die Fälle an, die mit der Rückgabe verlorener Dinge abgeschlossen werden können.

Es sind rund 150 Gegenstände, die jährlich von Findern abgegeben werden. Das Übliche, von der Armbanduhr bis zum Mobiltelefon. Bei den Fahrrädern zieht Armin Kaumanns Falten in die Stirn: „Werden Räder wirklich verloren”, lässt er andere Deutungen zu.

Aber das alles zu verwalten, in Schränken, Regalen und Kellern zu lagern, hier und da der Polizei eine Mitteilung zu machen, ist eine elementare Aufgabe, die sich aus dem Paragraphen 967 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) ableitet. Egal, was anlandet.

Im vorigen Jahr zum Beispiel dieser Zeitmesser: „Standuhr, antik, goldfarben”, liest Armin Kaumanns aus dem Buch der früheren Bestände vor. Denn das teure Stück fand seinen Eigentümer wieder. Auch eine zeit-gemäße Dienstleistung.
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