Geilenkirchen/Übach-Palenberg - „Ferkes-Tünn“ verehrt als Mönchsvater und Heiler

„Ferkes-Tünn“ verehrt als Mönchsvater und Heiler

Von: Johannes Gottwald
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Mönchsvater Antonius führte ein streng asketisches Leben in der Wüste und widerstand teuflischen Versuchungen. An dieser Figur in der St.-Petrus-Kirche in Baesweiler erkennt man links unten das „Antoniusschwein”, rechts das „Antoniusfeuer”. In die Figur ist sogar eine Reliquie in Form eines runden Medaillons eingearbeitet. Foto: Johannes Gottwald

Geilenkirchen/Übach-Palenberg. Viele Rheinländer begehen den 17. Januar als ihren Namenstag – sogar die Kölner Scherzfigur „Tünnes“ gehört dazu. Denn an diesem Tag, dem heutigen Freitag, gedenkt die katholische Kirche des Heiligen Antonius.

Man bezeichnet ihn auch als „Antonius den Einsiedler“ oder „Antonius den Großen“ – aber nicht zu verwechseln mit Antonius von Padua. Er gilt als Schutzpatron der Landwirte und des Viehs, wurde im Mittelalter aber auch bei Seuchen um Beistand angerufen. Ursache dafür war wohl das berüchtigte „Antoniusfeuer“, eine Krankheit, die durch das Mutterkorn, einem giftigen Pilz auf Roggen, hervorgerufen wurde. Da zu den Symptomen auch Wahnvorstellungen gehörten, glaubte man fälschlicherweise an eine ansteckende Epidemie. Noch 1951 kamen in Südfrankreich solche Vergiftungsfälle vor, die sieben Todesopfer forderten.

Die große Popularität des heiligen Antonius erklärt sich vielleicht daraus, dass sein Werdegang ähnlich wie bei Franz von Assisi verlief. Wie dieser war er zwar getaufter Christ, führte jedoch als Sohn reicher Eltern im ägyptischen Ort Kome ein sorgloses Leben in Luxus und Wohlstand. Während eines Kirchenbesuches soll er dann die Worte Jesu aus dem Matthäus-Evangelium vernommen haben: „Willst du vollkommen sein, so verkaufe deinen ganzen Besitz, gib das Geld den Armen, dann komme und folge mir nach.“

Diese Botschaft traf Antonius zutiefst, und er änderte radikal sein Leben. Er nahm den Schrifttext beim Wort, verteilte sein gesamtes Vermögen an Bedürftige und zog sich in die Wüste zurück, wo er fortan ein Leben in Askese, Gebet und tätiger Nächstenliebe führte. Dabei ging es keineswegs nur ruhig und beschaulich zu, der frühchristliche Aussteiger war oftmals schweren Anfechtungen ausgesetzt. Der Legende nach soll ihm auch der Teufel in Form von Dämonen oder schöner Dirnen erschienen sein und ihn mit wollüstigen Visionen bedrängt haben.

Bizarre Versuchungen

Diese „Versuchung des Heiligen Antonius“ inspirierte jahrhundertelang vom Mittelalter bis in die Neuzeit große Künstler zu bedeutenden Werken. Weltberühmtheit erlangte die Darstellung von Matthias Grünewald auf der Rückwand des Isenheimer Altars. Fast ebenso bekannt ist das Gemälde von Hieronymus Bosch, auf dem die Dämonen in bizarren Figuren erscheinen, die beinahe schon den Kubismus von Pablo Picasso vorwegnehmen. Auch der Komponist Paul Hindemith ließ sich in seiner Symphonie „Mathis der Maler“ von diesen Vorlagen zu einem großartigen musikalischen Stimmungsbild anregen.

Nur einmal noch soll Antonius seine Einsiedelei verlassen haben – beim Ausbruch der großen Christenverfolgung des Kaisers Diokletian. Verschiedenen Berichten zufolge soll er sich in die ägyptische Metropole Alexandria begeben haben, um dort seinen Glaubensgenossen beizustehen.

Angeblich genoss er sogar bei der heidnischen Bevölkerung soviel Verehrung, dass die römischen Behörden es nicht wagten, ihn festzunehmen. Diese Episode in seinem Leben ist allerdings nicht historisch gesichert.

Fest steht aber, dass seine alternative Lebensform bald Nachahmer fand. Nach dem Ende der Christenverfolgungen brauchte niemand mehr zu befürchten, wegen seines Glaubens eingesperrt oder hingerichtet zu werden – daher traten nun andere Formen radikalen Glaubenszeugnisses in den Vordergrund. Dazu gehörte auch der freiwillige Verzicht auf Besitz und berufliche Karriere.

So siedelten sich in der Nähe Antonius‘ auch zahlreiche andere Eremiten an, die bald auch feste Kollektive bildeten und sich regelmäßig zum gemeinsamen Gebet trafen. Damit wurde Antonius zum „Mönchsvater“, denn aus diesen Gemeinschaften sollten sich später die ersten christlichen Orden und Klöster entwickeln.

Der Heilige Antonius wird auf Bildern oder Statuen sehr häufig zusammen mit einem Schwein abgebildet. Deshalb trägt er im Volksmund auch den Spitznamen „Ferkes-Tünn“. Dies hat freilich nichts mit seinem Leben zu tun, sondern mit der Tradition der Antoniter. Dieser Mönchsorden war bis zur Reformation weit verbreitet und bekannt dafür, dass er oft Schweine in seinen Klöstern hielt.

In vielen Orten gab es damals ein „Antonius-Schwein“, das auf Kosten der Stadt gemästet wurde. Am Antoniustag wurde es dann geschlachtet und sein Fleisch unter die Armen und Bedürftigen verteilt. Dieses Brauchtum war übrigens bis in die Zeit um 1920 noch in dem Dorf Breberen bei Gangelt lebendig.

Schützen tragen Erinnerung

In Übach-Palenberg gab es bis vor kurzem sogar eine Antoniuskirmes, die von der lokalen St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft organisiert wurde. Dabei handelte es sich aber nicht um einen Jahrmarkt, sondern eher um eine interne Feier mit Tanz und Unterhaltung. „Später wurde dann ein Kameradschaftsabend daraus“, berichtet Brudermeister Toni Crampen. „Als vor zwei Jahren die Großpfarre St. Petrus entstand, haben wir die Sache in einer Feier zu Ehren des Heiligen Sebastian umgewandelt. Denn Antonius war neben Dionysius der zweite Patron unserer Pfarre. Aber mit dem Zusammenschluss ist ja nun der Bezug dazu weitgehend verloren gegangen.“

Im benachbarten Baesweiler gibt es dagegen bis heute eine Antonius-Kirmes, denn auch dort ist der große Einsiedler der zweite Pfarrpatron. Dort kennt man auch noch die Segnung des Antonius-Brotes. Heute wird es unter die Gottesdienstbesucher verteilt, früher verfütterten es die Bauern nach der Messe an das Vieh . Es gab eben noch keine Antibiotika.

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