Fachmarktzentrum: Standort und Branchenmix sind gut gewählt

Von: Markus Bienwald
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Derzeit ist es hier noch idyll
Derzeit ist es hier noch idyllisch, künftig könnte es eher hektisch-kaufmännisch zugehen auf dem derzeit brachliegenden Teil des ehemaligen Zechengeländes in Übach-Palenberg.

Übach-Palenberg. Der Einzelhandel soll gestärkt und die Einkaufsstadt Übach-Palenberg attraktiver werden: Da sind sich wohl alle Bewohner einig. Dennoch zog Dr. Rainer Kummer von der „Futura Consult”-Beratungsfirma dieses Fazit bei der Vorstellung seiner Verträglichkeitsanalyse zum geplanten neuen Fachmarktzentrum „Am Wasserturm”.

„Es ist gut und richtig, dass Sie eine Entwicklung einleiten wollen, aber auch gut und richtig, dass Sie nicht jede Art von Einkaufszentrum haben wollen”, war der zweite Schlussstrich, den der Beratungsfachmann zog.

Zuvor stellte er den Mitgliedern des Rates und einigen Zuhörern seine seit dem Frühjahr gesammelten Erkenntnisse in Kurzform vor. So sei die Idee, das derzeit noch brachliegende ehemalige Zechengelände zwischen dem Carolus-Magnus-Centrum (CMC) und den bereits gebauten Märkten, durch den Düsseldorfer Investor ITG entwickeln zu lassen, grundsätzlich gut. Den Standort bezeichnete Kummer als gut gewählt, die vorhandene Kaufkraft werde gut bedient, auch beim angestrebten Branchenmix ging er mit den Planungen Hand in Hand.

Was dem Fachmann allerdings Sorge bereitete, war die einzelne Größe von Geschäften. Insgesamt 9600 Quadratmeter Verkaufsfläche sollen dort entstehen, wozu beispielsweise der Rat der Stadt Geilenkirchen und auch deren Bürgermeister Thomas Fiedler schon schriftlich gratulierten und viel Glück wünschten. Der Löwenanteil ist mit 2400 Quadratmetern für einen Lebensmittel-Vollsortimenter vorgesehen, der Bekleidungsteil kommt auf 1700 Quadratmeter, für Unterhaltungselektronik sind 1550 Quadratmeter vorgesehen, ein Drogeriemarkt soll auf 1000 Quadratmeter kommen und ein Schuhanbieter 500 Quadratmeter füllen.

Die übrigen 1600 Quadratmeter würden durch kleinere Anbieter wie Optiker oder Blumenfachgeschäft besetzt, wie Kummer wissen ließ. Kopfzerbrechen machte ihm die angestrebte Größe des Lebensmittelmarktes. „Dies hätte namhafte Auswirkungen auf das Zentrum Palenberg, wo namhafte Umsatzanteile abgezogen würden”, spielte er auf den dortigen Rewe-Markt an. „Er dürfte das nicht verkraften können”, schloss Kummer. Der ebenfalls nahe real-Markt sei in diesem Zusammenhang nicht städtebaulich relevant, obwohl auch er eine solche Größe „als schmerzhaft empfinden” dürfte, wie der Gutachter meinte.

Dr. Kummer schlug vor, die Ausdehnung des Lebensmittel-Vollsortimenters auf 1600 Quadratmeter zu begrenzen. Dies sei zum einen „städtebaulich verträglich”, zum anderen hätte der Betreiber des bestehenden, rund 1000 Quadratmeter messenden Marktes in Palenberg die Chance, eventuell auch im Zusammenspiel mit einer fünfjährigen Betreibergarantie, sich auf die neue Wettbewerbssituation besser einzustellen. Um den Lebensmittelmarkt passend zu ergänzen, empfahl Kummer die Einrichtung eines rund 600 Quadratmeter großen, reinen Getränkemarktes. Die weiteren Flächen könnten mit plus 200 Quadratmeter für Bekleidung und plus 300 Quadratmeter für Unterhaltungselektronik verträglich umgeschichtet werden.

Eine von SPD-Sprecher Heiner Weißborn überlegte Zusammenlegung von Lebensmittel- und Getränkemarkt auf rund 2200 Quadratmeter, hielt Kummer für „städtebaulich nicht empfehlenswert”. „Eine größere Verkaufsfläche kann nicht mit Empfehlung des Gutachters ausgewiesen werden”, so der Fachmann weiter. Im Kern ging es ihm dabei um die bestehende, von ihm als „lehrbuchmäßig” bezeichnete Nahversorgung in Palenberg, die durch den großen Lebensmittel-Vollsortimenter gefährdet sein könnte.

Einwände gegen Verfahren von SPD-Fraktion

Beifall der Ratsmitglieder und den Dank des Bürgermeisters gab es für die Stadt Geilenkirchen, die ihrem Nachbarn keine Steine beim Bau des Fachmarktzentrums in den Weg legen wird.

In der Ratssitzung wurde zudem der Stand der aktuellen Bauplanung skizziert. So wird für den Bau ein so genanntes „Sondergebiet mit Zweckbestimmung Einkaufszentrum” ausgewiesen. Derzeit werden zudem alle Untersuchungen hinsichtlich Umweltverträglichkeit und Verkehrsanbindung zusammengetragen.

Über den Sommer hinweg soll der Bauentwurf dann aber stehen und voraussichtlich am Mittwoch, 14. September, im Dialog mit den Bürgern ausführlich vorgestellt werden. Ein offenlage-fähiger Plan könnte dann frühestens im Winter 2011/12 vorliegen.

Zwei Einwände zum Verfahren hatte SPD-Fraktionschef Heiner Weißborn noch parat: Zum einen seien „sachkundige Bürger in ihrer Mitwirkung zu Unrecht behindert worden”, weil die Vorstellung nicht im zuständigen Ausschuss erfolgt sei. Zum anderen sei bei der Ratsentscheidung zum Flächennutzungsplan im Mai eine bis zum 1. Juli anzusetzende Einwohnerversammlung nicht erfolgt und damit ein Ratsbeschluss nicht befolgt worden.

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