Geilenkirchen - Getreideernte zieht sich wegen der Regenfälle in die Länge

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Getreideernte zieht sich wegen der Regenfälle in die Länge

Von: Robert Baumann
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Die Mähdrescher stehen derzeit still. Eine Ernte ist wegen der anhaltenden Regenfälle nicht möglich. Foto: imago/Steffen Schellhorn
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Geknickte Weizenhalme durch heftige Niederschläge machen die Getreideernte für die Landwirte zu einer Geduldsprobe. Foto: Hamacher

Geilenkirchen. Der erste Blick von Bernhard Conzen richtet sich am Morgen nicht gen Himmel – wie vielleicht zu vermuten wäre. Der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Heinsberg schaut zuallererst auf die Wetter-App seines Handys. Und das tut Conzen in letzter Zeit meist mit sorgenvoller Miene.

Eine Sonne ohne Wolken und Regen ist auf dem Handy-Display nämlich so gut wie nie zu sehen. Jeder Landwirt habe eine Wetter-App und kalkuliere jeden Tag aufs Neue sein Risiko, sagt Conzen, der bei der momentan unbeständigen Wetterlage mit seinen Berufskollegen leidet.

Denn die Getreideernte in Geilenkirchen und Umgebung zieht sich in diesem Jahr ungewöhnlich in die Länge. Immer wiederkehrende Niederschläge unterbrechen ständig die Getreideernte. „Als Landwirt hat man eine Werkstatt, die kein Dach drüber hat. Wir müssen es nehmen, wie es kommt“, sagt Conzen und versucht dem Ganzen noch etwas Gutes abzugewinnen: „So eine Wettersituation ist gut für die Demut.“

50 Prozent der Weizenbestände seien aktuell im Kreis Heinsberg noch nicht eingefahren. Erst bei einer Feuchtigkeit des Getreides von unter 15 Prozent sei eine Ernte überhaupt möglich. „Wir brauchen jetzt dringend drei Tage lang warmes und vor allem trockenes Wetter, um die Bestände durchzutrocknen“, erklärt Conzen. Innerhalb von zwei bis drei Tagen könnte dann die restliche Ernte eingefahren werden, rechnet er vor.

Auch die Mähdrescher brauchen Trockenheit. Sind die Felder zu nass, können die Landwirte sie gar nicht befahren. Liegt das nasse Getreide auf dem Feld, ist es zudem schwierig, mit dem Schneidewerk der großen Landwirtschaftsmaschinen unter die Pflanze zu kommen und sie abzuschneiden.

Dieses Jahr sei die Ernte insgesamt schwieriger als gewöhnlich, meint Conzen. Das extrem trockene Frühjahr hat zu Ertragseinbußen geführt. Zudem regne es seit Ende Juni permanent, mit nur wenigen Trockenphasen. Bei zu viel und zu langer Feuchtigkeit keimt der Weizen auf dem Halm und ist dann nicht mehr zu gebrauchen. Zudem geht die Backqualität verloren, da die so genannte Eiweißstabilität beim Korn nicht mehr optimal ist. „Was uns fehlt, ist ein ganz normaler Sommer“, sagt Conzen. „An jedem nassen Tag verbrennt für die Landwirte bares Geld.“

Zwischen acht bis 10,5 Tonnen Weizen pro Hektar werden im Kreis Heinsberg im Durchschnitt geerntet. Bei der Gerste sind es sieben bis 9,5 Tonnen pro Hektar. Die Wintergersten- und die Rapsernte sind – im Gegensatz zum Weizen – inzwischen beendet.

Neben den heftigen Regenfällen machen auch starke Winde und Sturm dem Getreide und damit den Landwirten zu schaffen. Durch den Sturm werden die Halme, die schon vom Regen schwer sind, umgeknickt. 80 Prozent des Getreides sei ins Lager gegangen, sagt Conzen. Damit ist gemeint: Das Getreide auf den Feldern steht nicht mehr gerade, was die Ernte erschwert.

Besser wird es erst mal nicht. Die Wettervorhersage verheißt nichts Gutes. In den nächsten Tagen bleibt es unbeständig. Das zeigt auch die Wetter-App von Bernhard Conzen an. Der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Heinsberg muss kurz seufzen und hofft weiter: „Wir brauchen jetzt dringend eine Schönwetterperiode.“

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