Gangelt - Feine Keilereien wie im Mittelalter

Feine Keilereien wie im Mittelalter

Von: Karl-Heinz Hamacher
Letzte Aktualisierung:
Ritterfest
„Ungehobelte Kerle” aus dem Heinsberger Land kamen „Streit suchend” nach Gangelt. Ein wahrer Spaß für Jung und Alt, sich in die teils rauhe Zeit des Mittelalters und der Rittersleut versetzen zu lassen. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt. Das zweite Ritterfest in Gangelt war ein voller Erfolg. Die Teilnehmer, Schausteller, Handwerker, Musikanten und natürlich die Rittersleut kamen aus ganz Nordrhein-Westfalen und lobten das wunderbare Ambiente zwischen Burgturm, Nikolauskirche und alter Stadtmauer sowie die hervorragende Organisation der ganzen Veranstaltung.

Schon Bürgermeister Bernhard Tholen hatte morgens bei der Eröffnung Gerda Piepers und Heinz Meuffels als Vertreter der Gemeindeverwaltung für ihre tolle Arbeit gedankt. Für Gerda Piepers, für die Stadtführerin Monika Tholen und für Elisabeth Conzen gab es einen Blumenstrauß. Die Familie Conzen hatte wieder ihren Acker zur Verfügung gestellt und bei den Vorbereitungen geholfen.

Zwölf Heerlager

Ritter sind ein seltsames Völkchen. Die einen in der Sprache gar wunderlich gehoben, andere pöbeln derb herum und beleidigen alles, was ihnen über den Weg läuft. So geschehen bei einem Spaziergang der Schildwächter, als sie auf Ritter aus Geilenkirchen, Heinsberg, Lieck und andern umliegenden Orten trafen. Eine Beleidigung folgte der andern und schnell war eine feine Keilerei mit Schwert, Streitaxt und was sonst noch zum Repertoire gehörte im Gange.

Die Schildwächter rund um Familie Zeise aus Übach-Palenberg hatten einen großen Anteil daran, dass mit 53 Zelten mehr als doppelt so viele Ritterfreunde den Weg nach Gangelt gefunden hatten wie im Vorjahr bei der ersten Auflage. In zwölf Heerlagern gab es das Leben der Rittersleute zu betrachten. Besonders schön war der Anblick nach Einbruch der Dämmerung, als die Aktivitäten auf dem Platz langsam zur Ruhe kamen und viele hundert Kerzen für Stimmung sorgten.

Romantische Beleuchtung

St. Nikolaus und die Stadtbefestigung waren romantisch angestrahlt und so konnte man sich - wenn man den Verkehr auf der B 56 wegdachte - im Mittelalter wähnen. Als dann noch Monika Tholen mit vielen Gästen in Kostümen von der Nachtwächterführung zurück kam und das große Lagerfeuer entzündet wurde, war das Bild perfekt.

Von „Vinum generosum” kündeten die Minnesänger schon am Nachmittag. Abends waren die gleichen Barden immer noch unterwegs und fanden an einer Taverne ein dankbares Publikum - und reichlich Vinum für die Kehlen.

Ritter Thorsten Zeise braucht rund 20 Minuten, bis er seine Rüstung angelegt hat. Bis zu 40 Kilogramm ist er dann schwerer, und so war es nicht verwunderlich, dass, fällt ein Ritter in der Schlacht um, er wie eine umgedreht Schildkröte auf dem Rücken liegt und Hilfe braucht.

Viele Zuschauer waren erstaunt, dass sich die Akteure im Ringen um die Limburger Erbfolge nichts schenkten. So mancher Schild, der frisch lackiert und mit einem schönen Motiv versehen in die Schlacht getragen wurde, kam farblos und verbeult wieder heraus. Die Frage, warum es am Ende so ausging, dass jeder gegen jeden kämpfte und - natürlich - die „Gangelter” als Sieger das Feld verließen, wurde anschließend in geselliger Runde diskutiert.

Vielleicht hätte man ja auch vorher mal bei der Kartenlegerin Uleea vorschauen können, um sich die schweißtreibende Keilerei zu sparen. Die hatte ihren Stand neben einer „Kinderspielerei”, in der Wüstenrennmäuse die Attraktion waren. Das Warenangebot reichte von Fellen bis Spielzeug und hatte eines gemeinsam: Alles funktionierte ohne Strom. Statt Pommes bitte „Erdäpfelstreifen”

Das Beispiel für die „feine” Sprache fehlt noch: „Tu mich mal Pommes mit ohne alles”, ist eine Bestellung, die in den Frittenschmieden der Regikon unisono verstanden wird.
Anders klingt das, wenn des Ritters Magen knurrt: „Seit gegrüßt, wohledler Herr. Darf ich von den ölgebratenen Erdäpfelstreifen wohl eine Portion gegen einen Taler bald mein eigen nennen?”
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