Erinnern ist ein wichtiger Teil der Schulkultur

Von: Markus Bienwald
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Auch Theater, wie hier mit einem kurzen Schauspiel, bei dem die Widerständler gegen das NS-Regime zu Wort kamen, gehörte zur Präsentation an der Geilenkirchener Gesamtschule. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Obwohl es stramm auf die Sommerferien zuging, hatte Schulleiter Uwe Böken kurz vorher noch einen schweren Tag zu verdauen. So verstarb am vergangenen Donnerstag Uriel Rosen, Vetter der Namensgeberin der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule in Geilenkirchen.

Noch 2015 war er dort zu Gast, „unsere Schule hat einen Freund verloren“, sagte Böken sichtlich bewegt. Gewonnen hat indes die Erinnerungskultur, die spätestens seit dem ersten Besuch einer Schuldelegation im polnischen Krakau stets an die Gräuel der NS-Diktatur erinnert. So gehört es seit dem Jahr 2011 dazu, dass die neunte Stufe der Schule dem Ort einen Besuch abstattet, und auch ein Tag in der Gedenkstätte des KZ in Auschwitz gehört zum Programm.

„Ein Berg von Schuhen, Koffern, Puppen oder menschlichem Haar kann ohne weitere Worte die unvorstellbaren Grausamkeiten dieser Zeit vermitteln“, sagte Böken, der sich damit auch an einen eigenen Besuch erinnerte. Die tiefgehenden Erlebnisse der Schüler wurden in einer Ausstellung verarbeitet, die viele Facetten der Erinnerung ermöglichte.

So waren beispielsweise wie zufällig stehengelassene Stühle als Rauminstallation und Erinnerung an diejenigen Plätze, die für immer frei bleiben werden, weil die Nationalsozialisten die dazugehörigen Menschen auslöschten, zu sehen.

Andere Schüler nutzten die eindringlichen Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Gefangenen und zu Tode gequälten Menschen in den Konzentrationslagern als Vorlage für ihre Bilder. Wieder andere bauten ein sinnbildliches KZ nach, ließen das unmenschliche, widerliche Wirken der NS-Diktatur im Kleinen nacherleben und zeigten so, dass diese Lager nur auf die Vernichtung menschlichen Daseins ausgelegt waren.

Viele tiefe Eindrücke

Andere Schüler nutzten das Theater als ihre Art, mit dem Gesehenen umzugehen, ließen dort beispielsweise den Widerstand zu Wort kommen und schnürten so ein Erinnerungspaket, das es in sich hatte. Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, sich die Facetten des Erinnerns anzuschauen, darunter auch erstmals eine Gruppe vom Bischöflichen Gymnasium St. Ursula in Geilenkirchen.

Dass die Schüler eine Fahrt mit vielen tiefen Eindrücken absolviert hatten, war übrigens durch viele Spender überhaupt erst möglich geworden. Und dass sie eindrucksvolle Erlebnisse hatten, bestätigte auch Claudia Raben, die als begleitende Mutter dabei war.

„Ich bin mir sicher, dass jeder Schüler immer wieder mal an das Gesehene und Gehörte denken wird, er wird immer wieder mal ein Stück mit einem der 1,6 Millionen Menschen gehen, die ihr Leben nicht leben durften“, schloss sie.

Da passten auch die Worte des stellvertretenden Bürgermeisters Leo Kuhn. Er sagte, dass die moralische Pflicht, die auf den Menschen liege, sich nicht nur im Erinnern erfülle. „Aus diesem Erinnern ergibt sich ein Auftrag“, betonte er, und freute sich, dass die Gesamtschule dies fest in ihrem Schulkonzept verinnerlicht hat.

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