Freispruch vor dem Schöffengericht: Aussagen zu verworren

Von: Herbert Keusch
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Geilenkirchen. Nach verworrenen Aussagen und drei immer wieder unterbrochenen Verhandlungstagen vor dem Schöffengericht wurde ein 23-jähriger Angeklagter freigesprochen. Staatsanwalt Hubert Herwartz hatte ihm einen Raubüberfall vorgeworfen.

Entscheidend für den Freispruch war die an den verschiedenen Verhandlungstagen und bei der Polizei gemachte Aussage des überfallenen 42-Jährigen. „Ich war im Zug auf dem Weg von Dortmund zu meinem Wohnohrt Essen abends spät eingeschlafen und erst im Aachener Hauptbahnhof wach geworden”, erklärte der Mann in der Verhandlung.

Er sei vermeintlich in eine S-Bahn eingestiegen, um über Köln nach Essen zu kommen, sei dann aber in Geilenkirchen gelandet - mitten in der Nacht am 4. Oktober 2009 gegen vier Uhr morgens. „Ich bin Alkoholiker, war an diesem Abend betrunken und traf einen jungen Mann, den 23-jährigen Angeklagten, am Geilenkirchener Bahnhof. Den habe ich gefragt, wo es etwas zu trinken gibt.” Dieser habe ihn auf einem etwa 30-minütigen Fußweg zu einer Tankstelle begleitet. Er habe gemeinsam mit dem Mann in der Tankstelle etwas getrunken, anschließend habe ihn dieser Mann wieder zum Geilenkirchener Bahnhof zurückbegleitet.

Auf dem Weg Richtung Bahnhof sei er von drei weiteren Männern, die den Angeklagten gekannt hätten, zu Boden gebracht und über einen Steinboden geschleift worden. Die drei hätten ihn geschlagen und ihm das Portemonnaie abgenommen, mindestens 50, vielleicht sogar 100 Euro gestohlen. Er sei zur Tankstelle zurück, habe den Tankwart gebeten, die Polizei zu informieren, die erhebliche Gesichtsverletzungen des Angeklagten fotografierten. Die Polizeibeamten seien mit ihm in der näheren Umgebung herumgefahren und hätten den Angeklagten in einer Gruppe mit insgesamt sieben Personen tatsächlich gefunden. „Das waren höchstens vier Personen”, erklärte der Zeuge jetzt in der Verhandlung.

„Der Vorwurf, einen Raub begangen zu haben, ist durch die unterschiedliche Darstellung des Zeugen in mehreren bisherigen Verhandlungen und bei seiner polizeilichen Aussage nicht zu führen”, sagte Staatsanwalt Hubert Herwartz. Die Verletzungen stammten vermutlich von einem Überfall, dass der Angeklagte sie dem Zeugen beigebracht habe, sei nicht zu beweisen. „Der Angeklagte muss freisgesprochen werden.”

So sah es auch Strafverteidiger Henning Cwik, der sagte, dass die Darstellungen des Zeugen in den verschiedenen Verhandlungen erheblich vonaneinder abweichen. „Ich fordere ebenfalls einen Freispruch.”
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