Ein Wunsch? Weihnachten zu Hause feiern!

Von: Jan Mönch
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Manuel, Niklas und David leben in der Wohngruppe des Jugendhauses Franz von Sales. Weihnachten dürfen sie bei ihren Familien verbringen. Dass sie sich darauf einmal freuen würden, hätten die 17-Jährigen vor wenigen Monaten nicht gedacht. Foto: Markus Bienwald
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Jeder Angestellte wird über die Feiertage zeitweise Dienst haben, so auch Carolin Holldorf und Klaus Rehberg.

Geilenkirchen. Ganz vordergründig betrachtet, daran erinnert Manuel sich genau, war Weihnachten immer so, wie es sein sollte. Mit gutem Essen und schönen Geschenken, der Weihnachtsmann ließ sich nicht lumpen. Doch gerade weil alles so gut zu sein schien, hat Manuel vor allen Dingen schlechte Erinnerungen an die Weihnachtsfeste, die er bisher erlebt hat. „Am nächsten Tag, da war dann immer alles wieder im Arsch.“

Manuel ist 17 Jahre alt, seit Anfang August lebt er in der Wohngruppe des Jugendhauses Franz von Sales. Wenn Manuel von der Zeit vor August erzählt, fällt häufig das Wort Stress. Stress gab es vor allem mit dem Stiefvater. Dann, wenn Manuel morgens nicht aus dem Bett kam. Wenn er wieder eine Ausbildung abgebrochen hatte. Und auch sonst ziemlich häufig. Das kann nicht gesund sein, und tatsächlich litt seine Mutter unter dem ständigen Streit so sehr, dass sie darüber krank wurde, sehr krank, „auch mit Suizidgefahr und so“, erinnert sich Manuel. Zu Hause ging es einfach nicht mehr.

Acht junge Leute leben in der Wohngruppe des Jugendhauses Franz von Sales in Tripsrath, außerdem gibt es zwei Appartements und die ambulante Familienhilfe sowie das Beratungsangebot „Jugend in Arbeit“. „In jedem Menschen das Gute suchen und wecken“, so lautete das Motto des Namenspatrons Franz von Sales (1557 bis 1622), auch für Einrichtungsleiter Peter Barwinski und seinen Stellvertreter Klaus Rehberg ist es der Leitfaden. Die Bewohner des Hauses bezeichnet Rehberg meist als „die Jungs“, er vergleicht sie mit „Festplatten, auf die zu wenig draufgespielt wurde“. Um das nachzuholen, besuchen mehrere von ihnen das Berufskolleg in Geilenkirchen, sie sollen fit gemacht werden für einen Job und ein selbstständiges Leben. Vordergründig. Doch Rehberg und seine Kollegen blicken auch hinter die Fassaden. „In Manuels Alter dreht sich vieles um die Fragen wie: Wer bin ich? Wo will ich hin? Und wie möchte ich als Mann sein?“, weiß Rehberg. Diese Fragen sind für die wenigsten Jugendlichen leicht zu beantworten, die Einrichtung will dabei helfen.

Wo will ich hin? Kurzfristig gedacht weiß Manuels Mitbewohner Niklas (17) das recht genau. Nach Hause. Zumindest zu Weihnachten. Ein Ziel, über das er sich erst in den Monaten klar wurde, die er in Tripsrath verbracht hat. „Vorher war mir das doch total egal.“ Ähnlich klingt das bei David, ebenfalls 17, der schon aus mehreren Wohngruppen geflogen ist. „Viel Scheiße gebaut“ habe er da, das gibt David ziemlich offen zu. Nachts ließ er Leute durch das Zimmer seines Fensters rein, es wurde gefeiert, Drogen seien im Spiel gewesen, ist doch klar. Die letzte Wohngruppe, aus der David verwiesen wurde, lag in Hückelhoven. Irgendein Mitarbeiter des Jugendamts schaffte es dann offenbar, ihm zu vermitteln: So geht es nicht weiter. Nun arbeitet David bei Franz von Sales ernsthaft mit. Das ist gut so, denn Klaus Rehberg sagt: „Das alles hier klappt nur, wenn die Jungs mitmachen.“

Dass die Jugendlichen Heiligabend nach Hause dürfen, ist keine Selbstverständlichkeit, sondern vielmehr eine Einzelfallentscheidung. Bei manchen, so Rehberg, sei dies gar nicht gewünscht. Rehbergs Kollegin Carolin Holldorf hat Heiligabend Dienst, sie wird mit den Daheimgebliebenen – welch seltsames Wort – Essen kochen und Spiele spielen, versuchen, ein Stück Normalität zu vermitteln. „Dass wir nicht Mama und Papa sind, wissen wir aber auch, sonst wären wir in diesem Job falsch“, stellt Klaus Rehberg fest. Auch deshalb kommt Weihnachten im Mikrokosmos Franz von Sales eine besondere Bedeutung zu. „Dass die Jungs da nach Hause können, ist unheimlich wichtig.“ Es sei eben die Zeit im Jahr, in der die Trennung von der Familie am meisten auffällt. Denn meist ist diese Trennung eben doch „nur“ eine räumliche. Manuel, Niklas und David dürfen alle drei nach Hause. Dass sie sich darauf mal freuen würden, hätten sie vor ein paar Monaten nicht gedacht. Doch auch die Anspannung ist nun groß.

Manuel hatte vor kurzem noch ein klärendes Gespräch mit dem Stiefvater. Das sei sehr positiv gelaufen. „Da habe ich eingesehen, dass er mir doch eigentlich immer nur helfen wollte“, sagt er.

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