Gangelt - Gangelts Feuerwehr wirbt um Mitglieder

Gangelts Feuerwehr wirbt um Mitglieder

Von: Marie Eckert
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Feuerwehrleute behalten auch in schwierigen Situationen den Durchblick. Arbeitgeber sollten das bedenken, findet die Feuerwehr. Foto: Jan Mönch
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Oliver Thelen (links) und Günter Paulzen von der Feuerwehr blicken optimistisch in die Zukunft – bleiben aber nicht tatenlos. Foto: Marie Eckert

Gangelt. In Gangelt kennt jeder jeden. Zumindest über Ecken, durch Verwandte und Bekannte. Wer das weiß, versteht auch, warum die Freiwillige Feuerwehr des Ortes bei ihrer Arbeit von „Nachbarschaftshilfe“ spricht. „Bei Einsätzen kennt man sich, im Gegensatz zu Großstädten helfen wir Nachbarn, Verwandten und Freunden“, sagt Pressesprecher Oliver Thelen.

Diese Tatsache macht sich die Gangelter Feuerwehr zunutze, wenn sie um neue Mitglieder wirbt. Nicht, dass das unbedingt nötig wäre: „An Nachwuchs mangelt es zum Glück nicht“, sagt Thelen. Die Mitgliederzahlen der aktiven Einsatzkräfte seien seit Jahrzehnten stabil und hätten sich bei einer Zahl, die zwischen 150 und 200 liege, eingependelt.

Nicht immer sind alle erreichbar

Man blicke aber in die Zukunft. Und auf die ganz normalen Probleme, die bei einer Freiwilligen Feuerwehr unweigerlich auftreten: Die Mitglieder arbeiten dort freiwillig, also ehrenamtlich, und gehen einer anderen Hauptbeschäftigung nach.

„Die Leute arbeiten oft außerhalb der Kommune“, betont Feuerwehrleiter Günter Paulzen. Vor allem tagsüber sei es mitunter schwierig, genug Einsatzkräfte zu erreichen. Das jüngste Beispiel: ein Scheunenbrand. Benachrichtigt wurden alle acht Löscheinheiten Gangelts, das sind momentan 186 Feuerwehrmänner, es kamen 40.

Das ist zwar ausreichend, aber es bedeutet dennoch, dass man nicht einmal ein Viertel der alarmierten Kräfte tatsächlich mobilisiert. Job, Kinderbetreuung und andere Umstände machten es oft unmöglich, zum Einsatzort zu eilen. Vor diesem Hintergrund ergibt die Nachwuchssuche trotz stabiler Zahlen Sinn – je mehr Mitglieder, desto höher die Trefferquote.

Aber auch an dieser Stelle greift das Prinzip der Nachbarschaftshilfe, nur etwas weiter gefasst. „Mitglieder der Geilenkirchener Feuerwehr, die in Gangelt arbeiten, helfen im Notfall aus“, nennt Thelen ein Beispiel. „Man hilft sich hier im Kreis Heinsberg eben.“

Das mag auch daran liegen, dass es im gesamten Kreisgebiet keine Berufsfeuerwehr gibt. 131 Einsätze zählte die Gangelter Wehr im vergangenen Jahr. Im Moment hat die Freiwillige Feuerwehr Gangelt mit ihren acht Löscheinheiten insgesamt 268 Mitglieder. Davon sind 37 in der Jugendfeuerwehr, die von zehn bis 18 Jahre reicht, und 45 in der Ehrenabteilung mit Mitgliedern ab 67 Jahren, die aus dem aktiven Dienst ausgeschieden sind, und eben 186 aktive Einsatzkräfte im Alter von 18 bis 66 Jahren.

Jeder Helfer wird gebraucht

Und das Altersspektrum wird in Gangelt tatsächlich ausgereizt. „Es gibt keine Tendenz, wir haben altersmäßig alles dabei“, sagt Thelen. Eine Tendenz in eine andere Richtung gebe es aber doch: „Die Leute bleiben in der Regel lange bei uns“, weiß Paulzen aus Erfahrung. Zwei bis sieben Dienstjubiläen pro Jahr feiere man in Gangelt im Schnitt – die erste „Etappe“ ist nach 25 Jahren geschafft. „Durch die Familie sind oft ganze Generationen in der Feuerwehr“, erklärt Thelen auch mit Blick auf die eigene Biografie.

Wenn die Feuerwehr von der Nachwuchssuche spricht, geht es also keinesfalls nur um die Rekrutierung Jugendlicher. „Natürlich ist die Jugendfeuerwehr eine wichtige Nachwuchsquelle“, sagt Thelen. Doch gesucht oder gebraucht wird jede helfende Hand. Jeder kann die rund zweijährige Ausbildung absolvieren. Dazu gehören 160 Stunden Grundausbildung und 40 Stunden Atemschutzgerätetraining. Keinesfalls sei es aber so, dass die angehenden Feuerwehrleute zwei Jahre lang nur zusehen dürften.

„Die sind vom ersten Tag an eingebunden“, sagt Paulzen. So gebe es an einer Einsatzstelle immer den Gefahrenbereich und den Nicht-Gefahrenbereich, in dem beispielsweise die Fahrzeuge stehen. „Vom Absperren der Straße bis zum Ausrollen der Schläuche gibt es im ungefährlichen Bereich genug zu tun“, betont Thelen. Nach der Grundausbildung besteht natürlich die Möglichkeit, sich intern in verschiedenen Bereichen weiterzubilden, etwa als Maschinist oder als Spezialist für Gefahrstoffe.

Dass die Gangelter Feuerwehr nun aktiv um Mitglieder wirbt, ist eine Premiere. „Das läuft sonst eigentlich immer über Mund-zu-Mund-Propaganda“, sagt Paulzen. Nun gibt es für jede der acht Löscheinheiten ein Plakat mit Werbespruch, im Hintergrund ist ein Teil der jeweiligen Ortschaft zu sehen. Zwei spezielle Plakate zielen konkret auf die Arbeitgeber ab. „Die sehen oft nur: Bei einem Einsatz ist der weg und die Arbeitskraft fehlt“, erklärt Thelen.

Ideale Mitarbeiter

Dabei lägen die Vorteile auf der Hand: Feuerwehrleute sind versiert in Erste Hilfe, können einen strukturierten Notruf absetzen und sind nicht selten auch als Brandschutzbeauftragte im Unternehmen geeignet. Und: „Feuerwehrleute sind Teamplayer“, betont Paulzen. „Die wissen, was Kameradschaft heißt.“

Ein klarer Kopf in stressigen Situationen sei Voraussetzung. „Außerdem arbeiten unsere Einsatzkräfte ehrenamtlich – dieses freiwillige Engagement hört aber nicht bei der Feuerwehr auf, auch im Berufsleben sind diese Menschen oft engagierter“, sagt Thelen.

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