„Geilenkirchen im Wandel der Zeiten”: Auf den Spuren der Geschichte

Von: Georg Schmitz
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Die Stadtführung „Geilenkirc
Die Stadtführung „Geilenkirchen im Wandel der Zeiten” wurde neu in das Programm von Westblicke aufgenommen, und Berti Davids-Heinrichs hat sich in über 150 Stunden Recherche darauf vorbereitet. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Die Gästeführerinnen von Westblicke bringen seit vielen Jahren Menschen aus ganz Deutschland die Freizeit-Region Heinsberg ein Stückchen näher.

Die Frauen haben für interessierte Touristen und heimische Bürger ein umfangreiches Angebot mit mehreren Dutzend Exkursionen durch den westlichsten Kreis der Bundesrepublik zusammengestellt. In jedem Jahr kommen neue Angebote hinzu, und jetzt gibt es auch eine Stadtführung „Geilenkirchen im Wandel der Zeiten”. „Wir möchten im Laufe der Jahre alle Kommunen im Kreis abdecken”, sagt Berti Davids-Heinrichs.

Im Jubiläumsjahr 625 Jahre Stadtrechte Geilenkirchen hat die Gästeführerin über 150 Stunden lang Stadtarchiv und -bücherei sowie zahlreiche Heimatkalender „durchforstet” und sich intensiv mit der Historie von Geilenkirchen vertraut gemacht. Bei ihrer Recherche im Vorfeld fand Davids-Heinrichs Unterstützung in Gort Houben und Tanja Willms vom Kulturamt sowie von Geschichtslehrer Christoph Nohn vom St.-Ursula-Gymnasium.

Seit der „Probe-Führung” in der vergangenen Woche und der ersten offiziellen Veranstaltung vermittelt sie den Menschen bei der knapp zweistündigen Führung die wechselvolle Geschichte der Stadt an der Wurm. „Heute habe ich meine Premiere, ich führe zum ersten Mal durch Geilenkirchen”, erzählt Davids-Heinrichs den zwei Dutzend Interessierten zu Beginn der Tour auf dem Marktplatz. Nach einem kurzen Blick in die Römerzeit folgt der Schwenker ins Mittelalter.

„Es war vor mehr als 1100 Jahren, als ein Franke sich hier niederließ, die Nähe zur Wurm bildete dabei eine bevorzugte Wohnlage”, wusste Berti Davids-Heinrichs. Gelo oder auch Geilo wurde der Franke genannt, und daraus habe sich der Stadtname Geilenkirchen entwickelt. Schon früh sei Geilenkirchen ein bedeutungsvoller Ort gewesen und habe bereits 1386 die Stadtrechte erhalten. Zu jener Zeit seien es die Schützen gewesen, die an den Stadttoren Wache hielten und die Stadt vor Eindringlingen geschützt hätten. „Die beiden Stadttore existieren schon lange nicht mehr, sie wurden abgerissen”, erläutert die Gästeführerin.

Bereits im 15. Jahrhundert sei viel Handel auf dem Marktplatz getrieben worden, zum Beispiel mit Schweinen und Schafen oder Seife und Öl. Berti Davids-Heinrichs führte die Gruppe zum Innenhof des Gymnasiums und zeigte auf die Überreste der Burg Geilenkirchen, den Ort, wo Geilenkirchen seinen Ursprung fand. Viele der Besucher hatten die abends immer beleuchtete Burgruine noch nie gesehen und zeigten sich erstaunt über deren Existenz.

Der Gang durch die Anlage mit Besichtigung des Burgturms und des früheren Verlieses eröffnete ihnen ganz neue Einblicke in die Geschichte der Stadt. Die Gäste erfuhren auch, dass das aus der ehemaligen Höheren Töchterschule entstandene Bischöfliche Gymnasium St.-Ursula zu den ältesten Bildungseinrichtungen der Region zählt.

Der Weg führte die Gruppe über den Klosterfriedhof, der 58 Gräber der hier früher tätigen Nonnen aufweist, zur katholischen Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt. „Die Kirche ist im Stil des Klassizismus erbaut, an dieser Stelle stand ursprünglich eine kleine Holzkirche”, erklärte Berti Davids-Heinrichs. Über dem Eingangsportal throne die goldfarbene Madonna, diese sei 1886 hier installiert worden. Von der Kirche ging es zum viel diskutierten Wurmfenster, das einen Blick in den darunter fließenden Bach erlaubt. Mit dem 1. Bauabschnitt zur Stadterneuerung sei im Jahre 2010 das Wurmfenster als Alleinstellungsmerkmal für die Stadt hier installiert worden. Gleich nebenan verwies Davids-Heinrichs auf die ursprüngliche Ölmühle Haus Basten.

Die „Gute Stube der Stadt” mit ihren gut erhaltenen Vertäfelungen werde heute als Ort für städtischen Veranstaltungen genutzt. Vorbei an den Bonifatius Stirnberg-Werken, dem „Entenbrunnen” auf dem Friedlandplatz und der „Haihofer Juffer” in der Gerbergasse, marschierten die „Geschichtskundler” zur rund 600 Jahre alten „Beeretz Mühle”, heute Kornmühle genannt, und weiter zum Synagogenplatz. Dort stand bis zur Reichspogromnacht die jüdische Synagoge. „In Geilenkirchen lebten 130 jüdische Familien”, erzählte die Gästeführerin.

Die nächste Führung ist für Sonntag, 25. September, vorgesehen. Treffpunkt ist um 11.30 Uhr der Marktplatz in Höhe des Brunnens.
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