Geilenkirchen - Geilenkirchener SPD setzt auf Frauenpower

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Geilenkirchener SPD setzt auf Frauenpower

Von: Udo Stüßer
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Sie liebt nicht nur ihren Garten, sondern will auch raus aus dem Haus: Die zweite stellvertretende Bürgermeisterin Karin Hoffmann liebt den Kontakt zu den Menschen. Foto: Udo Stüßer
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Hätten Sie die Unterschriften erkannt? Los geht es oben mit Willy Brandt, und Johannes Rau, rechts befindet sich die Signatur von Peer Steinbrück, weiter geht es nach unten mit Ulrich Klose, Gerhard Schröder, Wolfgang Clement, Manfred Stolpe und Hans-Jochen Vogel. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Eine D-Mark hat sie für das kleine, rote Büchlein bezahlt. Das war 1971 bei ihrem Eintritt in die SPD. Heute hütet Karin Hoffman ihr Parteibuch wie einen kleinen Schatz. Immerhin haben es ihr viele SPD-Größen unterschrieben: Die Signaturen von Willy Brandt, Johannes Rau und Peer Steinbrück findet man hier ebenso wie die von Wolfgang Clement, Hans-Jochen Vogel und Gerhard Schröder.

In vielen Jahren hat sie diese Unterschriften gesammelt, auch die von Rudolf Scharping und von Oskar Lafontaine. Aber ein Autogramm von Hannelore Kraft fehlt ihr noch. „Die habe ich leider immer wieder verpasst“, bedauert Karin Hoffmann. Irgendwann einmal, so ist sich Karin Hoffmann sicher, wird sie dieses Kleinod der Parteizen-trale in Berlin vermachen.

Karin Hoffmanns Herz schlägt für die SPD. Die heutige zweite stellvertretende Bürgermeisterin von Geilenkirchen lobt diese Partei nicht nur als ihre politische Heimat. „Nein, es war auch der Zusammenhalt in den Ortsvereinen, der Zusammenschluss der kleinen Leute, der mich zu dieser Partei hinzog“, sagt sie heute.

1943 wurde Karin Hoffmann in Neustettin in Pommern geboren. Die Familie flüchtete 1945, und Karin wuchs in Soltau in der Lüneburger Heide auf. Ihren Mann Horst-Eberhard, bis zu den jüngsten Kommunalwahlen noch SPD-Fraktionschef im Geilenkirchener Stadtrat, lernte sie während ihrer Ausbildung zur Säuglings- und Kinderkrankenschwester 1966 in einer Braunschweiger Diskothek kennen. Ihr Mann war Offizier bei der Luftwaffe. Ihr Mann sorgte nach der Hochzeit im wahrsten Sinne des Wortes für ein bewegtes Leben. Zwölf Mal zog die Familie um: Rendsburg in Schleswig Holstein, Diepholz in Niedersachsen, Soest in Nordrhein-Westfalen, Aurich in Niedersachsen, Shape in Belgien, Geilenkirchen, Cochem an der Mosel, Büdel in den Niederlanden und das Bonner Verteidigungsministerium waren Stationen von Hoffmanns Verwendungen. Während seiner Geilenkirchener Zeit von 1984 bis 1987 kauften die Hoffmanns ein Haus im Geilenkirchener Blumenviertel. Und als der Offizier 1999 pensioniert wurde, fand das Paar in Geilenkirchen endgültig eine Heimat.

1971 trat Karin Hoffmann in die SPD ein, war von 1975 bis 1980 Beisitzerin im SPD-Unterbezirksvorstand in Aurich. Durch die Versetzung ihres Mannes nach Belgien ergab sich in den Jahren 1981 bis 1984 eine politische Auszeit. 1986 und 1987 war sie im Geilenkirchener Ortsverband aktiv, von 1988 bis 1993 Beisitzerin im Ortsvereinsvorstand Cochem und 1989 bis 1991 Gemeinderatsmitglied in Dohr. Wieder in Geilenkirchen beheimatet, wurde Karin Hoffmann zur Beisitzerin des Ortsvereinsvorstandes gewählt, seit 2004 gehört sie dem Stadtrat an. Die SPD-Stadtverordnete ist seitdem Mitglied des Ausschusses für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung. „Ich arbeite mit daran, dass Geilenkirchen vorankommt. Die Sanierung der Innenstadt ist fast fertig, und es ist ganz gut geworden“, freut sie sich über die Entwicklung.

Die 71-Jährige freut sich jetzt auf ihre Arbeit als zweite stellvertretende Bürgermeisterin. „Ich bin gerne mit Menschen zusammen, ich gehe auf die Menschen zu“, sagt sie. Ihre ersten Einsätze hat Karin Hoffmann schon gehabt. „Beim Besuch einer Altersjubilarin hat mich die 90-Jährige in den Arm genommen und mich gebeten wiederzukommen“, freut sich die frisch gekürte Bürgermeisterin. Etwas anstrengender war ihr zweiter Einsatz: Bei der Annakirmes in Tripsrath gehört sie dem Festkomitee an. „Der Zug ging einen langen Weg, und es war sehr warm. Ich wusste gar nicht, dass Tripsrath so groß ist“, blickt sie zurück. Die Kommunalpolitikerin will nicht nur zu Hause, sondern bei den Menschen sein. So galt ihr Engagement viele Jahre dem Dienstagskreis der evangelischen Kirche, dem Bauausschuss der evangelischen Kirchengemeinde und dem Presbyterium. Im Altenheim Burg Trips lebende Senioren begleitet sie hin und wieder zu den Gottesdiensten. Acht Jahre war sie von 2005 bis 2013 Schöffin der Jugendstrafkammer. „Es ist erschreckend, mit welcher Brutalität manche Angeklagte gegen ihre Opfer vorgegangen und mit einer Bewährungsstrafe davon gekommen sind. Meiner Meinung nach hätte da so mancher verknackt werden müssen. Das hat mich nachdenklich gestimmt.“

Während Karin Hoffmann jetzt mehr unterwegs ist, kommt ihr Mann Host-Eberhard zur Ruhe. Vor der neuen Legislaturperiode legte er das Amt des Fraktionschefs in jüngere Hände. „Jetzt hat mein Mann Zeit, meine Kochrezepte zu sortieren“, lacht sie. Horst-Eberhard Hoffmann freut sich über das Engagement seiner Frau: „Wir wollten mehr Frauenpower in der SPD. Wenn ich ihr mit meiner Erfahrung zur Seite stehen kann, werde ich helfen.“ Von jeher bestimmte Politik das Leben der Hoffmanns. Während sie bei lokalpolitischen Themen meist einer Meinung sind, scheiden sich die Geister bei bundespolitischen Themen. Und so werden im Hause Hoffmann oft Themen wie Inklusion, öffentliche Sicherheit und Elterngeld rege diskutiert. In einem sind sich aber beide einig: Die Unterschrift von Hannelore Kraft muss noch in das kleine Parteibüchlein. Vielleicht auf dem nächsten Parteitag.

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