Köln - Erstes Geständnis im Kunstfälscher-Prozess

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Erstes Geständnis im Kunstfälscher-Prozess

Von: Dorothea Hülsmeier, dpa
Letzte Aktualisierung:
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Die Angeklagten im Kölner Kunstfälscherprozess haben über ein ausgeklügeltes internationales Finanzsystem Millionenbeträge aus den Verkäufen gefälschter Gemälde bewegt. Foto: dpa

Köln. Nach einem Jahr Schweigen hat der erste Angeklagte in einem der größten Kunstfälscher-Prozesse der deutschen Nachkriegsgeschichte gestanden. Die insgesamt vier Angeklagten können mit milderen Strafen und einem kurzen Verfahren rechnen.

Das Landgericht Köln stellte ihnen am Dienstag Gefängnisstrafen von höchstens sechs Jahren und die Einstellung der weiteren Ermittlungen in Aussicht. Voraussetzung seien Geständnisse, die zur „rückhaltlosen Aufklärung” der Vorwürfe beitrügen, sagte der Vorsitzende Richter Wilhelm Kremer.

„Ich habe die Bilder allein gemalt”, sagte Wolfgang B. (60). Er habe auch darüber entschieden, wie und wann die gefälschten Gemälde von Avantgarde-Künstlern des beginnenden 20. Jahrhunderts verkauft werden sollten. „Es hat mir damals richtig Spaß gemacht.” Der Ernst seines Vorgehens sei ihm erst in der Untersuchungshaft bewusst geworden.

Wolfgang B. wurde vor 60 Jahren in Geilenkirchen geboren und studierte an der damaligen Werkkunstschule in Aachen.

Das Quartett soll über Jahre hinweg mindestens 47 gefälschte Werke von Avantgarde-Künstlern in den internationalen Kunstmarkt geschleust und fast 16 Millionen Euro kassiert haben. International bekannte Auktionshäuser und namhafte Kunstexperten fielen auf die Fälschungen von Werken von Max Pechstein, Max Ernst und Heinrich Campendonk herein.

Den Verkauf habe zumeist der mitangeklagte Otto S.-K. (68) übernommen, den er bereits 1984 kennengelernt hatte, sagte Wolfgang B.. Auch seine Ehefrau Helene B. sei an einigen Verkäufen beteiligt gewesen sowie seine Schwägerin Jeanette S. (54).

Das Gesetz sieht für den Anklagevorwurf des gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs mindestens zehn Jahre Haft vor. Wolfgang B. soll nach Absprache zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigern höchstens sechs Jahre ins Gefängnis, Helene B. vier Jahre und der „Cheflogistiker” Otto S.-K. fünf Jahre. Für Jeanette S. schlug das Gericht eine zweijährige Bewährungsstrafe vor.

Wolfgang B. betonte, er habe keinen Experten bestochen. Bereits 1994 habe er einen gefälschten Campendonk verkauft. „Geld allein hat mich nicht wirklich interessiert.” Er habe eine Abneigung gegen den Kunstmarkt verspürt und gegen „professionelle Experten”. In seinem Kopf sei er „ein Stück weit zum jeweiligen Maler selbst geworden” und habe sich berechtigt gefühlt, dessen Werk zu ergänzen. Auf Flohmärkten habe er alte Rahmen, Leinwände und Farben gekauft. Für ein Bild habe er nur zwei Stunden gebraucht. „Einen Linkshänder malte ich mit links.”

Wolfgang und Helene B. sollen gemäß der Absprache fast eine Million Franken, die auf einem Schweizer Konto lagern, an die Kölner Gerichtskasse zahlen. Das Gericht stellte außerdem die Einstellung der weiteren Ermittlungen in mehr als 30 Fällen in Aussicht. Die Anklage gründet sich auf bisher 14 nachgewiesene Fälschungen, die Wolfgang B. allesamt zugab. Ferner ist wegen verminderter Fluchtgefahr bei strengen Auflagen die Aufhebung der seit mehr als einem Jahr andauernden U-Haft der drei Hauptbeschuldigten möglich.
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