Ein Stück vom Wald zum Spaß für Hunde

Von: Wilfried Rhein
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Für ihre eigenen vierbeiniger Racker (Ayumi, links, und der kleine schwarze Rüde Nano) sowie für die anderer Mitstreiter setzt sich Karin Schäfer ein. Einen „Hundewald” soll es in Geilenkirchen geben. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Frei vom Halsband, über das Gehölz springen, ausgiebig Gebüsch und Baumstümpfe beschnuppern - was für ein Leben! Für Hunde, klärt Karin Schäfer auf. Aber gerade so sei es optimal in Verbindung mit ohnehin vernünftiger Hundehaltung zu Hause. Es gibt Beispiele, dass eine solche Auslaufzone in einem Wäldchen möglich ist. Auch in Geilenkirchen?

„Jeder Hundehalter wird wohl das Problem kennen. Einen Hund zu halten bedeutet auch, ihm die Möglichkeit zu verschaffen, das zu tun, was schon seine Ahnen, die Wölfe taten, nämlich sich frei und ungehindert zu bewegen”, begründet Karin Schäfer. „Der Hund ist ein Tier mit immensem Bewegungsdrang. Jeder Hund möchte frei rennen, toben, buddeln, stöbern, sich ausleben. Für seine soziale Entwicklung und seine Ausgeglichenheit ist das sogar entscheidend.”

Die in Städten und Gemeinden angeordnete Anleinpflicht verhindere dies. „Ich erinnere an das Jahr 2004, als die Frage aufkam, ob Geilenkirchen ein „Kampfhund-Problem” hat, oder an die Zeitungsartikel, die von Hunden gerissene Tierkadaver zeigten”, sagt Karin Schäfer. „Andererseits sind ein immer wiederkehrendes Problem die ausgelegten Giftköder, deren Verteiler bislang noch nicht ermittelt werden konnten”, spricht die angehende Hundetrainerin aus eigener Erfahrung.

In der Brut- und Setzzeit, also vom 1. April bis 15. Juli jeden Jahres, sowie in Naturschutzgebieten ist ein Ableinen von Hunden überhaupt nicht möglich, sagen die Verordnungen. Hundebesitzer, so schildern diese, die ihrem Hund die nötige „Freiheit” verschaffen möchten, fühlen sich zunehmend diskriminiert und kriminalisiert. Und das, obwohl sie „die einzigen in Deutschland sind, die eine Steuer für eben diese Tierhaltung entrichten”, fügt Karin Schäfer hinzu.

„In meiner Tätigkeit mit Hunden ist dies immer wieder ein Thema. Wir leben nun mal in einer Zeit, in der der Stellenwert der Hunde als Sozialpartner immer mehr Raum einnimmt. Das veranlasst mich, einen für alle gerechten Lösungsweg vorzuschlagen”, nennt die Studentin, die in etwa einem Jahr mit dem Diplom der „zertifizierten Hundetrainerin” abschließen möchte, ihr Ziel.

Eingezäunte Areale in der Größe von drei bis fünf Hektar würden „Vorteile für alle Seiten” bringen. Ein solcher Auslauf - allemal besser als eine Wiese - biete den Hunden „gefahrlose Möglichkeiten der Bewegung, des Spiels, der Erziehung und des ungehinderten Kontaktes zu Artgenossen”. Denn „viele Besitzer sind aufgrund starken Jagdtriebs ihrer Hunde gar nicht in der Lage, sie in einem freien, nicht eingezäunten Gebiet abzuleinen”.

Vorteile ergäben sich auch für andere Spaziergänger, führt Karin Schäfer aus, denkt an Jogger, Reiter, Radfahrer, Kinder und andere. Deutlich gekennzeichnete Ausläufe könnten von diesen Gruppen gemieden werden, so dass es weder zum Kontakt noch zur Konfrontation zwischen Hunden und (fremden) Menschen kommen würde.

Ausläufe sind entsprechend hoch eingezäunt und entwildet, das heißt frei von Hoch- bis Nieder- und Schwarzwild; so wären die größeren Waldtiere ebenso geschützt. „Das Problem des Hundekots auf öffentlichen Straßen und Anlagen würde sich entsprechend verringern”, sieht Karin Schäfer noch mehr praktische Vorteile, „und die Stadt würde ihren Bürgern einen echten Service bieten.” Aufgefallen ist ihr für diesen Zweck ein Forststück bei Hatterath nahe der B221.

Für die Verwirklichung dieser Idee ließe sich zum Beispiel eine Initiative „Leinen los in Geilenkirchen” ins Leben rufen, hat die angehende Trainerin bereits überlegt. Als gemeinnütziger Verein konstruiert, könnte aus Mitgliedsbeiträgen eine eventuelle Pacht für das Gelände sowie die Einzäunung und Instandhaltung finanziert werden.

„Dabei müsste man natürlich auf die Unterstützung der hiesigen Behörden und Kommunen zählen”, sieht Karin Schäfer auch Schwellen bei ihrem Vorhaben. Kommunalpolitiker hat sie bereits angeschrieben. Ihnen will sie gerne detailliert schildern, wie sie sich den Zugang zum Auslauf vorstellt, die interne Kommunikation der Benutzer und Verweilmöglichkeiten regeln könnte.

Sicher, das ist mit weiteren Kosten verbunden. „Über deren Höhe habe ich mir aber noch keine Gedanken gemacht”, sagt Karin Schäfer, die dafür finanzielle Potenziale in einer funktionierenden „Leinen los”-Initiative sieht, der alle Interessenten beitreten könnten. Um eine Basis für die Realisierung der Ideen zu haben, bereitet Karin Schäfer gerade Unterschriftenlisten vor.

Die werden, wahrscheinlich, nötig sein, um einen Erfolg zu erzielen. Denn es geht nicht allein um Eigentümerrechte der - meist - kommunalen Waldbesitzer. „Eine solche Einzäunung widerspricht dem Landesforstgesetz”, bremst Revierförster Wolfgang von der Heiden hohe Erwartungen, „der Wald muss zugänglich bleiben.” Was in anderen Bundesländern schon praktiziert wird, könne folglich nur die hiesige Politik ermöglichen. „Denn rein technisch”, meint der Revierförster, „ist das kein Problem.”

Initiative für „Leinen los in Geilenkirchen”

Erfahrungen mit Auslaufzonen hat Karin Schäfer bereits außerhalb der Region gesammelt: „Ich stehe in engem Kontakt mit der Hundeschule „Hundekonzepte” in Friesland, die gerade mit Erfolg an Hundeausläufen arbeiten.”

Den „Hundefreunden Bergstadt Wildemann” im Harz, sei es sogar gelungen, im April den ersten „Hundewald” in Niedersachen in ihrer Region zu verwirklichen. „Die Presse in ganz Niedersachsen berichtete davon.” Die Stadt Wildemann hat diese Auslaufmöglichkeit als besondere Attraktion für Gäste in ihre Internetseite aufgenommen.

„Leinen los in Geilenkirchen” nennt Karin Schäfer ihre lokale Initiative, der sich Interessierte anschließen können. Kontakt über 0177/6335427.
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