Friseure fordern: Schluss mit den schlechten Löhnen

Von: Daniela Martinak
Letzte Aktualisierung:
Friseur
Die Friseurmeisterin Karina von der Forst arbeitet seit drei Jahren im Salon „Haare & Mehr“ in Übach-Palenberg und könnte gar nicht genug Hände haben. Um das Geld pro Stunde einzunehmen, welches ihr einen gerechten Lohn verschaffen würde, müsste sie eigentlich zwei Köpfe gleichzeitig „bearbeiten“. Foto: Daniela Martinak

Geilenkirchen. Seit etlichen Jahren lässt Ortrud Thoma sich regelmäßig im Salon „Haare & mehr“ in Übach-Palenberg verwöhnen. Eine herrliche Kopfmassage mit reichlich Schaum, vorher einen Kaffee, zwischendurch ein Glas Wasser, während die Haarpackung einwirkt, den neuesten Klatsch und Tratsch in den obligatorischen Zeitschriften lesen, und ein Pläuschchen mit ihrer Lieblingsfriseurin darf natürlich nicht fehlen.

Das gehört nun mal alles zum Service. Und: Es gehört alles zum Aufgabenbereich von Karina von der Forst. Die Friseurmeisterin sieht es als Selbstverständlichkeit an: „Wir wollen ja auch, dass unsere Kunden sich wohlfühlen.“

Dafür gibt´s dann auch öfter mal ein nettes Trinkgeld. Bares, was Friseure gut gebrauchen können. Denn: Dumpingpreise und schlechte Löhne gehören zur Tagesordnung des Friseurhandwerks – in kaum einer Branche wurden die Arbeitsbedingungen in den vergangenen Jahren so sehr heruntergehandelt. Nun soll damit endlich Schluss sein. Die Gewerkschaft ver.di und die Tarifgemeinschaft der Landesinnungsverbände haben sich auf einen Mindestlohn geeinigt. Zurzeit verdienen Gesellen 8 Euro die Stunde. Ab August 2015 sollen Friseure nicht weniger als 8,50 Euro verdienen. Wer in Deutschland Haare schneidet, soll in Zukunft davon leben können.

Aber hilft der festgelegte Mindestlohn tatsächlich, die Missstände in der Branche auszugleichen? „Ehrlich gesagt kommt es auf die Qualität an, also auf das Preis-Leistungs-Verhältnis und darauf, wie viel die Kunden bereit sind zu zahlen“, sagt Martin Säger, Inhaber des gleichnamigen Salons in Geilenkirchen. Es liege auf der Hand, dass Friseure, die 26 Euro pro Stunde verdienen, ihren Angestellten keinen Stundenlohn von 20 Euro geben können. Allerdings gibt es seiner Meinung nach „genügend Friseure, die super verdienen“. Weil überall über die schlechten Löhne geschimpft werde „haben wir ein großes Problem, Auszubildende zu bekommen“.

Untertariflich zu bezahlen, wie es laut ver.di „zahlreiche Billig-Ketten“ machen, sei eine Frechheit. „Wir mussten auch die Preise erhöhen, weil Miete, Strom und Wasser nicht günstiger werden, aber das lasse ich ja dann nicht meine Angestellten spüren“, schimpft Säger. Wer gute Leistung will und immer von der Standardverbesserung profitieren möchte, müsse nun mal mehr zahlen, seine Kunden würden das verstehen. „Es ist ein Gesellschaftsproblem. Die Leute wollen immer mehr und immer weniger dafür zahlen, dass das so nicht funktionieren kann, verstehen die wenigsten“, lamentiert der Saloninhaber.

Auch Karina von der Forst kann davon ein Liedchen singen: „Die Leute kaufen die Produkte im Internet, holen sich dort Tipps für schöne Frisuren... Wofür habe ich mich sechs Jahre ausbilden lassen?“ Dass man in diesem Beruf nicht reich wird, habe sie gewusst, daran, dass sie öfter zurückstecken muss, die Ansprüche nicht zu hoch schrauben darf und in vielerlei Hinsicht neidische Blicke auf die Gehaltsabrechnung der Freunde werfen muss, das „tut schon ein bisschen weh“.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert