Geilenkirchen - Eltern-Taxi als Gefahrenpunkt vor der Schule

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Eltern-Taxi als Gefahrenpunkt vor der Schule

Von: Udo Stüßer
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Diese Kreuzung am Berliner Ring zählen die Verkehrssicherheitsberater der Polizei zu den Gefahrenpunkten. Bei der Vielzahl von Überwegen ist das Kind überfordert. Foto: Udo Stüßer
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Die Verkehrssicherheitsberater Willi Jansen (links) und Bert Roob vor der KGS Geilenkirchen. In allen Schulen wird Verkehrsunterricht erteilt.

Geilenkirchen. Ab Mittwoch fahren sie wieder: Taxi Mama und Taxi Papa. Mit an Bord sind die lieben Kleinen mit den großen Schultaschen. Und dann sieht man wieder Tag für Tag das gleiche Bild vor so manchen Schulen. Autos stoppen, natürlich mitten auf der Fahrbahn.

Für eine Parkplatzsuche bleibt schließlich keine Zeit. Kinder steigen aus. Haltende Autos werden von nachfolgenden Fahrzeugen überholt. Einige fahren sogar über den Bürgersteig, wenn es zu eng wird. Der Fahrer des Schulbusses ist angesichts des Chaos der Verzweiflung nahe. Er sucht sich einen Weg. Auch die Verkehrssicherheitsberater der Kreispolizei Heinsberg können da nur noch mit dem Kopf schütteln. „So werden vor den Schulen Gefahrenpunkte aufgebaut“, erklärt Hauptkommissar Bert Roob, einer von fünf Verkehrssicherheitsberatern im Kreis Heinsberg. „Viele Eltern fahren ihre Kinder mit dem Auto zur Schule. So wollen sie ihre Kinder vor Gefahren schützen. Dadurch werden die Kinder aber nicht verkehrssicher, das selbstständige Verhalten im Straßenverkehr lernen sie dadurch erst später“, sagt dazu sein Kollege, Hauptkommissar Willi Jansen.

Angst vor Gefahren

Es sei aber nicht nur die Angst vor Gefahren, die die Eltern zu morgendlichen Taxi-Fahrern mache. „Eltern wollen ihren Kindern etwas Gutes tun oder wollen Pluspunkte beim Kind sammeln. Das geht dann so weit, dass sie ihre Kinder nicht einmal 100 Meter durch ein Wohngebiet laufen lassen“, hat Bert Roob erfahren. Die morgendlichen Taxi-Fahrten, so klagt er, führten aber dazu, dass vor Schulen stoppende Autos die Sicht des Kindes einschränken. „Und so verlieren die Kinder noch mehr die Übersicht.“ Aber nicht nur das: „Viele Kinder leiden unter mangelnder Bewegung, ihre Motorik verschlechtert sich zusehends“, sagt Roob.

Beide Berater, die in Kindergärten, Grundschulen und weiterführenden Schulen Verkehrserziehung leisten, machen darauf aufmerksam, dass Kinder bis zum zehnten Lebensjahr Defizite haben. „Sie können Abstand und Geschwindigkeit nicht schätzen. Der Blickwinkel ist bis zu 30 Prozent eingeschränkt.“

Die bessereLösung sei, mit den Kindern den Weg zur Schule gemeinsam zu üben. „Und wenn unbedingt gefahren werden muss, sollten Eltern ihre Kinder wenigstens die letzten 100 Meter laufen lassen“, rät Roob. Zuerst, so die Experten, sollten Eltern an verkehrsarmen Straßen üben, erst wenn das Kind sich sicher verhalte, könne man den Schulweg auch im belebten Umfeld gehen.

Beim Überqueren der Straße nennen die beiden Beamten den Bordstein den Stoppstein. „Kinder brauchen zum Schätzen des Abstandes wesentlich länger. Deshalb sollten sie am Bordstein unbedingt stehen bleiben, in alle Richtungen schauen und die Straße dann überqueren, wenn sie absolut frei ist, also wenn wirklich kein Auto mehr kommt. Denn Kinder schätzen deren Geschwindigkeit falsch ein“, sagt Jansen. Queren solle das Kind die Straßen möglichst nicht an Einmündungen und Kreuzungen.

Keinesfalls solle man den Erstklässler an die Hand nehmen. „Dann trifft nämlich der Erwachsene die Entscheidung und nicht das Kind.“ An den ersten Schultagen, so raten beide, solle man den Nachwuchs auf dem Weg begleiten. Den Bürgersteig sollten die Kleinen nahe der Bebauung, möglichst weit weg von der Fahrbahn nutzen. „Denn Kinder träumen oft auf dem Schulweg, sie sind abgelenkt und bemerken nicht, wenn sie vom Bürgersteig abkommen“, weiß Jansen. Derweil macht Roob darauf aufmerksam, dass der sicherste Schulweg nicht unbedingt der kürzeste sein muss. „Eltern sollten den sicheren Schulweg planen“, sagt er.

Den Schulweg mit dem Fahrrad antreten sollten Schüler erst dann, wenn sie im vierten Schuljahr die Fahrradprüfung abgelegt haben. „Vorher“, so Roob, „sind sie überfordert.“ Die Verkehrssicherheitsberater machen auf die Gesetzeslage aufmerksam: Bis zum siebten Lebensjahr müssen Kinder mit dem Rad die Gehwege nutzen, Acht- und Neunjährige können selbst entscheiden, ob sie auf der Straße oder auf dem Gehweg fahren, Zehnjährige müssen mit dem Rad auf die Straße. Dass die Räder verkehrssicher sein sollten, ist für die Beamten selbstverständlich. „Besonders in städtischen Bereichen sind bis zu einem Drittel der Räder nicht verkehrssicher“, hat Roob seine Erfahrung gemacht.

Auch für die Kinder, die mit dem Bus zur Schule fahren, haben die Experten so manchen guten Rat: Erst zum Bus gehen, wenn er steht; die Straße erst queren, wenn der Bus abgefahren ist und freie Sicht herrscht; beim Einsteigen nicht drängeln; im Bus die Schultasche ausziehen; während der Fahrt gut festhalten. „Schlagen, Treten und Schubsen gehören nicht zu den normalen Verhaltensweisen. Rücksicht und Respekt sind gefragt“, sagt Roob.

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