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Geilenkirchenerin liefert Kerzen in die ganze Welt

Von: Andrea Schever
Letzte Aktualisierung:
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Ursula Große ist stolz auf jedes ihrer Kunstwerke. In der Hand hält sie eine besondere Kerze mit filigranen Motiven, die eine Reisegruppe zur Gedenkstätte des Konzentrationslagers Auschwitz mitnehmen will.

Geilenkirchen. Wachs an Wachs reihen sich die zahlreichen Kerzen nicht nur auf den Regalbrettern, sondern auch in den zwei Glasvitrinen im Pfarrheim nebeneinander. Sie alle warten mit ihren filigranen Bildern auf diejenigen, die sie entweder in Auftrag gegeben haben oder die, welche sie in ihren Bann ziehen können.

Entworfen und gestaltet werden die farbenfrohen Motive von Ursula Große. Die Geilenkirchenerin übernimmt diese Arbeit nunmehr seit 16 Jahren mit großer Freude - ehrenamtlich. Eigentlich sollte es eine einmalige Aktion werden, als die Idee aufkam, Osterkerzen zu verzieren und zu verkaufen. Damals suchte der Pfarrgemeinderat Möglichkeiten, Geld für die Eröffnung des Jugendzentrums „Oase” zu sammeln.

Marianne Ludwig und Annemarie Stassen vom Missions-Ausschuss kamen dann auf die Idee mit den Osterkerzen, als gemeinsame Arbeit einiger Freiwilliger. Nach einiger Zeit ergab es sich, dass Ursula Große ihren Teil der anfänglich 50 Kerzen zügig und alleine zu Hause fertigstellte und dabei ihre Technik immer weiter perfektionierte. das blieb nicht unbemerkt, und man schlug Ursula Große vor, sie möge doch alle Kerzen anfertigen, so könne man sie in stets gleicher und guter Qualität anbieten.

Dieser Bitte kam Ursula Große gern nach. Und der Bedarf wuchs. Kerzen für Taufen oder Hochzeiten wurden nun auch angefragt. Dabei blieb es auch nicht. Immer mehr unterschiedliche Anlässe fanden Interessierte für eine Kerzengabe. Mit zunehmender Zahl angefertigter Stücke wurde die künstlerisch veranlagte Handwerkerin auch experimentierfreudiger mit der Auswahl an Motiven und Arbeitstechniken.

Inspirationen dafür findet Ursula Große in Kirchen, Büchern - und sogar auf Servierten. Mittlerweile steht jede einzelne Kerze einem als Kunstwerk für sich. Diese sind nicht nur in Geilenkirchen und Umgebung geschätzt und beliebt, sondern werden bereits aus der ganzen Welt geordert. Zwei finden sich in London, zwei in Oslo, fünf auf Sardinien, drei in den USA, fünf fanden ihren Weg nach Südkorea, und eine steht jetzt in einem Kloster in Italien. Wenn der Docht nicht zum Anzünden verleitet...

Diese Art „Vermarktung” geschieht übrigens nicht über ein weltweites elektronisches Netz. Mundpropaganda reicht völlig aus, weiß auch Gertrud Peters, Mitarbeiterin des Geilenkirchener Pfarramtes. Über die „tüchtige und gute Arbeit” der engagierten Helferin freut sich: „Wir sind sehr dankbar, dass wir sie haben und dass sie ehrenamtlich solche Kunstwerke für uns macht.”

Unter den ohnehin außergewöhnlichen Stücken gibt es ein besonderes Wachswerk, das Ursula Große vor nicht allzu langer Zeit angefertigt hat. Diese Kerze trägt den Schriftzug „Arbeit macht frei”, zeigt jüdische Grabsteine neben Stacheldraht. Diese thematische Anlehnung an das Konzentrationslager Auschwitz ist von einer Gruppe erbeten worden, die zur Gedenkstätte dort reisen wird. Doch bis ihr dieses Motiv eingefallen sei, erinnert sich Ursula Große, habe es ein wenig gedauert. Auch die Realisierung der Idee sei kompliziert gewesen.

Wenn sie an andere Herausforderung in Sachen Wachsmotive denkt, erinnert sich die Hobbykünstlerin gerne an den Adler, den eine Kerze tragen sollte. Dieser sei mit seinen einzelnen Federn aus Wachsfäden dann schon etwas mehr Arbeit gewesen. Doch mithilfe ihrer ausgefeilten Arbeitstechnik - Butterbrotpapier, spitzer Bleistift und Skalpell gehören dazu - schafft Ursula Große immer wieder neue Meisterstücke.

Und das Aufwändigste im Sortiment? „Die Kerze mit dem Motiv der Schöpfungsgeschichte, die durch einen Regenbogen mit einem Kreuz verbunden wird”, sagt die Handwerkerin nach Überlegen. „Die zahlreichen Einzelheiten und passgenauen Teile verursachen den größten Zeitaufwand.”

Doch so viel Arbeit die Kerzen auch machen, so viel Zeit sie in Anspruch nehmen, es hindert Ursula Große nicht daran, neben den mittlerweile rund 200 Osterlichter auch gut 1500 Themen variierende Kerzen anzufertigen

„Einfach so drauf los arbeiten” kann sie dann doch nicht. Es muss schon ein Ziel haben, erklärt sie, „denn wenn ich weiß, dass das einem gefällt, dass jemand später Spaß daran hat, dann klappt das”.

In den Sommermonaten lässt Ursula Große der Temperatur wegen häufig einige Wochen die Wachsarbeit liegen, fiebert der Aufnahme ihres Hobbys aber schnell wieder entgegen. Denn „dabei kann man so schön die Seele baumeln lassen. Und es ist eine Herausforderung, da weiterzumachen, wo andere längst aufgegeben hätten”.
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