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Geilenkirchen sieht Rot: Alles zum halben Preis

Von: Daniela Martinak
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Die Verkäuferin Klaudia Gerards positioniert die Schilder. Sie weiß: „Die Kunden stürmen sofort auf diesen Warentisch zu“.
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Die roten Schilder sind ein Blickfang: Sofort soll den Leuten damit symbolisiert werden, dass hier Prozente locken und die Waren günstiger sind. Fotos (7): Daniela Martinak Foto: Daniela Martinak

Geilenkirchen. Maria Grotenbusch kann die Tüten kaum noch tragen. Die 54-Jährige ist vollbepackt mit tollen Sachen und gerade auf dem Weg zu ihrem Auto. Plötzlich bleibt sie wie schon so oft an diesem Tag wie angewurzelt stehen und stürmt in ein Geilenkirchener Geschäft. Maria Grotenbusch ist „Schnäppchenjägerin“, wie sie sich selbst bezeichnet, „deswegen werden auch keine Fotos von mir gemacht, sonst räumen die Leute die Schilder weg, sobald sie mich sehen“, witzelt sie, als sie die Kamera sieht.

Knallrot und gnadenlos hängen sie an Wänden, Einkaufsständern, Schaufenstern ... wohl keinem Auge bleiben sie verborgen: Rabattschilder. In großen Lettern ist dort „Sale“, was so viel bedeutet wie „Ausverkauf“ oder „Schlussverkauf“, SSV und stark reduziert zu lesen. Wörter, wie Verheißungen, auf etwas, was seit fast zehn Jahren offiziell gesetzlich abgeschafft ist.

Der Sommerschlussverkauf ist in vollem Gange, und dieses Mal fallen die Rabatte vielerorts besonders üppig aus. Auch, wenn es den regulären Sommerschlussverkauf, wie es ihn früher einmal gegeben hat, heute nicht mehr gibt: Die Jagd auf Prozente ist immer noch in den Köpfen der Menschen verankert.

In den Lagern stapelt sich wegen des langen Winters und des feuchten Frühsommers noch immer die Ware. Und die muss jetzt dringend raus. „Wir sind froh, wenn die Leute alles kaufen. Deshalb bieten wir die Kleidung auch so günstig an. Wir brauchen einfach Platz“, erklärt Klaudia Gerards, die als Verkäuferin in einem Geilenkirchener Bekleidungsgeschäft arbeitet. Da sei es nicht so dramatisch, wenn sonst das Doppelte an einer Hose oder einem T-Shirt verdient wird.

Zum halben Preis

Sie stellt gerade zusätzlich noch kleine Schilder auf die Warentische, die zeigen zwar genau das, was auch schon auf den großen Plakaten an den Türen zu sehen ist: „Die komplette Sommerware jetzt zum halben Preis“, verfehlen aber ihre Wirkung nicht, weiß die Verkäuferin.

„Die Leute stürmen unter Garantie direkt auf diesen Tisch zu. In den hinteren Teil des Ladens, da, wo bereits die neue Kollektion ausgestellt ist, die zum regulären Preis verkauft wird, kommen sie erst gar nicht, solange die Rabattschilder aushängen.“

Ein Geschäft weiter kommt ein Kunde nach dem anderen aus den Umkleidekabinen heraus. „Ich habe extra so lange gewartet, bis die Bluse runtergesetzt war. Ich habe mich schon vor zwei Wochen in das Teil verguckt und muss zugeben, dass ich zu geizig war“, sagt Bärbel Macherei.

Auch sie ist mit ihrer Tochter auf Schnäppchenjagd: „Die Kleine braucht für die Schule ordentliche Turnschuhe – auch die gibt es ja jetzt günstiger – und vielleicht finden wir noch einen schönen Badeanzug für den Schwimmunterricht.“

Aktionen dieser Art gibt es laut den Verkäuferinnen regelmäßig mehrmals im Jahr. Im Sommer eben auch für einen begrenzten Zeitraum. Momentan laufe es ziemlich gut, „das Wetter spielt mit. Wenn es so warm ist, schlagen die Leute noch mal ordentlich zu. Dass wir die Herbstware schon beinahe komplett ausgeräumt haben, interessiert noch niemanden.“

Allerdings: „Das ist echt meistens bei Frauen so. Die kaufen auch im September noch Tops, obwohl sie wahrscheinlich schon 30 zu Hause haben. Männer kaufen erfahrungsgemäß nach Bedarf“, stellt Gerards fest. Aber nicht nur die Kleidung ist bis zu 70 Prozent günstiger zu bekommen, auch bei Parfüm, Uhren und Schmuck, sind wegen neuer kommender Kollektionen 20 Prozent Ersparnis drin, zumindest noch für kurze Zeit.

Maria Grotenbusch hievt den Stapel an Tüten zum letzten Mal für diesen Tag hoch. „Jetzt kann ich wirklich nichts mehr tragen. Aber ich bin glücklich und reich an neuen Klamotten. Der Sommer 2014 kann kommen“, sagt sie fröhlich. Und der Winter sicher auch. Schließlich ist in ein paar Monaten bereits die „warme“ Ware wieder zu Schnäppchenpreisen zu erwerben. Und wer braucht nicht zwei Pelzmäntel oder drei oder vier ...

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