Flugsicherheit: Wieder Kahlschlag in der Heide

Von: Udo Stüßer
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Teverener Bürger sind entsetzt: So sieht die Fläche zwischen Rasen- und Ascheplatz im Heidestadion aus. Warum werden die Bäume gefällt und nicht gekappt, wie es der Awacs-Verband fordert? Foto: Udo Stüßer
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Auch dieses Schild hält die Bagger nicht zurück. Foto: Udo Stüßer
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Hans-Josef Paulus und Hubert Paggen stehen nicht zum ersten Mal vor einem Holzstapel in der Heidelandschaft. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen-Teveren. Hubert Paggen liebt die Natur. Besonders die Teverener Heide ist dem ehemaligen Beigeordneten der Stadt Geilenkirchen ans Herz gewachsen. Doch als der Teverener Bürger vor wenigen Tagen mit dem Rad am Heidestadion vorbeifuhr, trieb es ihm die Zornesröte ins Gesicht.

Am Wegesrand aufgestapelte Baumstämme ließen ihn schon ahnen, was in diesem Naturschutzgebiet auf ihn zukommen sollte. 

„Ich fuhr näher an das Waldstück heran und war über den Kahlschlag erschrocken, den ich dort sah“, erklärt er. Auf einer ungefähr zwei Fußballfelder großen Fläche war der Wald abgeholzt worden. „Das war kein Auslichten, das war kein Rückschneiden, das war Kahlschlag“, sagt er verärgert.

Entsetzt ist auch der Teverener Ortsvorsteher Hans-Josef Paulus. Spaziergänger hatten ihn informiert. „Ich fuhr zum Heidestadion und sah zwischen Rasen- und Aschenplatz schweres Gerät, Bagger und Kettenraupen, im Einsatz.“ Paulus wandte sich umgehend an Markus Mönter, Technischer Beigeordneten der Stadt Geilenkirchen. „Von ihm habe ich erfahren, dass einige Bäume im Bereich des Aschenplatzes die Höhe von sieben Metern übersteigen würden. Diese würden die Flugsicherheit gefährden. Deshalb habe der Awacs-Verband gefordert, die zu hoch geratenen Bäume zu kappen“, sagt Paulus.

Über die Tatsache als solche sei der Umwelt- und Bauausschuss im September 2013 informiert worden. Was Paulus besonders ärgert ist die Tatsache, dass es nicht die erste groß angelegte Aktion dieser Art ist, über die er als Ortsvorsteher keine Kenntnis hatte.

So erinnern Paulus und Paggen an den Kahlschlag im Jahr 1999, als mehrere Hektar Wald in der Einflugschneise geschreddert wurden, und weitere Kahlschläge in den Jahren 2002 und 2008. Auch damals wurde nie jemand informiert.

Die Informationen fließen auch in diesem Zusammenhang nur sehr spärlich. „Der Grund der Schneidearbeit ist, dass die An- und Abflugfreiflächen von hohem Baumbestand betroffen sind und den Schnitt nötig machen. Beantragt haben wir die Höhenanpassung von einzelnen Bäumen und das Fällen einzelner Bäume zur Schaffung von An- und Abflugfreiflächen.

Die Umsetzung liegt dann beim Forstbetrieb“, erklärt auf Anfrage Michael Möller, ein Sprecher des Awacs-Verbandes. Wenig auskunftsfreudig zeigt sich hingegen der Kreis Heinsberg als Untere Landschaftsbehörde: „Der Kreis Heinsberg ist informiert“, ist die einzige Auskunft von Pressesprecher Ulrich Hollwitz. Er verweist an die Verantwortlichen des Bundesforstes.

In dieser Abteilung der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben heißt es auf Anfrage unserer Zeitung lediglich: „Im Auftrag des Nato-Verbandes stellen wir die Hindernisfreiheit des Flugbetriebes her.“ Ansonsten kein Kommentar, weitere Auskünfte seien beim Awacs-Verband erhältlich.

Erstaunt über den Umfang des Eingriffes in die Natur ist auch Geilenkirchens Bürgermeister Thomas Fiedler. Verärgert ist er besonders darüber, dass die Stadt über den Umfang der Arbeiten nicht informiert worden sei.

Mit Blick auf einen Beforstungsvertrag zwischen der Stadt und dem Bund aus dem Jahr 1991 gesteht Fiedler aber auch ein: „Vertraglich ist die mangelnde Information das einzige, was wir bemängeln.“ Denn: „Vorgesehen ist vor solchen Maßnahmen, Einvernehmen mit dem Landesbetrieb Wald und Forst und der Unteren Landschaftsbehörde, also dem Kreis Heinsberg, zu erzielen.“

Im August 2013 habe die Nato den Bedarf angemeldet, im September sei der Bau- und Umweltausschuss informiert worden. „Wir waren aber der Meinung, dass einzelne Bäume gefällt oder gekappt werden müssen“, erklärt Fiedler. Und: „Der Bund hatte das Recht, hätte aber informieren müssen. Ich werde nun in angemessenem Ton meine Stimme erheben.“

Wie er nun erfahren habe, sei die Maßnahme abgeschlossen, es seien keine weiteren Maßnahmen geplant, die Fläche werde aufgeforstet. Es ist nicht das erste Mal, dass nach einer von Awacs beantragten Kappung von Bäumen ein rigoroser Kahlschlag die Folge ist. Nach der Abholzaktion im Jahre 2008 hatte der damalige Kommandeur, Brigadegeneral Stephen D. Schmidt, erklärt „Wir waren überrascht, dass die Bäume und eine Hecke komplett entfernt wurden und bedauern sehr, dass die Arbeiten weit über das beantragte Maß hinausgingen.“ Und: „Wir beantragten einen Rückschnitt der Bäume auf eine sichere und niedrigere Höhe, nicht das komplette Abschneiden.“

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