Familie Übachs ist dem FC Bayern ganz nah

Von: Sibylla Machens
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Sonja und Harry Ubachs mit ihren Töchtern Janina (l.) und Anna-Lena in der fantastischen Kulisse der Münchener Allianz Arena kurz vor dem Anpfiff zum Bundesligaspiel. Ein Preisausschreiben brachte die Familie aus Geilenkirchen in die Arbeitszentren ihrer Stars. Foto: E.ON

Geilenkirchen/München. Einen außergewöhnlichen Ausflug hat die Familie Übachs aus Geilenkirchen bei einem Gewinnspiel des Energieversorgers E.ON gewonnen. Sie blickte beim FC Bayern München in der Säbener Straße hinter die Kulissen des legendären Vereins und zitterte dann mit beim Südderby gegen den VfB Stuttgart in der Allianz Arena.

Es gibt nicht viele Fans des FC Bayern München, denen es bisher gelang, einen so tiefen Einblick ins Innerste des Vereins zu bekommen. Kein Wunder, dass die Familie schon Tage vorher ziemlich aufgeregt war.

Start halb drei in der Früh

Um halb drei Uhr morgens waren sie in Geilenkirchen losgefahren. „Durch das ganze Ruhrgebiet, insgesamt 660 Kilometer”, sagt Familienvater Harry. Punkt elf, schnell noch das Gepäck ins Hotelzimmer gebracht, stehen sie vor dem Leistungszentrum des FC Bayern an der Säbener Straße in München: die Eltern Sonja und Harry, die 17-jährige Janina und die zwölfjährige Anna-Lena, ein begeisterter Bayern-Fan. Vor der Besichtigung werden die Besucher freundlich gebeten, keine Terminpläne zu fotografieren.

Und dann geht es los. Schneller als erwartet - fast ein wenig ungläubig - stehen sie zusammen mit drei weiteren Gewinnerfamilien der E.ON-Verlosung in der Mannschaftskabine vor den weißen Spinds ihrer Stars. An jedem Schrank mit den Schuhen und Trikots der Spieler befindet sich auf Augenhöhe ein kleiner Monitor. Dort sieht man den persönlichen digitalen Stundenplan von jedem Spieler mit allen Trainings-, Spiel-, Interview- und Behandlungsterminen. Alles wird hier von einem Computer aus zentral gesteuert.

In der Kabine herrscht andächtiges Schweigen. Anna-Lena starrt auf den Spind von Franck Ribry. Die Gesichter, nicht nur die der Kinder, strahlen unübersehbar vor Freude: Was für ein Augenblick!

Durch enge Gänge und das schmale Treppenhaus geht es vorbei an zwei Whirlpools. Der weiche Kunststoffbelag im Gymnastikbereich, grasgrün mit weißen Linien, sieht aus wie ein kleines Spielfeld. Daran grenzt der Fitnessbereich mit den sehr speziellen Kraft- und Cardiogeräten. Sämtliche Daten aus den Brustgurten, die die Spieler während des gesamten Trainings drinnen und draußen tragen, werden im Nebenraum von einem Computer ebenso ausgewertet wie die Aufzeichnungen der acht Kameras auf dem Trainingsgelände.

Beim Neubau im Jahr 2008 wurden die Räume so eingerichtet, dass die Nutzer die Zeit dort so angenehm wie möglich empfinden. Eine großzügige Aufenthaltszone mit einem langen Holztisch und schlichten Bänken, die beiden Billardtische, die Tischtennisplatte sowie eine Couch- und Fernsehecke unterstützen die Spieler in ihrem Arbeitsalltag.

„Mia san mia” - die Philosophie des Vereins „Wir sind wir” prangt als große Schrifttafel an einer Wand. Das „Mia san mia” gab es schon in den 70er Jahren als Ausdruck für das Selbstverständnis des Vereins. Familie Übachs wirft noch einen Blick ins Auditorium, in dem mit Hilfe einer klassischen Taktiktafel und einer hochmodernen Videoanlage die eigenen Spiele wie auch die des nächsten Gegners analysiert werden.

Von dort führen einige Stufen zur bambusbegrünten Dachterrasse, auf der die Spieler hin und wieder grillen. „So ein schöner Arbeitsplatz”, staunt Harry Übachs, 44 Jahre alt, Monteur bei einer Firma für Industrielackierung. Und Ehefrau Sonja (37) ergänzt: „Alles so durchdacht hier. Da müssen sich die Spieler ja wohl fühlen. Es fehlt an nichts.” Das clubeigene TV-Studio, den Raum für die Pressekonferenzen und die beiden gemütlichen Mini-Studios für längere Fernsehinterviews kennen viele Besucher bereits aus den Medien.

Das Fußball-Virus hat die Familie Übachs schon lange fest im Griff: „Als Kind durfte ich meinen Großvater, der im Rollstuhl saß, zu einem Bayern-Spiel begleiten, wir hatten Plätze hinter dem Tor”, erinnert sich Sonja Übachs, die seitdem FC Bayern-Fan und beruflich beim Hauptzollamt in Aachen tätig ist.

„Fan zu sein ist bei uns harte Arbeit, da wir als Bayern-Fans in Geilenkirchen immer die Bayern verteidigen müssen”, erklärt sie. „Und es ist schwer Karten zu bekommen, wenn Bayern gegen Köln oder Gladbach spielt”, sagt ihr Mann, der sich als „Bayern-Fan seit ich denken kann” bezeichnet.

„Der Gomez!”, ruft plötzlich Anna-Lena, die den Stürmer in seinen goldfarbenen Sportschuhen vor dem Leistungszentrum entdeckt hat. Wegen eines Muskelfaserrisses kann er am heutigen Spiel nicht teilnehmen. Stattdessen lässt er sich mit Familie Übachs fotografieren, lächelt freundlich, als ihm ein dicker schwarzer Filzstift zum Autogrammschreiben gereicht wird.

Um diesen Tag erleben zu können, hatte sich die Familie für das E.ON-Gewinnspiel etwas einfallen lassen. „Das Foto war eine Gemeinschaftsaktion, die uns viel Spaß gemacht hat”, erzählt Sonja Übachs. Alle vier hatten ihre Gesichter als Bayern-Fans geschminkt und durch Öffnungen einer selbstgebastelten Plakatwand gesteckt. Der Aufwand hat sich gelohnt. So kam die Familie nicht nur zu dieser ungewöhnlichen Führung und einem Ribry-Trikot, sondern auch zu Karten für das Heimspiel gegen den VfB Stuttgart in der Allianz Arena: nah am Spielfeldrand, nicht weit von der stimmungsvollen FC Bayern-Fan-Südkurve entfernt.

„Ich war noch nie in so einem Stadion”, lächelt Anna-Lena und blickt in die elegante, ovale Arena. Als Arjen Robben sich als Erster auf dem Rasen warmläuft, wird er mit begeistertem Applaus begrüßt, sozusagen als Dank für das geniale Tor gegen Schalke 04 drei Tage zuvor.

Endlich der Anpfiff. Die Farbe Rot dominiert bei den rund 69000 Zuschauern, in der Südkurve singt der Fanblock im Stehen: „Ol, ol Super-BayernÉ” Die dunkel gekleideten Stuttgart-Fans drängen sich in den oberen Rängen der Nordkurve. Nach einer halben Stunde nimmt das Spiel deutlich an Fahrt auf. Danijel Pranjic bringt den Ball flach und scharf von links in die Mitte. Ivica Olic nutzt seine Chance: Tor!

Tor von Olic in der 32. Minute! Familie Übachs springt von den grauen Klappsesseln und jubelt - so wie fast das ganze Stadion. Und wie die mitgereisten Fans des VfB in der 41. Minute, in der die Schwaben den Ausgleichstreffer landen. Nach der Halbzeit wechselt Louis van Gaal Arjen Robben und Franck Ribry ein, doch ohne zählbaren Erfolg. Die Stuttgarter schaffen in der 50. Minute den Siegtreffer zum 1:2.

Der erste Sieg des VfB Stuttgart in München seit elf Jahren. Für die Bayern die zweite Niederlage in Folge. Die Übachs sind fassungslos. Sonja und Anna-Lena hatten fest mit einem 2:1 gerechnet, Harry gar mit einem 4:1-Erfolg. Aber trotz des Ergebnisses fühlt sich Familie Übachs als Gewinner und denkt gerne an das Erlebnis beim Rekordmeister zurück. Auch am nächsten Tag bei der Rückfahrt - 660 Kilometer weit nach Hause.
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