Geburtstag feiert an Heiligabend nicht nur das Jesuskind

Von: Andrea Schever
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Geburtstag unter dem Weihnachtsbaum zu feiern ist für die drei „Christkinder“ Inge Kaaf und Thorsten Meeßen (oben) sowie Corinna Flach mit Mutter Sarah selbstverständlich. Foto: Andrea Schever

Geilenkirchen/Marienberg/Frelenberg. Heute vor 59 Jahren geschah buchstäblich auf dem Sofa unter dem Weihnachtsbaum der Familie Kempf etwas Glückseliges. Vor 21 Jahren erging es der Familie Meeßen ähnlich. Und vor sechs Jahren kam für Familie Flach eine etwas andere „Frohe Botschaft“ in die Welt – all den Familien ist eins gemeinsam: Sie haben ihr ganz eigenes Christkind in der Familie.

Inge Kaaf aus Marienberg, Thorsten Meeßen aus Geilenkirchen und Corinna Flach aus Frelenberg haben es schwarz auf weiß in ihren Personalausweisen: Sie sind am Heiligen Abend geboren worden. Was für manch einen wie etwas Besonderes und dennoch Befremdliches wirken mag, ist für diese drei „Christkinder“ eine Selbstverständlichkeit. „Man hat es ja nie anders kennengelernt“, begründet Thorsten, der Wirtschaftswissenschaft in Aachen studiert, ganz plausibel.

Und allen ist gemeinsam, dass die Geburtstagsfeier nicht vor lauter Weihnachtsstress einfach verschoben wird. Mit kleinen Abweichungen pflegen die drei Familien das gleiche Ritual, um die Gäste willkommen zu heißen: Der Vormittag gehört dem Geburtstagskind und dessen Ehrung, der Abend dann dem traditionellen Christkind.

Von klein auf stehen bei Inge Kaaf morgens Freunde und Verwandte vor der Tür, „und ich bin immer nervös, bis es zum ersten Mal geklingelt hat, danach ist alles in Ordnung.“ Für einen von Corinnas Onkel war es sogar so wichtig, seiner Nichte gratulieren zu können, dass er für starke Schneefall ankündigte, notfalls auch von Aachen aus zu Fuß vorbeizukommen.

Den typischen Kindergeburtstag mit vielen gleichaltrigen Freunden am Tag der Geburt selber, haben Thorsten und Corinna jedoch nicht richtig kennengelernt. „Ich habe stattdessen meinen Namenstag im August größer gefeiert“, erklärt Thorsten die Ausweich-Möglichkeit. Denn dann konnten mehr seiner Freunde kommen. Mittlerweile feiert der 21-Jährige mit seinen engsten Freunden in den 24. Dezember hinein, und nur große Geburtstage wie der 18. werden auf einen erreichbareren Termin gelegt.

Sarah Flach, Corinnas Mutter, versuchte stets mit ihrer Tochter sehr zeitnah zu feiern, das heißt zwischen Weihnachten und Neujahr. Dieses Mal wird jedoch erst im Frühjahr gefeiert und „dann geht‘s auf den Bauernhof“, freut sich Corinna sichtlich.

Dass das tagelange Feiern und Beschenken auch Nebenwirkungen mit sich bringen kann, hat Sarah Flach allerdings auch schon bei ihrer Sechsjährigen bemerkt: „Wenn Corinna dann jeden Tag mindestens ein Geschenk bekommen hat, frag sie am zweiten oder dritten Weihnachtstag dann selbstverständlich, was sie denn heute bekäme.“ Aber irgendwo unter den vielen Geschenken findet sich in diesem Jahr sicherlich auch Corinnas heiß ersehnter Hamster.

Die Bescherung sieht bei den „Christkindern“ ähnlich aus, wie bei jeder anderen Familie auch: Es werden gemeinsam Weihnachtslieder unterm Baum gesungen, und das Geschenkeauspacken geschieht in bequemeren Kleidern wie einem Jogginganzug. Inge Kaaf lacht: „Aus den feinen Kleidern muss man dann irgendwann einfach raus.“

Damit es für das Geburtstagskind Inge zwischen Gästen, Geschenken und Weihnachtsessen nicht so stressig wird, hat ihr Mann schon seit Jahren die Rolle des Kochs an Heiligabend eingenommen. An diesem Tag bekommt sie auch immer Grüße von einer ganz besonderen Bekannten: ihrer Chefin aus der Marketingabteilung. Denn als sich die beiden Frauen vor rund zehn Jahren trafen, stellten sie schnell fest, dass sich zwei Christkinder getroffen haben. „Seitdem schreiben wir uns immer ganz kreative Geburtstagsgrüße, aber keine Weihnachtskarten.“

Dass Kinder, die am Heiligabend geboren werden, mehr Geschenke bekommen als andere oder auch als ihre Geschwister, stimmt. „Die werden dann aber in unterschiedlichem Geschenkpapier eingepackt“, lacht Mutter Sarah Flach. Thorsten stimmt zu und ergänzt: „Es gibt dann meist ein paar größere Geschenke als für meinen Bruder.“

Probleme scheint es deshalb jedoch nicht zu geben. Vielmehr freuen sich groß wie klein, zum Fest der Liebe, ihrem Geburtstag, noch einmal alle Lieben zu Gesicht zu bekommen, Fotos zu machen und, so lacht Thorsten, „den typisch neugierigen Verwandten“ Fragen zu Schule, Uni und Freundin zu beantworten. Ein (fast) ganz normaler Geburtstag eben.

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