Geilenkirchen-Gillrath - Ein stumpfer Winkel für harten Aufschlag

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Ein stumpfer Winkel für harten Aufschlag

Von: Wilfried Rhein
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Hier passierte es. Udo Hartwig
Hier passierte es. Udo Hartwig (r.) stellt nach, wie er mit dem Vorderrad in den Schieneneinlass geraten war, nachdem er den Radweg verlassen hatte. Kommunalpolitiker Jürgen Benden (l.) treibt weitere sichere Lösungen für die Kreuzung voran. Foto: Wilfried Rhein

Geilenkirchen-Gillrath. Das Wetter ist einladend für eine Radtour. Gut 20 Kilometer rund um Gangelt, das hat sich Udo Hartwig vorgenommen. Er sollte, was er nicht ahnen kann, nur zwölfhundert Meter weit kommen. Dann liegt er verletzt am Boden.

Die Tour ist er vielfach geradelt. Schön aus dem Kolpingweg hinaus, zweimal links zur Kreisbahnstraße auf den Radweg und entlang An der Burg, so beginnt das. Diesmal nicht. An diesem Sonntag - es ist der 17. April und Udo Hartwig kurz nach 15 Uhr in den Sattel seines Trekkingrads gestiegen - stehen Autos am Straßenrand. Von dort zu den Häusern bewegen sich Passanten.

Dem möchte der 52-jährige Buch- und Offsetdrucker ausweichen. Er wechselt auf die Straße, rollt auf den Bahnübergang zu. Im stumpfen Winkel rutscht das Vorderrad in die Schienenführung. Udo Hartwig fliegt nach links auf die Fahrbahn, das Trekkingrad bricht nach rechts weg.

Gelenk gebrochen

Rund sieben Zentimeter ist der Platz zwischen Asphalt und Metall breit, der zum Unfall reichte. Die Felge verbogen, Schutzbleche zersplittert, Rahmen zerkratzt. „Und schon beim Schieben gibt es Schleifgeräusche”, zählt Udo Hartwig die Schäden auf, die eine Reparatur des Fahrrads rund 400 Euro hätte kosten lassen: „Zu teuer.”

Doch das war die zweitrangige Schadenslage. Udo Hartwig, der seit drei Jahren im Kolpingweg wohnt und diesen Übergang hundertfach aus anderer Situation passiert hat, stürzt derart unglücklich, dass sein linkes Ellenbogengelenk gebrochen ist, sein Kopf zeigt eine blutende Wunde nahe der Braue, auch seine rechte Hand hat Blessuren.

„Ich war ein paar Minuten benommen”, erinnert sich der 52-Jährige gut drei Monate nach dem Unfall. „Weh getan hat das nur ein bisschen.” Nachhaltiger hat Udo Hartwig die etwa zehnköpfige Radlertruppe vor Augen, die ihm entgegen fuhr. Daraus griemelte es: „Da hat sich einer auf den Appel gelegt!” Und weiter gings. „Angehalten hat von denen keiner”, sagt das Unfallopfer nachdenklich.

Das Rad muss Udo Hartwig nach Hause schieben. Ein befreundeter Arzt ist nicht zu erreichen, also kühlt Udo Hartwig den schmerzenden aber wundfreien Arm mit Franzbranntwein. „Aber zwei Stunden später konnte ich keine Zeitung mehr hochheben”, beschreibt Udo Hartiwg den Verlauf, der ihn schließlich ins Krankenhaus führt. Für das Personal dort ein bekanntes Verfahren. Auch was Radlerstürze in der Kreisbahnstraße betrifft, erfährt der Verletzte, der fünf Wochen arbeitsunfähig ist und sich danach noch „auf eigenen Urlaub” von den Blessuren erholt.

Udo Hartwig wirft sich selbst vor, dass er unvorsichtig war an diesem Nachmittag des 17. April. Aber hätte man nicht deutlicher warnen können und müssen vor dieser Gefahrenstelle? Die Schienen betreibende Selfkantbahn zeigt bei der Anfrage Udo Hartwigs „durchaus Mitgefühl”, sieht sich aber vor allem in Haftungsfragen auf unbeteiligter Seite.

„Nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz ist das rein rechtlich auch so”, bestätigt Jürgen Benden. Der Vorsitzende der Grünen-Ratsfraktion in Geilenkirchen hat das Thema aufgegriffen und mit der Stadtverwaltung bei einem Ortstermin Abhilfe besprochen. „Die Fachämter gehen das Problem offen an”, lobt der Politiker, der auch schon erste Verbesserungen durch neue Schilder und Farbmarkierungen erkennen kann.

Hubschrauber landete

Das soll aber noch ausgebaut werden, vielleicht über Piktogramme für die Radler, denn es gibt einen parallel verlaufenden und sicheren Weg für die Schienenkreuzung. Damit befasst sich inzwischen sogar die Unfallkommission beim Kreis Heinsberg. Denn nach Jürgen Bendens Recherche hat es zahlreiche Unglücke an der Stelle gegeben, einen sogar mit dem Einsatz des Rettungshubschraubers. „Wahrscheinlich sind längst nicht alle Unfälle offiziell bekannt”, fordert der Fraktionssprecher auch jetzt noch dazu auf, Stürze dort aus jüngster Vergangenheit bei der Polizei aktenkundig zu machen.

Denn dass sich solche Unglücke nicht mehr wiederholen mögen, ist Wunsch aller Beteiligten. Gerade Udo Hartwig wird es beobachten. Ein neues Trekkingrad hat er schon.
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