bullyparade kino freisteller bully herbig tramitz kavanian

Familie Aydin will den Blutkrebs besiegen

Von: Jan Mönch
Letzte Aktualisierung:
8864287.jpg
Was hier hängen bleibt, gibt Aufschluss über den möglichen Spender: Die Knochenmarkspenderzentrale der Uni Düsseldorf ruft auf zur Typisierungsaktion. Foto: stock/Felix Jason
8864292.jpg
Sie halten zusammen: Emrollah Aydin und sein Vater Hasan. Foto: Jan Mönch

Übach-Palenberg. „Es zieht einem ganz einfach den Boden unter den Füßen weg“, erinnert sich Hasan Aydin an den Tag, an dem er erfuhr, dass sein Sohn an Leukämie erkrankt ist. Im Aachener Uniklinikum war gerade die dritte Blutprobe untersucht worden, das letzte bisschen Hoffnung nun dahin.

Emrullah Aydin, 19 Jahre alt, geboren, aufgewachsen und wohnhaft in Übach-Palenberg, weiß seitdem: Er leidet an Blutkrebs. Für ihn und seine Familie ist seitdem nichts, wie es war. „Vor allem die ersten fünf, sechs Tage waren die Hölle“, erinnert sich sein Vater an jene Tage im Sommer. Als der Schock langsam setzte, begann er zu überlegen, was er tun kann.

Weil Emrullahs Chemotherapie bislang nicht so anschlägt, wie erhofft, legt die Familie Aydin nun ihre ganze Hoffnungen in den 22. November. An diesem Samstag wird in der Gemeinschaftshauptschule Übach-Palenberg eine Typisierungsaktion für Emrullah stattfinden. Gesucht wird ein möglicher Knochenmark- oder Stammzellenspender. Der Zeitaufwand vor Ort liegt für die Freiwilligen bei ungefähr fünf Minuten. Sie könnten ein ganzes Leben retten.

Die Freiwilligen müssen nicht mehr tun, als eine Einverständniserklärung unterschreiben und zwei Wattestäbchen nacheinander an der Innenseite ihrer Wange hin- und herreiben – jeweils 30 Sekunden lang. Die Proben werden dann in den kommenden Wochen im HLA-Labor der Uniklinik Düsseldorf typisiert. Die Familie hofft, dass eine Person, die sich an dem Tag meldet, der passende Spender für den Sohn sein wird.

„Selbstverständlich verpflichtet die Typisierung zu nichts“, sagt Oktay Demirel von der Knochenmarkspenderzentrale (KMSZ) der Uni Düsseldorf. Mit der Unterschrift erkläre der oder die Freiwillige sich lediglich bereit, dass die Ergebnisse – streng anonymisiert – in die Datei der KMSZ aufgenommen werden.

Die erste Hoffnung für Leukämiekranke liegt zuerst bei den Geschwistern. Bei jedem Geschwisterkind nämlich besteht eine – vergleichsweise gigantische – Chance von 25 Prozent, dass es zum Spender für den kranken Bruder oder die kranke Schwester werden kann. Der Zufall aber war gegen Emrullah. Nun soll es die Masse machen: Die Wahrscheinlichkeit, dass direkt vor Ort ein Spender für Emrullah gefunden wird, liegt laut Oktay Demirel bei bestenfalls eins zu 20.000 für jeden einzelnen Patienten.

Das bedeutet: Je mehr Menschen teilnehmen, desto besser. Passt die Probe nicht auf Emrullah, ist die Teilnahme trotzdem nicht umsonst: Denn die Ergebnisse der Probe werden automatisch mit allen Menschen abgeglichen, die eine Knochenmark- oder Stammzellenspende benötigen. Von weltweit 20 Millionen in verschiedenen Dateien registrierten Personen, die spenden wollen, ist gut ein Viertel aus Deutschland, sagt Demirel.

Daher seien die Heilungschancen für Leukämiekranke in Deutschland auch weit besser als in fast jedem anderen Land der Welt. Für die Düsseldorfer KMSZ und rund 30 weitere vergleichbare Organisationen in Deutschland ist das Grund genug, um weitere Spender zu werben. Bis zum Moment einer tatsächlichen Entnahme von Knochenmark oder Stammzellen sind die Registrierten zu nichts verpflichtet, betont Demirel. Allerdings solle man sich natürlich frühzeitig überlegen, ob man im Falle eines Falles tatsächlich spenden wird.

Emrullah hofft derweil auf die Rückkehr in ein normales Leben. Momentan nämlich besteht sein Leben aus regelmäßigen Krankenhausaufenthalten. Im privaten Umfeld schlägt der Familie eine Welle der Hilfsbereitschaft entgegen. Tanja Krottenmüller, die die Hauptschule leitet, an der die Typisierungsaktion stattfindet, und die Emrullah noch aus dessen Zeit als Schüler kennt, habe sich „mächtig reingehängt“, berichtet Hasan Aydin.

Das Gleiche gelte für das Alten- und Pflegeheim St. Josef, wo Emrullah seine Ausbildung zum Altenpfleger absolvierte, die er nun unterbrechen musste, sowie für Emrullahs Berufsschule. Und auch Hasan Aydin erfährt bei seinem Arbeitgeber – Continental in Aachen – bis hinauf zur Chefetage jede Unterstützung, die er sich nur wünschen kann.

Bloß: All das wird langfristig nicht helfen, wenn sich kein Spender findet. Parallel bitten die Familie Aydin und das KMSZ auch um Spenden. Denn die Auswertung der abgegebenen Proben ist nicht billig, die Kosten für die Auswertung eines einzelnen Stäbchens belaufen sich auf rund 50 Euro. Je mehr gespendet wird, desto mehr Stäbchen können ausgewertet werden. Und vielleicht fühlt die Familie Aydin irgendwann wieder festen Boden unter den Füßen.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert