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Erstes Jubiläumsspiel der Germania gegen Fortuna Düsseldorf

Von: Sigi Malinowski
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„Hoher Besuch” für Teverens Germanen zum 100. Geburtstag. Düsseldorfs Fortunen bekamen aber mit ihrem 2:0 keine Geburtstagsgeschenke. Hinter dem Schiedsrichter-Trio beim Auflaufen Düsseldorfs Neuzugang und Kapitän Tiago sowie Teverens Spielführer Andre Etzold. Foto: Sigi Malinowski

Geilenkirchen-Teveren. Köbbes Pennartz hat schon andere Tage erlebt. Der Platzanweiser für Fahrzeuge am und ums Teverener Heidestadion hat schon vor mehr als 20 Jahren seinen Job verrichtet. Auch damals, 1993, als rund 7000 Zuschauer ins Heidestadion drängten. Mittwoch war es ein knappes Zehntel deren, die das damalige Meisterschaftsspiel jetzt als Neuauflage in Freundschaft sehen wollten.

„Köbbes” - eigentlich Jakob - macht seinen Job genauso gründlich. Und er hat auch, wie immer, eine klare Meinung. „Ich denke, das Spiel kommt zu früh. Deshalb werden heute nicht so viele Leute da sein.” Er sieht einen Fußball-Überdruss nach der Weltmeisterschaft. Und jetzt sind Ferien. Außerdem ist die Anstoßzeit mit 18 Uhr zu früh.

Aber das konnten die Teverener, die ihren 100. Geburtstag in diesen Wochen feiern, nicht beeinflussen. Es war der Wunsch von Fortunas Cheftrainer Norbert Meier. Auf dem Weg in die Landeshauptstadt schnell noch in Teveren Halt machen, um die Jungs spielen zu lassen. Am Ende wirds ein 2:0 für die Fortuna sein. Für die müde wirkenden Profis kein Ruhmesblatt, für die rackernden Amateure ein Achtungserfolg, sozusagen ein Fleißkärtchen.

Etwa 600 Besucher sind gekommen. Das deckt sich mit der Kalkulation von Teverens Präsident Georg Scholl. „Ich hätte natürlich gerne 6000, aber ich denke, bei 600 wird es sich einpendeln”, schätzt der Boss eine Stunde vor Spielbeginn. Da hat sich schon ein Düsseldorfer TV-Sender auf ihn eingerichtet, brav drei Fragen vorbereitet und den Vorsitzenden einem breiten Düsseldorfer Fußballpublikum bekannt gemacht.

TV aus der Landeshauptstadt

Bekannt ist Georg Scholl auch bei Norbert Meier. Der Ex-Nationalspieler und der Club-Präsident verstehen sich, wie vor dem Spiel auch an kumpelhaften Gesten auszumachen ist.

Vor einer Fernsehkamera wird Willi Thielemanns an diesem Abend nicht stehen. Aber der gute und fleißige Mann hat seinen Anteil, wie viele andere auch, zu einem ordentlichen Auftritt der Teverener beigetragen. Willi Thielemanns ist seit 11 Uhr im Stadion, hat die Buden mit aufgebaut, Tische und Stühle geschleppt oder wie Toni Fliegen an der Kasse Dienst geschoben. Der Toni brilliert in seinem Kassenhäuschen mit fußballerischem Sachverstand: „Da! Der da! Das ist Wellington, der ehemalige Hoffenheimer”, bekommt der frühere Platzwart einen schwärmerischen Unterton beim Einlauf der neuen Fortuna-Hoffnung.

Vielleicht schwärmen die Teverener ja bald für einen jungen Mann aus ihren Reihen, der sich im Spiel gegen die Düsseldorfer ganz frech verkauft. Niklas Kaussen, „geht ran wie Blücher”, erzählen Umstehende. Der 18-jährige Ex-Dürwißer startet selbstbewusst ins Tackling gegen den drei Köpfe größeren Fortunen-Profi Klaus Costa, rennt mit dem Ball elegant nach vorn.

Die Teverener Talentspäher haben nach dem Coup mit Andy Simons im vorigen Jahr offenbar wieder ganze Arbeit geleistet. Zur Pause sagt Trainer Dieter Dulewicz : „Wenn wir ihn behutsam aufbauen, werden wir sicherlich viel Freude an ihm haben.”

Viel Freude hat der Coach, der Jörg Halfenberg an diesem Abend vertritt, mit dem ganzen Team. Der Übach-Palenberger Trainer, seit vielen Jahren zweiter Mann und ruhender Pol auf der Bank, hat gemeinsam mit Helmut Funken die Mannschaft sehr gut eingestellt.

Das darf Georg Scholl auch von seinem Mitarbeiterstab behaupten. Nicht nur Toni Fliegen, Willi Thielemanns oder Menn Latour und Willi Rahmen als „Herren der Biere”, am Ausschank, arbeiten so exakt wie ein gut funktionierendes Mittelfeld.

Da stehen die Frauen in nichts nach. Sie „schmieren” kräftig. Astrid Mingers, Beate Kohlhaas, Karla Fliegen oder Bärbel Müller haben 35 Bestellungen abzuarbeiten. Sie sind für die Lunchpakete der Düsseldorfer Jungs zuständig. Die können sich über das erreichte Endresultat von 2:0 wohl nicht freuen. Aber über den Tüteninhalt. Leckere Schinken- und Käsebrötchen, Joghurt, Obst und andere feine Sachen. Vom Land. So wie Teveren - und darauf ist man stolz. Und das nicht allein, weil man nur 0:2 verloren hat.
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