Großes Zirkus-Winterlager in Gillrath

Von: Georg Schmitz
Letzte Aktualisierung:
4988045.jpg
Minipony „Piccolo“ ist der Liebling von Loreen (13). Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen-Gillrath. Die Zirkusfamilien Bossle und Aladin haben seit Ende November 2012 ihr Winterquartier in Gillrath eingerichtet und bereiten sich auf die kommende Saison vor. Die kühle Jahreszeit ist kein Zuckerschlecken für Artisten und Akrobaten, denn aufgrund der fehlenden Gastspiele bleiben die Einnahmen aus.

„Das ist jetzt die Zeit, um neue Nummern einzustudieren und das Material zu erneuern“, erzählt Zirkuschefin Tunita Bossle. Neue Requisiten müssten beschafft, Fuhrpark, Stahl- und Eisenteile gestrichen werden. Auch gelte es, dass Zwei-Mast-Zelt auf Schäden zu überprüfen. In Kürze komme der für „Fliegende Bauten“ zuständige TÜV aus Hannover und leiste die Bauabnahme für das Zelt.

Daneben erwarte der Zirkus noch eine Überprüfung durch das Veterinäramt des Kreises Heinsberg nach „Paragraf 11“, so die Chefin. Das Amt schaue sich die Zirkustiere an und erstelle ein Gutachten, ohne dass der Zirkus nicht mit den Tieren arbeiten dürfe. „Für uns bedeuten die Behördengänge immer viel Lauferei und auch Kosten, aber das muss nun mal sein“, so Tunita Bossle weiter.

Ihr Ehemann David ist gerade unterwegs, um Futter für die 39 Vierbeiner zu besorgen. Die Lamas, Kamele, Ziegen, Pferde, Ponys, Hasen und die Kuh „Bernd“ müssen schließlich mit Heu, Hafer und Möhren versorgt werden. Das gehe natürlich auch richtig ins Geld, wenn man bedenke, dass ein Rundballen Heu um die 70 Euro koste.

Vor zehn Tagen wurde Lamababy „Shakira“ geboren, und das hat sich seitdem prächtig entwickelt. „Shakira“ steht im Stall des alten Bauernhofes neben Zwergpony „Piccolo“. Alle sind sie quietschfidel, und die kühlen Temperaturen scheinen den Tieren nichts auszumachen.

Der niederländische Besitzer des landwirtschaftlichen Anwesens an der Bergstraße hat der sechsköpfigen Familie Bossle und den zwölf Aladins das Gehöft zum zweiten Mal als Winterquartier zur Verfügung gestellt. Dafür sind alle sehr dankbar.

Mit 30 Fahrzeugen ist der Doppelzirkus angerückt, wobei sich das Familienleben in den Wohnwagen abspielt. Bei der Kappensitzung in Hatterath hatten Tunita und Ehemann David sowie die Kinder Dennis (17), Leon (15), Loreen (13) und Antonio (5) dem Publikum mit ihren Kunststücken viel Freude bereitet. Aber sonst war es um Auftritte im Winter schlecht bestellt. Der Versuch, mit einem Weihnachtszirkus in Echt sich ein bisschen über Wasser zu halten, scheiterte kläglich.

„Das war ein Verlustgeschäft“, sagt Tunita Bossle. Vorher habe die Familie extra 200 neue Werbeplakate gekauft, von denen nach dem Gastspiel bis auf 46 Stück alle verschwunden seien. Überhaupt habe der Zirkus Bossle in 2012 viel Pech gehabt, denn es seien kostspielige Reparaturen an Fahrzeugen angefallen. Auch habe man in ein neues Tierzelt investieren müssen.

Tunita und David Bossle erinnern sich an die Anfänge im Jahre 2010, als sie sich mit dem Familienzirkus selbstständig gemacht hatten. „Ohne Schulden wäre der Einstieg nicht möglich gewesen“, gibt die Zirkuschefin zu. Das bisschen Anfangskapital sei nach der Anschaffung von Material schnell aufgebraucht gewesen.

Tunita Bossle denkt schon an die Heizkosten, die jetzt im Winter auf die Familie zukommen. Manchmal hat sie aber auch Grund zur Freude, denn ihnen gut gesonnene Menschen bringen schon mal Spenden, Brot oder andere Sachen vorbei. Während Sascha Bügler von den Aladin-Kollegen mit einem Schraubenschlüssel an den Podesten bastelt, packen die anderen Familienmitglieder an anderer Stelle mit an.

Bis Ende des Monats muss alles fertig sein, denn am 28. Februar gibt der Doppelzirkus Bossle-Aladin in Geilenkirchen seine erste Vorstellung, bevor er nach Landgraaf weiterreist. Unter der Moderation von Tunita Bossle wird dann von den Artisten, Akrobaten und Dresseuren das neue Programm erstmals vorgeführt. Bei der Tierschau wird auch „Shakira“ zu sehen sein.

Oma Sonja (84) zieht wieder mit der Familie durch die Lande, denn sie liebt die Zirkusluft. Überhaupt trifft die Bezeichnung „Großfamilie“ auf die Bossles zu. Die „Zweige“ der Familie mit ihren 48 Enkeln und 52 Urenkeln sind über ganz Deutschland verteilt. Da brauchen sich die Bossles sicherlich keine Sorgen um mangelnden Nachwuchs zu machen ...

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert