Geilenkirchen - Freie Ladenlokale in der Innenstadt werden immer seltener

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Freie Ladenlokale in der Innenstadt werden immer seltener

Von: Udo Stüßer
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Sie freuen sich über florierenden Einzelhandel in der Innenstadt: Wirtschaftsförderin Susanne Köppl, Bürgermeister Thomas Fiedler und Aktionskreis-Vorsitzender Rüdiger Strübig (von rechts). Foto: Udo Stüßer
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Die Grünen beklagen die Leerstände in der Innenstadt: 17 Ladenlokale stehen im Stadtzentrum leer. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. „Freie Ladenlokale gehören zu einer dynamischen Einkaufsstadt“, erklärt Bürgermeister Thomas Fiedler. Er weiß aber auch: „Freie Ladenlokale sind unbeliebt. Keiner mag sie. Aber es gibt keine Stadt, die sie nicht hat.“ Aufgrund der „besorgten Unkenrufen aus der Politik“, so Fiedler, haben er, Wirtschaftsförderin Susanne Köppl und Aktionskreis-Vorsitzender Rüdiger Strübig sich mit der Geschäftsentwicklung in der Geilenkirchener Innenstadt in den vergangenen vier Jahren beschäftigt. Das Ergebnis ist überraschend.

„Die Geschäftsfläche aktiver Einzelhandelsgeschäfte ist gewaltig angestiegen“, sagt Fiedler.

Hintergrund seiner Recherche ist ein Antrag der Grünen-Ratsfraktion, mit dem sich der Ausschuss für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung in seiner Sitzung am Donnerstag, 18 Uhr, beschäftigt. Grünen-Fraktionssprecher Jürgen Benden hatte unter anderem um einen ausführlichen Bericht über die derzeitigen Geschäftsleerstände in der Geilenkirchener Innenstadt gebeten.

Auch forderte er einen Vergleich des Leerstandsmanagements der vergangenen Jahre mit dem Ist-Zustand. „Neue Leerstände im Stadtkern werden von der Bevölkerung sehr deutlich wahrgenommen“, hatte Benden seinen Antrag begründet. Diese Kritik können auch weder Rüdiger Strübig noch Susanne Köppl nachvollziehen. Gab es im Jahr 2009 15 freie Ladenlokale in der Innenstadt, so sind es derzeit 17.

Die Wirtschaftsförderin verweist allerdings auf 38 Geschäftsschließungen in den vergangenen vier Jahren, gleichzeitig wurden 42 Geschäfte neu eröffnet. Durch die Eröffnung des Gelo-Carrés und der „Galerie K“ kamen nochmals 20 Geschäfte hinzu, so dass den 38 Schließungen 62 Neueröffnungen gegenüberstehen.

Susanne Köppl präsentiert bei der Gelegenheit weitere Zahlen: Vor der Eröffnung des Gelo-Carrés gab es in Geilenkirchen eine Verkaufsfläche von 16.000 Quadratmetern, 45 Prozent davon in der Innenstadt, 45 Prozent in den Gewerbegebieten, zehn Prozent in den Streulagen. „Mit der Eröffnung des 5500 Quadratmeter großen Gelo-Carrés und der 1900 Quadratmeter großen Galerie konnte die Verkaufsfläche um 46 Prozent auf 23 400 Quadratmeter gesteigert werden. Mit zehn bis zwölf Prozent freien Ladenlokalen liege Geilenkirchen im Durchschnitt der Städte. Dabei blickt sie auf Köln mit zehn Prozent, Düsseldorf mit neun Prozent und Minden und Duisburg mit 20 Prozent.

„Ein Wert von fünf Prozent ist gut, 20 Prozent sind alarmierend, der Durchschnitt liegt bei zehn bis 15 Prozent“, sagt sie. Auch weitere Zahlen von Köppl und Fiedler zeigen, dass sich der Geilenkirchen Handel im Aufschwung befindet: Die Einzelhandelszentralität, das ist das Verhältnis von Umsatz und Kaufkraft, sei von 71,4 im Jahre 2011 auf 74,5 im Jahr 2012 gestiegen. Der Durchschnitt im Kreis Heinsberg liege bei 87,5.

Während sich Heinsberg über eine Einzelhandelszentralität über 119 in 2012 freuen könne, liege er in Übach-Palenberg bei 71,5 Prozent im vergangenen Jahr. „Auch bei einem Index von 100 Prozent hätten wir noch freie Ladenlokale“, versichert Fiedler. Auch der Gesamtumsatz des Geilenkirchener Handels sei, so Köppl, positiv zu sehen. „Lag er im Jahr 2011 bei 90,9 Millionen Euro, so waren es im vergangenen Jahr 95,2 Millionen Euro“, sagt sie, und Fiedler ergänzt: „Und das vor dem Hintergrund sinkender Konsumbereitschaft der Menschen. Die wirtschaftlichen Bedingungen für den Handel haben sich verschlechtert.“

Während Fiedler auf die Mischung von florierenden inhabergeführten Einzelhandelsgeschäften und preisgünstigen Geschäften mit schnell wachsendem Angebot verweist und die Bedeutung des Aktionskreises, der mit Attraktionen wie Weinfest, Nikolausmarkt und Herbstkirmes die Menschen in die Stadt zieht, hervorhebt, kennt er natürlich auch die Probleme. „Das sind die Randlagen zwischen Dohmens Eck und Amtsgericht und zwischen Hünshovener Markt und Bahnschranke. Diese Flächen passen nicht mehr zur Entwicklung des Einzelhandels.“ Aber mit dem fünften Bauabschnitt der Innenstadtsanierung werde auch eine Umfeldverbesserung in Hünshoven erreicht.

Fiedler ist auch bewusst, dass nicht mehr alle Branchen in der Stadt zu finden sind und macht das am Beispiel Haushaltswaren deutlich. Diese Branche sei grundsätzlich schwer gebeutelt. Diese Waren würden im Internet verkauft. An dieser Tatsache komme auch Geilenkirchen nicht vorbei. Auch eine weitere Tatsache wird Geilenkirchen nicht so schnell ändern können: „Es gibt kaum einen Expansionsmanager von Einzelhandelsketten, den ich nicht auf Geilenkirchen als Schulstadt mit 7200 Schülern aufmerksam gemacht habe. Aber für viele wird erst eine Stadt mit 40.000 bis 50.000 Einwohnern interessant.“

Er und seine Mitarbeiter würden dem Einzelhandel zur Seite stehen, bei der Fassadengestaltung und bei der Erstellung von Beleuchtungskonzepten Hilfe anbieten. „Aber letztendlich ist auch unternehmerisches Geschick gefragt. Schließlich leben wir in einer freien Marktwirtschaft“, sagt Fiedler.

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