Grüne üben Kritik am Stadtmarketing

Von: Udo Stüßer
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Wollen Stadtmarketing in professionelle Hände legen: Franz Michael Jansen und Bürgermeister Andreas Borghorst (von links). Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Die Grünen haben nicht nur seit dem Scheitern der Pläne für die Errichtung eines Einkaufszentrums auf dem Gelände des alten Extra-Marktes erhebliche Zweifel, ob die Stadt Geilenkirchen ein ausgereiftes Stadtmarketing-Konzept hat.

„Wir sind der Meinung, dass nach der anfänglichen Euphorie im Jahr 2001 die Aktivitäten des Lenkungskreises und der Projektteams merklich nachgelassen haben”, erklärt Grünen-Fraktionschef Jürgen Benden. Aus Sicht der Grünen bedürfe es aber gerade jetzt eines starken und aktiven Lenkungskreises, um alle Kräfte zu bündeln und mit größtmöglicher Bürgerbeteiligung ein positives Stadtmarketing zu betreiben.

Deshalb haben die Grünen viele Fragen auf dem Herzen, zur Anzahl der Arbeitskreis- und Lenkungskreis-Sitzungen und zu den Ergebnissen. Mit dieser Anfrage beschäftigt sich der Rat der Stadt Geilenkirchen in seiner nächsten Sitzung am Mittwoch, 19 Uhr.

Für den CDU-Parteichef Franz-Michael Jansen, seit 2001 Marketing-Lenkungskreis-Vorsitzender, steht derweil fest: „Das Marketing der ersten Generation hat seine Schuldigkeit getan.”

Was wurde mit Stadtmarketing in Geilenkirchen erreicht? Mit welchen Maßnahmen soll das Konzept belebt werden? Muss es überhaupt belebt werden? Bürgermeister Andreas Borghorst erklärt dazu: „Das Stadtmarketing war die Grundlage des Integrierten Handlungskonzeptes. Das Stadtmarketing hat dafür gesorgt, dass die Bürger an diesem Handlungskonzept beteiligt werden.”

Auf die Anfänge des Marketing-Prozesses blickt Franz-Michael Jansen zurück. „Wir hatten damals ein Strukturproblem in der Stadt.” Der Geilenkirchener CDU-Ortsverband wollte den Fokus auf die Situation in der City lenken und den Blick der Politik für die Situation im Kerngebiet zwischen evangelischer Kirche und Vogteistraße schärfen.

„Wir mussten überlegen, wie wir den Stadtkern attraktiver gestalten können”, so Jansen. Begleitet und moderiert wurde der Marketing-Prozess anfangs von der Kölner Unternehmensberatung BBE. Mit 100.000 DM im Jahr sollte dieser Marketing-Prozess finanziert werden, wobei die Stadt von ortsansässigen Banken einen Zuschuss in Höhe von insgesamt 50.000 DM erhielt.

Mit interessierten Bürgern wurde ein Leitbild für die Stadt erarbeitet, Ausschüsse wurden für bestimmte Themenfelder wie „saubere Stadt”, „familienfreundliche Stadt”, „Wirtschaftsförderung” gegründet. Hier wurden die theoretischen Grundlagen geschaffen. „Doch als es um die praktische Umsetzung ging, ließ das Interesse nach. Es handelte sich schließlich auch nur um Ehrenamtler”, blickt Jansen zurück.

Nachdem der Stadtrat das Integrierte Handlungskonzept beschlossen hatte, wurde es von den Städteplanern Meyer-Brandis begleitet. „Eine Stadt kann nicht in die Einzelhandelslandschaft eingreifen. Sie kann aber eine Atmosphäre schaffen, die für Geilenkirchen als Einkaufsstadt förderlich ist”, erklärt Jansen. Es sollte ein Ambiente geschaffen werden, das die Menschen nach Geilenkirchen lockt.

Und den Beteiligten war klar: Erhöht man den Freizeitwert der Stadt, erhöht man auch den Umsatz. „Wir sind davon ausgegangen, dass das Einkaufszentrum kommt”, erklären Borghorst und Jansen unisono, die sich in einem von der Immobilien-Treuhand-Gesellschaft Düsseldorf, die auch in Geilenkirchen das Einkaufszentrum realisieren wollte, entworfenen Einkaufszentrum in Bocholt informiert hatten.

In Bocholt wird Stadtmarketing von einer GmbH betrieben, hier werden jährlich 250.000 Euro zur Verfügung gestellt. „Auch wir wollen ein solch institutionalisiertes Stadtmarketing betreiben. Wir brauchen eine Gesellschaft oder einen Verein, unabhängig von der Stadtverwaltung und mit einem hauptamtlichen Geschäftsführer”, blickt Jansen in die Zukunft.

Deshalb hat die CDU bei den jüngsten Haushaltsberatungen gefordert, 200.000 Euro im Jahr für Stadtmarketing bereitzustellen. „Wir müssen die Attraktivität Geilenkirchens mit Hilfe eines Profis steigern”, weiß Jansen. „Aber bislang haben wir gewartet, weil wir gemeinsam mit der Firma ITG starten wollten. Die ITG hatte eine starke finanzielle Beteiligung in Aussicht gestellt, die ITG hatte Erfahrung und wollte im Konsens mit dem Aktionskreis Einfluss nehmen”, erklärt Jansen, der versichert: „Ende des Jahres, spätestens im Frühjahr steht das Ding.”

Große Firmen - so Jansen und Borghorst - haben bereits ihre Mitarbeit und finanzielle Unterstützung signalisiert. Neben dem Einzelhandel sollen alle Interessengruppen - Gewerbe, Industrie, Vereine - mit ins Boot geholt werden. „Professionell und nachhaltig”, so Borghorst, soll dann Imagewerbung für die Stadt betrieben werden.
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