„Forum Übach-Palenberg“: Können zwei Herzen synchron schlagen?

Von: Jan Mönch und Udo Stüßer
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Welchen Weg hat die Stadt eingeschlagen? Und wo führt er hin? Darüber diskutieren (von links) Chefredakteur Bernd Mathieu, Karl-Heinz Emrich (Wohnungsverwalter), Klaus-Dieter Kroll (Raiffeisenbank), Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch, Thomas Pennartz (Kreissparkasse) sowie Thorsten Pracht, als Redakteur unserer Zeitung verantwortlich für den Kreis Heinsberg. Foto: Markus Bienwald
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Viele der mehr als 300 Gäste waren nicht „nur“ zum Zuhören da, sondern richteten kritische Fragen ans Podium. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Wir müssen reden! Die Forderung stand vielen Besuchern beim „Forum Übach-Palenberg“ ins Gesicht geschrieben. Zu der Veranstaltung hatte unsere Zeitung ins Carolus Magnus Centrum eingeladen.

Mehr als 300 Besucher sorgten dafür, dass sämtliche Sitzplätze restlos belegt waren, die Diskussionsteilnehmer auf dem Podium sorgten dafür, dass gute zweieinhalb Stunden Diskussion zu keinem Zeitpunkt langweilig wurden. Alles andere hätte auch überrascht, kontroverse Themen gibt es in Übach-Palenberg schließlich genug. Als da wäre die immer noch bedrohlich im Raum schwebende Schließung des Ü-Bads, als da wäre die Ansiedlung von Einkaufszentrum und Schokoladenfabrik, als da wäre die Zukunft von Einzelhandel und Nahversorgung, bei der insbesondere die Palenberger Bevölkerung schon den Sargnagel eingeschlagen sieht, als da wäre die noch immer prekäre Finanzlage. „Wir sind eine Stadt, die sich dynamisch entwickelt. Wir haben aber auch noch einen ganzen Sack voller Pro–bleme“, fasste Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch die Situation Übach-Palenbergs zusammen.

Anschließend wurde in drei Gesprächsrunden über Wirtschaftsförderung, Einzelhandel und Finanzen debattiert. Moderatoren waren unser Chefredakteur Bernd Mathieu sowie Thorsten Pracht, unser verantwortlicher Redakteur für den Kreis Heinsberg. Erfreulich: Aller Brisanz zum Trotz blieben Diskussionsteilnehmer und Publikum in ihren Beiträgen fair und konstruktiv.

Erste Gesprächsrunde: Walter Pötter (Lidl-Vorstand und Bauherr der Brot- und Schokoladenfabrik), Norbert Zehnpfund (Unternehmer und Eventmanager), Patrick Schulte (Geschäftsführer SpanSet).

Die Übach-Palenberger bezeichnen ihre Stadt gern als die mit den zwei Herzen. Ein wohlklingendes Synonym, aus dem sich andererseits ein Dilemma ablesen lässt: Wird etwas für das eine Herz getan, wird dies mitunter – ganz subjektiv – als Schwächung des anderen Herzens wahrgenommen. Das kann es nicht sein, wurde in der ersten Gesprächsrunde deutlich. „Feindschaften und Rivalitäten sind fehl am Platze“, mahnte Zehnpfund, gerade gegenüber potenziellen Neubürgern werde anderenfalls eine denkbar schlechte Visitenkarte abgegeben. Auch müsse Jungunternehmern der Standort schmackhaft gemacht werden. „Es darf nicht nur heißen: Geh mal zu Amt XY. Es muss eine Beratungsstelle her, die vom Ansatz bis zur Umsetzung begleitet.“ Und Pötter stellte fest: „Übach-Palenberg sollte sich nicht Richtung Geilenkirchen, nicht Richtung Alsdorf und nicht Richtung Baesweiler bewegen.“

Stattdessen gelte es, sich auf sich selbst zu besinnen und zusammenwachsen zu lassen, was zusammengehört – nämlich die Übach-Palenberger Ortsteile. Auch als es um die Erweiterung der Brot- und Schokoladenfabrik ging, ließ Pötter aufhorchen: Er sei „guten Mutes“, dass dort nicht „nur“ 400, sondern 600 Arbeitsplätze geschaffen werden könnten. Außerdem solle ein Ausbildungszentrum her. „In zwei bis zweieinhalb Jahren wollen wir junge Leute ausbilden, die unsere Maschinen bedienen.“

Zweite Gesprächsrunde: Hans Rogalski und Horst Behrens (ITG Düsseldorf, Investor des Einkaufszentrums Wasserturm), Manfred Latour (Werbegemeinschaft Palenberg), Udo Jastrinski (Aktionskreis Pro Übach).

Ist das 9600 Quadratmeter große Einkaufszentrum am alten Wasserturm eine Chance für die Übach-Palenberger Geschäftswelt? „Übach-Palenberg ist die Stadt mit zwei Herzen und 27 Einkaufszen-tren. Palenberg wird von diesem Zentrum nicht profitieren“, blickte Manfred Latour mit einer großen Portion Pessimismus in die Zukunft. Am 8. Dezember habe der Investor, die ITG aus Düsseldorf, zugesichert, dass Rewe noch zehn Jahre in Palenberg bestehen bleibe. „Und jetzt ist er weg. Wir stehen jetzt in Palenberg ohne Nahversorgung da“, kritisierte er. Derweil blickt Udo Jastrinski mit gemischten Gefühlen auf das Einkaufszentrum: „Es ist nicht toll für Palenberg, aber auch nicht ohne Chance für Übach.“ Die Lösung sieht er in einer Anbindung der Übacher Geschäftswelt durch den Bau einer neuen Straße zwischen Carolus-Magnus-Straße und Einkaufszen-trum. „Das wird uns in Palenberg aber auf keinen Fall helfen. Die Leute fahren nicht vom Einkaufszentrum nach Palenberg“, meinte dazu Latour.

Horst Behrens erklärte, alles getan zu haben, um den Rewe-Markt in Palenberg zu erhalten. Rewe habe in einem Schreiben zugesagt, den Vertrag zu erfüllen und bis 2017 in Palenberg zu bleiben. Eine Vertragsstrafe aber, so gab Behrens zu, sei nicht vereinbart worden.

Deutlich wurde, dass es kein einheitliches Stadtzentrum gibt. „Wir sind sicherlich keine verfeindeten Stadtteile, aber wir liegen zu weit auseinander. Ich muss mit dem Einkaufszentrum das Beste für Übach rausholen“, erklärte Jastrinski. Das sieht Behrens ganz anders: „Wir werden eine Werbegemeinschaft einrichten, wir werden Geld ins Stadtmarketing einfließen lassen. Wir möchten Übach-Palenberg im interkommunalen Wettbewerb vertreten. So können Übach und Palenberg zusammenwachsen.“

Aus dem Publikum meldete sich Wilfried Dohmen zu Wort, dessen Mutter die Rewe-Immobilie besitzt – er zeigte sich verärgert: „Wir mussten von Dritten erfahren, dass der Rewe-Markt geschlossen wird. Nun steht die Stadt in der Verantwortung.“ Dazu Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch: „Ich wurde von der Nachricht überrascht, dass Rewe nicht in Palenberg bleibt, und habe Kontakt zur Regionalstelle aufgenommen. Dort wurde mir mitgeteilt, dass die Umsätze drastisch gesunken seien und man dort keinen Markt aufrecht erhalten könne.“

Dritte Gesprächsrunde: Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch, Thomas Pennartz (Kreissparkasse), Klaus-Dieter Kroll (Raiffeisenbank), Karl-Heinz Emrich (Wohnungsverwalter).

Thomas Pennartz sieht die Stadt Übach-Palenberg auf einem „vernünftigen Weg“. „Unternehmer, Privatleute und die Verwaltung müssen die Sache gemeinsam anpacken. Die Stadt entschuldet sich weiter“, sagte Pennartz, der eine Aufwärtsentwicklung in der Privatwirtschaft festgestellt hat. Das sieht auch Klaus-Dieter Kroll so: „Wir sind ebenso wie die Kreissparkasse regionaler Partner und mit vielen Firmen verbunden. Wir eruieren ständig neue Baugebiete und sehen gute Chancen in der Region.“

Diese Chancen hat auch Karl-Heinz Emrich von der Emrich Wohnungsverwaltung Bergheim erkannt: Er plant den Bau von 60 Seniorenwohnungen an der Hovergracht. Die Entscheidung für Übach-Palenberg sei letztendlich auch emotional zu begründen. „Diese Stadt hat mir ein gutes Gefühl vermittelt“, erklärte er.

Dennoch steht die Stadt vor großen Aufgaben: die Innenstadt muss belebt, Leerstände müssen beseitigt werden. Angesichts der Tatsache, dass nur 30 Prozent der benötigten Textilien in Übach-Palenberg gekauft werden, erklärte Thomas Pennartz: „Es ist wichtig aufzuzeigen, dass man an einem bestimmten Standort mit einem bestimmten Produkt Geld verdienen kann.“ Weiter sagte er: „Übach hat mehr Nutzen vom Einkaufszentrum, aber Palenberg hat den Bahnhof. Damit kann man wuchern.“

Kroll: „Wenn die neue Mitte eröffnet ist, wird dies zu einer Belebung von Palenberg und Übach führen“, meinte er zuversichtlich. Derweil erhofft sich Jungnitsch eine Belebung Palenbergs durch die Öffnung der Aachener Straße. In den finanziellen Spielräumen der Stadt sieht Thomas Pennartz derzeit noch einen Wermutstropfen: „Die Stadt Übach-Palenberg darf aufgrund ihrer Haushaltslage keine Investitionskredite aufnehmen. So können auch sinnvolle Investitionen nicht angegangen werden.“ An diesem Problem arbeiten Rat und Verwaltung: „In den nächsten Jahren werden wir die Schulden halbieren“, versicherte Jungnitsch.

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