Eklat zwischen der Stadt und ihren Schulen

Von: Jan Mönch
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Es war der Leiter der Übach-Palenberger Realschule, der an die seiner Erinnerung nach zugesagte Gründung eines politischen Gremiums erinnerte. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Es ist nicht so, dass es noch eines ausdrucksstarken Bildes bedurft hätte, um das Zerwürfnis zwischen der Übach-Palenberger Stadtverwaltung und den Leitern der Schulen der Stadt zu illustrieren, doch der Lauf der Dinge lieferte es trotzdem. Am Donnerstagabend verließen diese Schulleiter geschlossen den Ausschuss für Kultur, Bildung und Soziales.

Zurück blieben konsternierte Bildungspolitiker und Verwaltungsmitarbeiter, unter ihnen der Erste Beigeordnete Helmut Mainz, der der für Übach-Palenbergs Schulen zuständige Dezernent ist. Das prägnanteste Zitat in dem vorangegangenen Scharmützel stammte wie gewohnt vom Leiter des Gymnasiums, Dr. Hans Münstermann: „Die Schulleiter vertrauen der Verwaltungsspitze nicht mehr. Wir haben zu oft erlebt, was wir jetzt erleben: dass Zusagen des Bürgermeisters sich in Rauch auflösen.“

Was war geschehen? Offenbar war es bereits vor sechs Wochen zu einem Hintergrundgespräch zwischen den Schulleitungen und der Verwaltungsspitze gekommen. Das war am 29. September, mit dabei waren Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch, der Erste Beigeordnete Helmut Mainz, der Fachbereichsleiter für Bildung und Soziales, Dieter Gudehus, sowie Thomas Lohren, der kommissarisch als Bereichsleiter für Schulen und Personal eingesetzt ist. Es ging um das selbe Thema wie seit Jahren schon: den Zustand der städtischen Schulgebäude. Und natürlich ging es auch um den Streit, der über dieses Thema entstanden ist und der selbst zum beherrschenden Thema geworden ist, seit die Schulleiter im Mai an die Öffentlichkeit gingen.

Schlechte Vorzeichen

Die Vorzeichen für das Gespräch zwischen Rathausspitze und Schulleitungen waren Ende September also nicht sonderlich erquicklich. Als wäre alles nicht schon schlimm genug, war gerade herausgekommen, dass die Stadtverwaltung seit 2009 15 Millionen Euro weniger für die Schulen ausgegeben hatte als ursprünglich behauptet. Unter den Schulleitern gab es Stimmen, die eine öffentliche Entschuldigung des Bürgermeisters erwarteten. Andere waren der Meinung, es müsse vor allen Dingen darum gehen, endlich zur Sachlichkeit zurückzukehren. Jedenfalls wollte man deutlich machen, dass es so nicht weitergehen kann.

Wie mehrere Quellen unserer Zeitung bestätigten, verlief das Gespräch dann überraschend konstruktiv. Und vor allem führte es zu konkreten und greifbaren Ergebnissen. Teilnehmer berichten, dass man sich unter anderem darauf verständigte, dass weitere Millionen in die Sanierung der Schulen fließen werden. Und außerdem sollte ein eigener Unterausschuss ins Leben gerufen werden, um zu einer guten und vertrauensvollen Zusammenarbeit zurückzufinden. Die Politik sollte dabei mit im Boot sein.

Zentraler Aspekt

Dieser Wunsch ist als ein durchaus zentraler, wenn nicht als ausschlaggebender Aspekt in dem Streit zu sehen, denn er hatte überhaupt dazu geführt, dass die Schulleiter im Mai über den gleichen Ausschuss an die Öffentlichkeit gegangen waren. Das Vertrauen in die Verwaltung hatte damals schon gelitten, weshalb man damals die Politik um Hilfe bat.

Zurück zum Donnerstagabend: Mit der Erwartung, dass nun also der Unterausschuss gegründet würde, erschienen die Schulleiter um 18 Uhr im Rathaus. Doch der Termin begann mit einem langatmigen Vortrag über das Raumangebot des Gymnasiums, wo die Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) vor einiger Zeit zur allgemeinen Verblüffung einen Überhang erkannt haben wollte. Haarklein legte ein eingeladener Fachmann dar, wo das Gymnasium über wie viele Quadratmeter Fläche verfügt beziehungsweise nicht verfügt und wieso die GPA schiefgewickelt gewesen sei. In der beruflichen Lebenswirklichkeit der Schulleiter, die um nicht weniger als die Existenz ihrer Schulen fürchten, dürfte dieses Thema zurzeit allerhöchstens eine Nebensächlichkeit sein, zumal die Erkenntnisse der GPA ohnehin keinerlei bindenden Charakter haben.

Es war der Leiter der Realschule, Stephan Gerricke, der an die seiner Erinnerung nach zugesagte Gründung eines politischen Gremiums erinnerte. Der Erste Beigeordnete Helmut Mainz machte nun jedoch deutlich, dass lediglich mit der Gründung einer informellen und vor allem nicht-öffentlichen Runde zu rechnen sei. Und die gebe es noch nicht. Dass das dieses Jahr noch klappt, wollte er ausdrücklich nicht versprechen. Im Übrigen sei es nicht fair, über den Bürgermeister zu schimpfen, obwohl dieser doch abwesend sei, stellte Mainz fest.

Aus der Schusslinie genommen?

In der Tat war Wolfgang Jungnitsch (CDU) der Sitzung ferngebelieben. Das könnte alle möglichen Gründe haben. Einer davon ist, dass das Stadtoberhaupt angesichts der absehbaren Eskalation aus der Schusslinie genommen werden sollte. In den vergangenen Jahren jedenfalls hat Jungnitsch an praktisch jeder Sitzung seiner Fachausschüsse teilgenommen.

Ob in Zukunft der direkt zuständige Dezernent Mainz oder der in der Gesamtverantwortung stehende Bürgermeister Jungnitsch die Fragen beantworten wird, muss sich zeigen. Es dürfte dann nicht nur darum gehen, was den Schulleitern nun versprochen wurde und was nicht. Sondern auch darum, wieso die Schulpolitiker, aus deren Reihen ein Unterausschuss sich ja rekrutieren würde, offenbar gar nicht erst informiert worden waren. „Ich bin überrascht, ich weiß da nämlich gar nichts von“, bekannte Karin Fürkötter (SPD). Und auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Gerhard Gudduschat, der als Zuhörer ins Rathaus gekommen war, beteuerte gegenüber unserer Zeitung, von dieser Idee zum ersten Mal zu hören.

Helmut Mainz wurde am Freitag von unserer Zeitung um eine Stellungnahme gebeten. Der Darstellung der Schulleiter über das Gespräch im Rathaus und seine Inhalte widersprach er nicht. Stattdessen schrieb er in einer kurzen Mail: „Ich verstehe die Besorgnis der Schulleitungen über die weitere Entwicklung der Schullandschaft in Übach-Palenberg als berechtigtes Anliegen. Die schulpolitischen Vorgaben sind hierbei aber gemeinsam zu beachten. Die von den Schulleitungen gewünschte Gesprächsrunde wird mit Sicherheit nicht abgelehnt werden.“

Ein Zerwürfnis zwischen Stadt und Schulleitern sehe er „noch nicht“.

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