Übach-Palenberg - Facebook-Trolle machen auch vor der Obdachlosenhilfe nicht Halt

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Facebook-Trolle machen auch vor der Obdachlosenhilfe nicht Halt

Von: Markus Bienwald
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Den Menschen mit ihrer Arbeit ein Zuhause und ein lebenswertes Leben geben, das will die Obdachlosenhilfe. Foto: Markus Bienwald
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Uschi Hartmann und Sandra Lentzen vom Verein „Obdachlosenhilfe – Gemeinsam für Menschen in Not Übach-Palenberg“ sehen sich aktuell mit Anfeindungen im persönlichen Umgang und im sozialen Netzwerk konfrontiert.

Übach-Palenberg. Es gibt Tage, da möchten Uschi Hartmann und Sandra Lentzen von der Obdachlosenhilfe in Übach-Palenberg am liebsten aus der Haut fahren. „Dann hören oder lesen wir Kommentare, die uns einfach nur ärgern“, sagt Hartmann.

Der Kaffee fließt reichlich in die bereitgestellten Becher beim Besuch im Lager der „Obdachlosenhilfe – Gemeinsam für Menschen in Not e.V. Übach-Palenberg“, wie der Verein offiziell heißt. Und berichtet wird viel an diesem Abend, an dem sich die beiden Zeit nehmen, um neben ihrem ehrenamtlichen Tun für den Verein und die Menschen, die Hilfe brauchen, auch mal die Themen abseits der schönen Momente zu beschreiben.

Facebook ist da nur ein Bereich, den die beiden erwähnen. „Wir brauchen die Plattform ja, zum einen, weil wir dadurch Aufmerksamkeit erregen und Nachrichten verbreiten können, zum anderen, um zu zeigen, was wir an Spenden erhalten“, berichtet Sandra Lentzen. Doch die soziale Plattform zeigt auch bei der Arbeit ihre zwei Gesichter. „Denn wie immer bei Facebook ist man weder vor Fakes noch vor unpassenden Kommentaren geschützt“, ergänzt Uschi Hartmann.

Dabei zückt sie ihre schwarze DIN-A5-Kladde. „Das ist nur von diesem Jahr“, sagt sie, ehe sie aus der fein säuberlich geführten Sammlung über Kontakte positiver wie negativer Art etwas vorträgt. Natürlich überwiegen die positiven Momente, doch Situationen, in denen den Freiwilligen des Vereins ob des Gesagten die Spucke wegbleibt, sind dort auch festgehalten.

So berichtet Uschi Hartmann von Leuten, die steif und fest behaupten, dass es in einer „ordentlichen“ oder „gut situierten“ Familie wohl niemals passieren könne, dass jemand durch das soziale Netz ganz nach unten fällt. Und letztens erst, berichtet sie, sei jemand, der etwas spendete, zum Lager gekommen und habe eine Mitarbeiterin des Vereins persönlich beleidigt. Es sei um ihr Äußeres gegangen, um ihr soziales Umfeld und um mehr. „Ich begreife es nicht, wie man so denken kann“, sagt Hartmann.

Besagte Person habe ausschließlich vom Äußeren auf das Leben und Wirken der Mitarbeiterin geschlossen und sie so niedergemacht. „Das geht natürlich nicht“, sagt Uschi Hartmann. Schließlich gilt, das weiß die Anfang des Jahres für ihr soziales Engagement mit der Ehrennadel der Stadt Übach-Palenberg ausgezeichnete Frau aus ihrer jahrelangen Erfahrung ganz genau, dass niemand vor dem sozialen Absturz sicher ist.

So berichtet sie vom jungen Mann aus einer Unternehmerfamilie, der inzwischen obdachlos ist und sich mit Betteln durchschlägt. Und sie weiß von Menschen, die nach einem schrecklichen Ereignis in der Familie nicht mehr auf die Beine gekommen sind, weil die üblichen Hilfsangebote nicht gegriffen haben. Und sie kennt ihre Vereinsmitglieder und die Freiwilligen, ohne die dieses Hilfsangebot zumindest nicht im aktuellen Umfang stattfinden könnte, ganz genau. „Das sind meine Leute, ich stehe immer für sie ein, und da kann es nicht angehen, dass sie in irgendeiner Form angegangen werden“, sagt sie.

Gleiches gilt natürlich auch für die Klienten, die Menschen, die von der Arbeit des Vereins, der ausschließlich aufgrund der Spenden und des ehrenamtlichen Engagements bestehen kann, profitieren. Für die, das wissen Uschi Hartmann und Sandra Lentzen nur zu genau, sind die Anfeindungen, die der Verein manchmal mitmachen muss, der ganz normale Wahnsinn im Alltag.

Dass das nun aber auch auf diejenigen durchschlägt, die helfen wollen, ist Hartmann zu viel. „Da macht man, da tut man, da reißt man sich den Arsch auf und muss dann so etwas lesen und hören“, schimpft sie, „da kann ich dann manchmal nur fassungslos sein“. Und während sie ihr kleines schwarzes Büchlein wieder zuschlägt, vergisst sie nicht, dass es noch genügend Menschen gibt, denen sie auch im Namen ihrer Mitarbeiter und der unterstützten Menschen, die sonst kaum noch soziale Kontakte haben, dankbar ist.

„Das ist natürlich die überwiegende Mehrheit, und denen können wir für ihr Engagement nicht genügend danken“, sagt Hartmann.

Was Menschlichkeit ausmacht

Insgeheim wünscht sie sich aber, dass auch im Lager in Marienberg und in den sozialen Medien wieder das Oberhand gewinnt, was den wahren Menschen so gerne als entscheidender Unterschied gegenüber anderen Lebewesen zugesprochen wird: Respekt und Demut vor dem Leben, Gleichbehandlung und das Fingerspitzengefühl für Menschen, die vielleicht in einer ganz anderen Lebenssituation gefangen sind. „Das ist es doch, was Menschlichkeit ausmacht“, so Uschi Hartmann.

 

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