Gangelt-Birgden - Erinnerung an Barcelona lässt nicht los

Erinnerung an Barcelona lässt nicht los

Von: Wilfried Rhein
Letzte Aktualisierung:
Ein Traum, den sie sich auch e
Ein Traum, den sie sich auch erfüllt hat: Cladia Hermann hinter dem Steuer eines modernen Reisebusses, mit denen sie über viele Jahre zahlreiche Gäste an Ausflugs- und Urlaubsziele brachte. Jetzt sind die Touren weniger geworden, weil Claudia Hermann als neue Chefin andere Aufgaben wahrnimmt, auch die Neuauflagen des firmeneigenen Reisekatalogs.

Gangelt-Birgden. Busfahrer brauchen festen Boden unter den Füßen. Auch wenn oft vier oder sechs Räder dazwischen liegen. Das gilt auch für Claudia Hermann, die gelernte Verwaltungsfachkraft ist, aber frühstmöglich hinter dem Lenkrad eines Reisebusses sitzen wollte.

Erstens hat sie das geschafft, zweitens hat sie den ganzen Betrieb vor kurzem übernommen. Claudia Hermann führt jetzt die Geschäfte des Birgdener Unternehmens HD-Reisen. Das Erdbeben damals, vor 20 Jahren, hat sie nicht aus der Bahn geworfen.

„HD”, das steht auch für Herbert Drießen. Der gerade in den Ruhestand gegangene Alt-Chef hat fast 50 Jahre die Geschicke des Familienunternehmens geführt. Dessen Ursprünge gehen zurück auf das Jahr 1924, verbindet sich noch mit dem Namen Hubert Drießen, der in der Gaterstraße die Anfänge des Fuhr- und Transportbetriebs wagte. In die 50er Jahre dauerte es, bis mit dem Pendelverkehr für die Arbeitskräfte der Oberbrucher Glanzstoffwerke eine andere wirtschaftliche Basis entstand. So viele Passagiere waren an verschiedenen Haltestellen aufzunehmen, dass manche Busse mit Anhänger unterwegs waren.

HD-Reisen ist heute Synonym für den Buslinienbetrieb im Auftrag Dritter wie auch für „gruppendynamische” Ausflüge und individuelle Urlaubsreisen. Claudia Hermann, die Tochter Herbert Drießens, hat sich damit früh vertraut gemacht. 1989, gleich mit 18 Jahren, machte sie den Führerschein, die Lkw-Erlaubnis kam drei Jahre später. 1992 erwarb die Birgdenerin die Lizenz zum Buslenken. „Gleich danach kam meine erste Tour. Nach Berlin, drei Tage - einschließlich Sightseeing in der Stadt.”

Schon für die lange Anfahrt dorthin hatte sich die „Reiseleitung” Hübsches einfallen lassen. Nach Daten aus den Straßenkarten hatte Claudias Schwester Ilona, damals 13 Jahre alt, Erzählenswertes heraus notiert und unterhielt die Fahrgäste mit dem Wissen über den aktuellen Streckenabschnitt.

Was für Claudia Hermann mit dem zwölf Meter langen O 303 von Mercedes begann, ist heute für die Firmenchefin eine Flotte von zehn Bussen, Reisefahrzeuge und „kombinierte” für den Liniendienst. „Das soll in der Zahl auch so bleiben, weil es überschaubar sein muss”, sagt sie, die auf Grund ihrer Verwaltungsausbildung bis 1993 bei der Kreisverwaltung Heinsberg blieb, ehe sie ins elterliche Unternehmen eintrat. „Das, was ohnehin eines Tages fällig geworden wäre”, erinnert sich Claudia Hermann, „denn ich wollte unbedingt die Busse fahren.” Und sich auf die Betriebsübernahme vorbereiten.

Etwa 70 Prozent ihrer Kilometer legen die HD-Busse zurück für den Linien- und Schülerverkehr auf festen Routen im Kreisgebiet. Der parallel geführte Reisedienst, seit den 1980er Jahren auch mit einem eigenen Katalogprogramm ausgestattet, bietet zwar viele Ziele im europäischen Raum, zeigt aber auch saisonale Auffälligkeiten. „Wir verzeichnen eine Menge so genannter Karnevalsflüchtlinge”, weiß Jörg Hermann, der vor allem als Fahrer auf Ferntouren spezialisiert ist und zudem auf dem seit 1961 bezogenen Bushof am Großen Pley in Birgden die Werkstatt leitet. Dort kann man in der Fastenzeit mehr tun, bis jetzt die Nachfrage wieder steigt.

Und da ist nicht „schnell mal eine günstige Tour” gefragt, sondern steht der Wunsch nach einer qualitativ gehaltvollen Reise vorne an, so die Erfahrung der Anbieter. Denn das Busreisen wird nach wie vor als komfortabel und sicher empfunden, wie die Lenker von ihren Gästen hören. Unter den Profi-Fahrern ist das furchtbare Unglück im Wallis in der Schweiz natürlich ein Hauptthema. „Bei rund 100 km/h in einer solchen Situation ist die Katastrophe unausweichlich”, beurteilt Jörg Hermann, einer von neun festen Fahrern, den Aufprall in die Haltebucht des Tunnels. „An der Sicherheit in Bussen wird viel getan, aber manches ist auch ab Werk über Sonderausstattung sehr teuer.”

Für dieses Jahr sind bereits zwei neue Busse zum Austausch bestellt. Ein Reisefahrzeug und ein „Kombinierter”, denn der Liniendienst - von NEW bis RVE - stellt Ansprüche an die privaten Anbieter. Natürlich auch an die Flexibilität. Noch frisches Beispiel: die Warnstreiks im Öffentlichen Dienst. „Da kommen von den Disponenten einige Anrufe ,Könnt ihr da auch fahren?. Und dann müssen wir uns auch auf solche Touren einstellen”, erläutert Claudia Hermann, „die sonst von den Werksangestellten gefahren werden.” So ein Streik hat eben eigene Gesetze, was auch daran zu messen war, dass jüngst rund 50 Streikende von Düsseldorf nach Duisburg zur Kundgebung wollten. Aber wie? Ein HD-Bus brachte sie hin!

Die Büroaufgaben binden Claudia Hermann und drei Mitarbeiterinnen inzwischen mehr am Großen Pley als sie hinterm Lenkrad sitzen kann, bedauert die Chefin. Ihre längste Fahrt, 18 Stunden mit den vorgeschriebenen Wechseln, führte sie nach Barcelona.

Dagegen war die Rückfahrt am 13. April 1992 eine Kleinigkeit. Eine Tanztruppe hatte einen Auftritt in Stuttgart. Tief in der Nacht gut nach drei Uhr stellten Claudia Hermann und Kollege Wilfried Drießen den Bus auf dem Hof am Großen Pley ab - als die Erde bebte. „Das hat eine ganze Weile nur gewackelt”, staunt Claudia Hermann nach zwei Jahrzehnten noch über die Naturgewalt. Es geht eben nichts über festen Boden; ob im Büro oder hinter dem Buslenkrad.

Preis für Dieselkraftstoff ist „förmlich explodiert”

Ein Reise-/Linienbus moderner Fertigung kostet mit üblichem Standard rund 330.000 Euro (ohne Steuern). Seine durchschnittliche Leistung, sagt HD-Werkstattleiter Jörg Hermann, beträgt durchaus eine Million Kilometer.

Der Verbrauch der zeitgemäßen, gebräuchlichen Omnibus-Motoren ist mit der Zeit „gewaltig gesunken” und liegt jetzt bei durchschnittlich 26 Liter Dieselkraftstoff auf 100 km.

Die Dieselpreise sind jedoch „förmlich explodiert”, sagt HD-Chefin Claudia Hermann. Die Kunden-Umlage dafür sei vor Jahren noch mit ein oder zwei Prozent „moderat” ausgefallen. Inzwischen müssten sich Reisegäste auf eine etwa zehnprozentige Preiserhöhung einstellen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert