Geilenkirchen - Frühere Wiedereinführung des „langsamen“ Abiturs?

Frühere Wiedereinführung des „langsamen“ Abiturs?

Von: Kristina Toussaint
Letzte Aktualisierung:
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Zurück zu G9? Am Geilenkirchener Gymnasium St. Ursula gibt es zu dieser Frage noch keine offizielle Sprachregelung. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Die Rückkehr zum Abitur nach 13 Schuljahren ist abzusehen: Die schwarz-gelbe Landesregierung verspricht in einer Leitentscheidung aus dem Koalitionsvertrag, dass alle nordrheinwestfälischen Gymnasien, an denen dies gewünscht wird, zum Schuljahr 2019/2020 wieder auf ein System mit neun Schuljahren (G9) umstellen können.

Greifen soll die Umstellung nach den aktuellen Informationen aus dem Schulministerium in zwei Jahren für die Jahrgangsstufen fünf und sechs – das bedeutet, dass Kinder, die aktuell die Grundschule besuchen, wieder G9 machen können.

Schüler, die im gerade begonnenen Schuljahr 2017/2018 bereits auf die weiterführende Schule gewechselt sind, müssten sich demnach jedoch gemäß den aktuell geltenden Gesetzen nach acht Jahren am Gymnasium den Abiturprüfungen stellen. Insbesondere für Schüler, die erst kürzlich auf die weiterführende Schule gewechselt sind, ist das – je nach eigenem Standpunkt – ärgerlich. Die 180-Grad-Drehung in der Schulpolitik kommt für sie zu spät.

Eine Petition soll das nun ändern – und findet die ausdrückliche Unterstützung von Dr. Hans Münstermann, Leiter des Carolus-Magnus-Gymnasiums in Übach-Palenberg, der sofort zustimmen würde, wenn denn die politischen Rahmenbedingungen dies zulassen: „Wenn es gehen sollte, würde ich mich dafür stark machen, das bereits ab dem nächsten Schuljahr einzuführen.“

Probleme, die eine so spontane Umstellung mit sich bringen könnten, schätze er als nicht so gravierend ein, wie sie bei der Verkürzung auf acht Schuljahre aufgetreten sind. Der Plan sei ja, dass nach der Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren wieder mehr Zeit für den gleichen Stoff bliebe. „Gegenüber den Kindern ist G8 eine Zumutung“, sagt der Vater von vier Kindern, von denen drei aktuell im G8-System die Schule besuchen. „Auch wenn es zunächst nur auf freiwilliger Basis geht, wären wir gerne unter den ersten, die zurück zu G9 gehen.“

Mit der Petition soll konkret erreicht werden, dass schon die Viert- bis Siebtklässler „mitgenommen“ werden zurück zu G9. Bitter aus Sicht der G8-Gegner ist nämlich, dass ausgerechnet die Kinder, deren Eltern und Großeltern so hart gekämpft haben, nun nichts von dem neuen Kurs der Politik haben sollen. 12.000 Unterschriften hat Initiator Gregor Schmitz der neuen NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Mittwochabend bereits übergeben. Noch bis Freitag, 20. Oktober, kann man die Petition online unterstützen.

Offiziell über den Ablauf zur Rückkehr zu G9 unterrichtet worden sind die Schulleiter von der Bezirksregierung noch nicht. Jürgen Pallaske, Schulleiter des Bischöflichen Gymnasiums St. Ursula, ist auch deshalb noch etwas zurückhaltend mit einer Einschätzung. Man sei offen für eine Rückkehr zu G9, lege sich aber noch nicht fest, ob man die Umstellung durchführen werde, wenn eine Wahlmöglichkeit bestünde.

Letztlich liege die Entscheidung auch beim Bistum. „Zu diesem Zeitpunkt ist es nicht möglich, Aussagen über eine Entscheidung zu treffen – nicht über eine generelle Rückkehr und noch weniger über eine kurzfristige Rückkehr schon vor dem Schuljahr 2019/2020. Dafür fehlen die entscheidenden Rahmenbedingungen.“

Laut dem Verein „Mehr Zeit für Kindheit und Jugend“, den Gregor Schmitz mitgegründet hat, ist das Schülerleben im G8-System geprägt von mangelnder Freizeit, erhöhtem Leistungsdruck und unzureichender Zeit, den verlangten Stoff gründlich zu lernen. Der Verein setzt sich für die Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums als Regelschule und das Recht auf Halbtagsbeschulung ein. Das Ziel sei, mehr Zeit außerhalb der Schule zu haben, um das Leben eigenständig gestalten zu können.

Nach der Leitentscheidung der Landesregierung werden die Gymnasien nicht verpflichtet, zu neun Schuljahren zurückzukehren. Schulen, die zu der Einsicht gelangt sind, gute Erfahrungen mit G8 gemacht zu haben, können das bisherige System beibehalten.

Erforderlich ist hierfür eine Zwei-Drittel-Mehrheitsentscheidung in der Schulkonferenz. Die Betroffenen vor Ort wüssten am Besten, was ihren Bedürfnissen entspricht, so die Begründung der NRW-Koalition.

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