Geilenkirchen - Franziskusheim startet „eigene Ausbildungsoffensive“

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Franziskusheim startet „eigene Ausbildungsoffensive“

Von: Udo Stüßer
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Von Udo Stüßer Geilenkirchen. Der Deutsche Caritasverband schlägt Alarm: „Bereits seit dem Jahr 2010 ist in jeder zweiten Caritas-Einrichtung der Fachkräftemangel deutlich spürbar“, heißt er in einer Positionierung zum Fachkräftemangel in Ausbildungsb

Geilenkirchen. Der Deutsche Caritasverband schlägt Alarm: „Bereits seit dem Jahr 2010 ist in jeder zweiten Caritas-Einrichtung der Fachkräftemangel deutlich spürbar“, heißt es in einer Positionierung zum Fachkräftemangel in Ausbildungsberufen im Sozial- und Gesundheitswesen.

Künftig werde die Nachfrage nach Leistungen in der Pflege aufgrund des wachsenden Anteils der über 65-Jährigen in der Gesellschaft zunehmen und der Bedarf an Fach- und Hilfskräften werde schwieriger zu decken sein.

Auch die Geilenkirchener Franziskusheim gGmbH gehört dem Caritas-Verband an. „Aber Pflegenotstand ist bei uns überhaupt kein Thema, weil hier schon sehr früh ausgebildet wurde. Wir haben uns nie darauf verlassen, dass andere ausbilden. Darauf hat auch mein Vorgänger Alfons Nickels großen Wert gelegt“, erklärt Geschäftsführer Hanno Frenken.

126 Senioren leben im Franziskusheim, für die Pflege gibt es 47,5 Stellen im Plan. Für die 80 Senioren in Burg Trips wurden 28,5 Stellen bewilligt. „Mit diesen Stellen müssen allerdings Früh-, Spät- und Nachtdienst abgedeckt werden. Zieht man die Mitarbeiter ab, die krank sind, sich in Urlaub befinden oder sich weiterqualifizieren, ist der Pflegeschlüssel in NRW vom Gesetzgeber sehr knapp bemessen. Der Pflegeschlüssel müsste angepasst werden“, fordert Frenken besonders vor dem Hintergrund, „dass demenziell erkrankte Menschen eine ganz andere Versorgung benötigen“.

Der Gesetzgeber fordert eine Fachkraftquote von 50 Prozent. Im Franziskusheim beträgt sie laut Frenken 63 Prozent, in Burg Trips 62 Prozent. „Eine Fachkraftquote von 50 Prozent reicht nicht aus. Denn die reduziert sich in Urlaubszeiten“, sagt Frenken. Dabei betont er aber: „In diesem Unternehmen sind alle Mitarbeiter gleich wichtig und wertvoll und bedürfen der Wertschätzung.“

„Der Beruf des Altenpflegers wird oft verkannt“, sieht Frenken eine Ursache für den Fachkäftemangel in Deutschland. „Man reduziert ihn auf Pflege. Die ist natürlich ganz wichtig. Aber ebenso wichtig ist die soziale Betreuung der Senioren.“ Und: „In der Öffentlichkeit müssten Berufe im Sozial- und Gesundheitswesen viel mehr Anerkennung und Wertschätzung erfahren. Auch könnten die Verdienstmöglichkeiten besser sein.“ Laut dem Deutschen Caritasverband verdienen Pflegefachkräfte durchschnittlich 2360 Euro brutto im Monat bei einer Vollzeitbeschäftigung.

Der Geschäftsführer des Franziskusheims begrüßt die Ausbildungsoffensive der Bundesregierung, hält sie aber für seine Häuser nicht für erforderlich. „Wir starten eine eigene Ausbildungsoffensive“, sagt Frenken. Acht in der Ausbildung befindliche Pflegekräfte beenden im Sommer ihre Lehrzeit, fünf können übernommen werden. Im kommenden Ausbildungsjahr wird er 20 junge Menschen einstellen und als Altenpfleger ausbilden, 120 Bewerbungen sind bei ihm eingegangen. Nachwuchssorgen hat das Franziskusheim also nicht.

„In der Region sind wir als großer Ausbildungsbetrieb bekannt, außerdem hat sich die Zufriedenheit unserer Mitarbeiter rumgesprochen“, nennt er Gründe. Man müsse Arbeitsbedingungen schaffen, durch die sich der Mitarbeiter wohl fühle. „Die Altenpflege ist ein psychisch und physisch anspruchsvoller Beruf. Die Pflegekräfte haben mit Krankheit, Leid und Tod zu tun. Deshalb müssen die Mitarbeiter regelmäßig Freizeiten haben, um zu Kräften zu kommen.“ Möglichkeiten der Weiterbildung und familienfreundliche Arbeitszeitmodelle sind für ihn weitere Voraussetzung für Zufriedenheit am Arbeitsplatz.

Eine Anwerbung von Pflegekräften im Ausland hält Frenken für keine geeignete Lösung, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. „Wenn wir im Ausland unsere Fachkräfte akquirieren, verschärfen wir dort die Situation. Denn diese Kräfte fehlen in ihren Heimatländern. Eine Anwerbung wäre nur ein Strohfeuer. Wir brauchen hingegen eine solide Refinanzierung der Ausbildung.“

2,35 Euro zahlt derzeit jede Einrichtung pro Bewohner und Tag an den Landschaftsverband. Aus diesem Topf wird die Ausbildung finanziert. „Letztendlich zahlt der Bewohner für die Ausbildung der Pflegekräfte mit. Der Gesetzgeber müsste aber eine Art der Finanzierung beschließen, die nicht zu Lasten der Bewohner geht“, fordert Frenken.

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