Geilenkirchen-Waurichen - Für den Kite-Flieger ist es ein Jahr der Flauten

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Für den Kite-Flieger ist es ein Jahr der Flauten

Von: Guido Jansen
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Mit jetzt 18 Lebensjahren schon ein sehr erfahrener und trophäensicherer Kitesurfer: Sebastian Wagner. Ihm - und der Konkurrenz - fehlten in diesem Jahr die richtigen Brisen auf den verschiedenen Seen und Meeren. Foto: Guido Jansen

Geilenkirchen-Waurichen. Die Wagners warten auf Westwind. Denn nur wenn der stark genug weht können Vater und Sohn ihrer Leidenschaft nachkommen: Kitesurfer brauchen Wind. Das Gegenteil heißt Flaute und ist nicht sonderlich praktikabel. Das hat Sebastian Wagner in diesem Jahr schon zweimal miterlebt.

Bei der Deutschen Meisterschaft wollte der Westwind nicht wehen. Genau so wenig wie bei dem Stopp der Europa-Tour in den Niederlanden. Kein Wind, kein Wettbewerb - das ist das Los der Sportart, bei der die Aktiven auf einer Art Surfbrett stehen und von einem Drachen über das Wasser und durch die Luft gezogen werden. Wenn denn Wind weht.

„Wir planen anhand der Wettervorhersage”, berichtet Sebastian Wagner, der beste Kitesurfer der Region. Der 18-Jährige fährt oder surft oder fliegt im Wettbewerb der besten Kitesurfer Europas mit. Für das kommende Jahr plant er den Angriff auf die besten Zehn in Europa. Bis dahin wird allerdings noch viel Westwind über die Region wehen.

Darauf hoffen Sebastian und sein Vater Herbert. An einem normalen Trainingstag packen sie dann ihre Surfer-Sachen und fahren ins nahe gelegene Maaseik in Belgien. An der Maas gibt es einen See, auf dem bevorzugt Kitesurfer trainieren.

So oft wie möglich macht die Familie allerdings größere Touren, packt das 7,5 Tonnen schwere Wohnmobil voll und fährt beispielsweise in Richtung niederländische Nordseeküste. Dann ist Trainingslager angesagt. „Das ist aber immer auch Urlaub”, sagt der 18-Jährige.

Vollprofi ist Sebastian Wagner nämlich nicht. Zumindest noch nicht. „Der Spaß steht immer noch im Vordergrund. Bei den Wettbewerben geht es auch darum, viele Bekannte und Freunde zu treffen.” Amateur ist allerdings auch die falsche Bezeichnung. Der Schüler, der gerade in Erkelenz an seinem Fachabitur bastelt, hat Sponsoren, die ihm die teure Ausrüstung stellen.

Der junge Sportler hat beispielsweise fünf verschiedene Kites in einer Größe zwischen sechs und 14 Quadratmetern. Das sind die Lenkdrachen, die im Wind für den Vortrieb sorgen. Je kleiner der Drache, desto aggressiver wechselt er im Wind die Richtungen. Er ist schneller, aber schwerer zu lenken.

Die Steuerung des Kites erfolgt über das Kitebar, ein System von Seilen und Zügen, die zwischen 20 und 30 Metern lang sind und an einem Trapez befestigt sind. Ebenfalls wichtig sind verschiedene Neoprenanzüge, die entweder im Sommer nicht zu warm sind oder bei kälteren Temperaturen warm halten.

Das Internationale Olympische Komitee scheint auf dem Weg, Kitesurfen bei den Spielen 2016 in Rio de Janeiro anstelle des Windsurfens einzusetzen. Das Surfen mit den Lenkdrachen läuft dem normalen Surfen nämlich gerade den Rang ab. „Wenn es olympisch wird, dann allerdings mit der Disziplin Course Race”, sagt Sebastian Wagner. Dabei geht es darum, einen vorgegebenen Kurs als Schnellster zu absolvieren.

„Ich mache eher Freestyle”, erklärt der 18-Jährige, dass das Wettrennen nicht sein Fall ist. Beim Freestyle geht es darum, während des Surfens Figuren und Kunststücke zu zeigen, die von einer Jury bewertet werden. Dabei fliegen die Surfer teilweise in zehn Metern Höhe durch die Luft und zeigen am Trapez Übungen wie Drehungen und Überschläge. Im vergangenen Jahr war junge Athlet deutscher Vizemeister. In diesem Jahr war, wie erwähnt, Flaute...

Auf mehr Brise hofft er, wenn er im Oktober und Anfang November bei den letzten europäischen Wettbewerben des Jahres in Frankreich und Spanien antritt.

Der Wind bestimmt übrigens auch die Richtung, in die sich Sebastian Wagner beruflich entwickeln will. In Kiel möchte er in Richtung Windenergie studieren. „Da wäre ich nah an der Küste”, sagt er. „Das passt.”
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