Grüne fordern Abriss des Stellwerkes

Von: Wilfried Rhein
Letzte Aktualisierung:
Ein Gebäudeklotz an markanter
Ein Gebäudeklotz an markanter Stelle: das alte Stellwerk in Hünshoven an der Konrad-Adenauer-Straße. Nach Meinung von Grünen-Sprecher Jürgen Benden und Gastronom Franz-Willi Jansen sollte die aufgegebene Bahnanlage abgerissen werden. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Die metallene Treppe ist schon abmontiert. Es will und muss niemand mehr hinauf.

Das alte Stellwerk am Bahnübergang an der Konrad-Adenauer-Straße ist seit fast fünf Jahren außer Betrieb. Moderne Steuerungstechnik im fernen Duisburg ist in der Lage, Schrankenbewegungen und Freifahrtzeichen für die Züge Richtung Aachen und Düsseldorf zu schalten.

Was also tun mit dem bröckelnden Zeichen früherer Mobilität? „Abreißen”, sagen die Grünen im Rat der Stadt Geilenkirchen, und sie sehen sich nicht allein mit dieser Forderung.

Im Jahr 2007 wurde dem eckigen Mauerwerk mit der runden Kanzel obenauf die Funktion genommen. Die Fenster sind vom Eigentümer, der Bahn AG/DB Netz, mit Lochmetallblechen gesichert. Von Zeit zu Zeit machen sich Sprayer daran, die unteren Backsteine mit Glyphen zu markieren. Das kann kein Zustand sein, geht Jürgen Benden, Fraktionsvorsitzender der Rats-Grünen, in die Offensive.

Ende voriger Woche hat er Post an das Management des Hauptbahnhofs in Aachen geschickt. Einleitung: „Das heruntergekommene Fahrdienstleiterstellwerkhäuschen mitten in der Geilenkirchener Innenstadt ist seit Jahren ein leidiges Dauerthema.” Die meisten Menschen, beruft sich der Politiker auf „viele Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt und der Verwaltung”, hätten kein Verständnis mehr dafür, dass nun schon seit Jahren an der Hauptdurchgangsstraße der Stadt „dieser Schandfleck” stehe.

Den Negativbegriff hat auch Franz-Willi Jansen übernommen. Der jetzt 62-jährige Gastronom führt mit seiner Familie die unmittelbar angrenzende Nikolaus Becker Stube. Er und Sohn Sascha haben natürliches Interesse daran, diese bauliche Situation vor der Haustür zu tilgen. Jürgen Benden weiß, dass die Stadtverwaltung dieses Interesse teilt und will schon Anfang 2011 über Rathauskontakte erfahren haben, dass die Deutsche Bahn AG zum Abriss bereit ist.

Das habe man seinerzeit auch in die Bürgergespräche „Grüner Dialog” einfließen lassen. In einer Zeit also, in der man schon von einer möglichen Unterführung des Straßenverkehrs an dieser Stelle gesprochen habe.

Aber es bewegt sich offenbar nichts, beklagt Jürgen Benden: „Spielt man Katz und Maus mit uns?” Denn mit der Bedeutungslosigkeit des Gebäudes für den sicheren Bahnbetrieb sei die Pflege des Stellwerks nach dem Empfinden Jürgen Bendens „und dem vieler Bürgerinnen und Bürger” ganz eingestellt worden. Auf Vandalismusschäden habe die Deutsche Bahn lediglich mit Sicherung der Fenster und Türen reagiert. Dennoch entstünden der Bahn für zukünftige Unterhaltsaufgaben weitere Kosten.

Seit den 60er Jahren steht das Stellwerk an dem Platz in Hünshoven. Es löste ein Fachwerkhäuschen ab, das die Sicherungsfunktionen manuell von der gegenüberliegenden Straßenseite aus regelte. Seitdem Franz-Willi Jansen das Restaurant übernommen hat, das war 1975, hat er mit dem Anblick und der Bahn leben müssen - sie war Eigentümerin. Rund drei Jahre dauerte es, bis die Stadt das Grundstück übernahm und an Franz-Willi Jansen weiterreichte.

Bis dahin musste die Gastronomen-Familie unter anderem jährlich 500 D-Mark „Fensterpacht” an die Bahn bezahlen. „Wahrscheinlich wegen des freien Blicks auf die vorbeirauschenden Züge”, spottet Sascha Jansen.

Triebköpfe und Waggons, für Personen wie für Fracht, scheppern immer noch an der Nikolaus Becker Stube vorbei. Immerhin in dem gedrosselten Tempo der Bahnhofsein- oder -ausfahrt. Des neuen Bahnhofs, übrigens, wie Jürgen Benden bemerkt. Am morgigen Donnerstag wird das komplett und sehr attraktiv sanierte Gebäude, das der Stadt Geilenkirchen gehört, offiziell wiedereröffnet. Ein prima Anlass, glaubt der Grünen-Sprecher, auf das Problem „Altes Stellwerk” aufmerksam zu machen; ein solches existiert zudem noch in Lindern.

Vom Bahnhofsmanagement in Aachen hat bereits Dipl.-Ing. Steffen Glasnek reagiert. Auf Anfrage sagte er unserer Zeitung, dass die Zuständigkeit bei der Eigentümerin liege, in diesem Fall die DB Netz AG. Beteiligt an Lösungen solcher Umfeldentwicklungen ist jedoch auch die Bahnflächenentwicklungsgesellschaft (BEG mbH) in Essen, deren Gesellschafter die Bahn AG und das Land Nordrhein-Westfalen sind.

„Das Thema ist bei uns bereits erörtert worden”, sagt in Essen Dipl.-Ing. Carsten Kirchhoff. Der BEG-Projektleiter wird von der DB Netz erfahren, welche Pläne man mit dem alten Stellwerk hegt: Abriss oder Verkauf? In etwa vier Wochen, rechnet Carsten Kirchhoff, habe man klarere Informationen.

Für die vielleicht zwei Dutzend Quadratmeter Boden, die nach einem Abriss des Gebäudes übrig blieben, ist Franz-Willi Jansen ein natürlicher Interessent. Er gewänne nicht nur Parkraum, sondern wie auch die Besucher der Stadt einen ganz anderen Blick auf die neugestaltete Innenstadt.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert