Geilenkirchen/Abu Dhabi - Er gibt den Rennpisten der Welt die Stabilität

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Er gibt den Rennpisten der Welt die Stabilität

Von: Georg Schmitz
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Diplom-Ingenieur Wolfgang Beckers hat die Fotos der Bauten an der Rennstrecke in Abu Dhabi in seinem Büro hängen. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen/Abu Dhabi. Der Wirkungsbereich von Wolfgang Beckers beschränkt sich nicht auf seine Heimatstadt Geilenkirchen. Der in Hatterath wohnende Diplom-Ingenieur ist vielmehr in der halben Welt unterwegs - und das hat seinen Grund im Betätigungsfeld „Konstruktiver Ingenieurbau im Bereich Hoch- und Tiefbau”.

Er und sein 17-köpfiges Mitarbeiterteam sorgen in den beiden Räumen in Hatterath und Geilenkirchen für die Berechnung der Statik zum Teil spektakulärer, weltweit bekannter Projekte.

Schon beim Betreten des Büros an der Professor-Mendel-Straße fallen dem Betrachter zahlreiche Pläne an den Wänden im Flur auf. Die Umrisse futuristisch anmutender Gebäude-Ensembles, Türme und Tunnel wechseln sich in der „Fotogalerie” ab. Auffallend sind auch die kurvenreichen Streckenverläufe, die überall zu sehen sind.

In den letzten Jahren hat sich der Tätigkeitsbereich des Ingenieurbüros Beckers auf den Sportstättenbau, auf Hotelbauten sowie auf die Realisierung von Bauvorhaben im Ausland konzentriert. Wolfgang Beckers arbeitet seit vielen Jahren mit dem Planungsbüro Tilke aus Aachen zusammen. Als Kooperationspartner übernimmt sein Büro bei den Projekten die Planungsleistungen der Statik.

So hat Beckers die komplette Statikplanung für die erst vor zwei Wochen in Betrieb genommene Formel-1-Rennstrecke in Abu Dhabi gemacht. Das bedeutete eine statische Bearbeitung von 31 Gebäuden, sechs überdachten Tribünen, acht Tunnelbauten und 17 anderen rennstreckenrelevanten Bauwerken.

„Alle unsere Mitarbeiter waren seit Oktober 2006 in irgendeiner Form mit dem Yas Marina Circuit in Abu Dhabi beschäftigt”, erzählt Beckers. Für das Büro Beckers fielen dabei 31.000 Arbeitsstunden an, es wurden 2100 Pläne gezeichnet. Mit den gefertigten 86.000 Seiten statischer Berechnung könnte ein großer Fußballplatz ausgelegt werden.

Zu den bearbeiteten Baumaßnahmen zählten auch das Marina Hotel und das Racetrack Hotel in Abu Dhabi. Das Racetrack Hotel in Shanghai und das Ritz Carlton 2 Hotel in Bahrain basieren auch auf den statischen Berechnungen des Büro Beckers. „Die Baustelle in Abu Dhabi hatte einen Verbrauch von 1,35 Millionen Kubikmeter Beton, 200.000 Tonnen Stahl und 60 Kilometer Pfahlgründung”, weiß Beckers.

Zusammen mit seinen Bauleitern Stephanie Faltin und Georg Boden war er mehrmals vor Ort, um nach dem Fortschritt der Arbeiten zu sehen. „Wir versuchen landestypisch zu bauen, erklärt Beckers. Ist der erste Entwurf der Rennstrecke vom Architekten zu Papier gebracht, komme sein Büro ins Spiel. Beckers: „Wir müssen die architektonische Idee baubar machen.”

„Manchmal sind die kleinen Projekte die größere Herausforderung”, sagt Wolfgang Beckers. So sei sein Büro derzeit auch mit einer Wohnanlage in Göttingen, mit mehreren Einfamilienhäusern im Kreisgebiet und mit der Erweiterung der Grundschule Gillrath beschäftigt. Bei statischen Bearbeitung von Bauwerken werde oft schnell klar, dass so manches Objekt nicht machbar sei. Da müssten die ursprünglichen Entwürfe nicht selten mehrmals überplant werden. „Eine besondere Herausforderung beim Abu Dhabi-Projekt war die Bearbeitung des schmalen Tunnels, durch den die Formel-1-Piloten nach den Boxenstopps fahren müssen”, erinnert sich der Geilenkirchener Statiker.

Hitze als Herausforderung

In heißen Ländern wie Abu Dhabi bilden die hohen Temperaturen ebenfalls eine Herausforderung. „Die Stahl- und Betonqualität muss selbstverständlich auf diese Temperaturen von tagsüber bis zu 50 Grad abgestimmt werden”, erläutert er. Wie beim ersten Rennen vor zwei Wochen zu sehen war, habe alles bestens geklappt.

Schon die Statik für die Formel-1-Rennstrecken in Bahrain, Shizuoka/Japan, Shanghai/China sowie vier Rennstrecken in Spanien sei komplett an den Computern des Ingenieurbüro Beckers entstanden. Auch am Überarbeiten der Strecken in Brands Hatch/England, Le Castellet/Frankreich, Estoril/Portugal, Cancun/Mexiko sowie Hockenheim, Nürburgring und Sachsenring sei das Geilenkirchener Büro maßgeblich beteiligt gewesen.

Die Bauzeichner, Techniker und Statiker - einschließlich der zwei Azubis - arbeiten derzeit an zwei neuen, spektakulären Projekten: An den Rennstrecken in New Delhi/Indien und Moskau/Russland. Deshalb war Wolfgang Beckers bereits sechsmal, aber bestimmt nicht das letzte Mal in New Delhi.
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