Ein „Sandwich” zwischen den Interessenslagen

Von: mabie
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GfW-Geschäftsführer Josef La
GfW-Geschäftsführer Josef Latour, Sigrid Görtz von der VHS, Koreas Militärattaché Tae-Sik Kim, Geilenkirchens Bürgermeister Thomas Fiedler, Oberst a.D. Bernd Giebner und GfW-Sektionsleiter Herbert Wölfel (v.l.) wohnten dem spontanen Eintrag ins Goldene Buch der Stadt bei. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Es war eine Gelegenheit, die Bürgermeister Thomas Fiedler nicht ungenutzt verstreichen wollte: Denn wenn schon einmal der Verteidigungsattaché der Republik Korea aus Berlin nach Geilenkirchen kommt, dann darf er sich auch in das Goldene Buch der Stadt eintragen.

Gesagt, Bürgermeisterkette umgehängt und getan, verewigte sich Oberst Tae-Sik Kim in dem Ehrenbuch. Doch Oberst Kim hatte an diesem Abend noch eine ganz andere Aufgabe. Auf Einladung der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW), Sektion Aachen/Heinsberg, und der Anton-Heinen-Volkshochschule (VHS) des Kreises Heinsberg, referierte er zum Thema „Die Rolle Koreas in Ostasien”.

GfW-Sektionsleiter Herbert Wölfel und Geschäftsführer Josef Latour ergänzten dieses Thema aber nicht nur um den Untertitel „Ist eine Versöhnung möglich?”, sondern luden als zweiten Experten zum Thema auch Oberst a.D. Bernd Giebner ein. Der frisch Pensionierte ist Jahrgang 1951, Vorstandsmitglied der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft und war Abteilungsleiter im Zentrum für Verifikationsaufgaben der Bundeswehr (ZVBw) in Geilenkirchen.

Als Kenner Südkoreas - er war dort sieben Jahre lang Zuhause - bot er interessante Einblicke in die unterschiedlichen Denkweisen, die das in Nord und Süd geteilte Land beherrschen. So stellte Giebner Nordkorea als einen durch und durch militärisch geprägten Staat dar, der waffenstarr in einem geostrategischen „Sandwich” zwischen den Interessenslagen von China und Japan liegt. „Das Bevölkerungswachstum ist mit nur 0,4 Prozent sehr gering, was unter anderem an den vielen Hungerkatastrophen liegt”, so Bernd Giebner weiter zu dem 24 Millionen Menschen umfassenden Staatsgebilde. Selbst in ertragreichen Jahren reichten die im Land selbst produzierten Lebensmittel nicht aus, um die Bevölkerung ausreichend zu ernähren.

Einen Grund dafür machte der Referent in der von Staatsgründe Kim Il-Song ausgegebenen „Militär-Zuerst-Doktrin” aus. „Nordkorea verfolgt das Konzept der absoluten Machterhaltung”, weiß Giebner, „diesem Prinzip hat sich alles unterzuordnen”. Komplett ausgerüstete Streitkräfte bis hin zu Atomwaffen sowie insgesamt vier Millionen Menschen, die in militärischen oder paramilitärischen Organisationen tätig sind, sprechen für ihn eine deutliche Sprache. Dazu komme noch der Personenkult um die „Kim-Dynastie”, der mit westlichen Wertvorstellungen unvereinbar sei.

Starker Partner der Nordkoreaner seien nach dem Zerfall der ehemaligen Sowjetunion 1991 nunmehr die Chinesen, weil die ein reges Interesse daran hätten, schloss Giebner, die in Südkorea stationierten US-Amerikaner auf Abstand zu halten. Hinsichtlich einer Annäherung zwischen den beiden Staaten mit den selben Wurzeln machte der Vortragende drei Jahreszahlen fest: Während es 1972 und 1992 eher für Versöhnung auf dem Papier reichte, gingen die im Jahr 2000 angestrengten Fortschritte weiter. So gibt es neben einem Tourismusprojekt und wirtschaftlicher Zusammenarbeit auch Familienzusammenführungen auf neutralem Boden und das beiderseitige Ziel der politischen Wiedervereinigung. „Allerdings wird dies in Nordkorea immer zu deren Bedingungen propagiert”, so Giebner.

Er hält abschließend einen Kollaps des nordkoreanischen Systems für wahrscheinlich, wollte sich aber auf keinen Zeitpunkt festlegen. Militärattaché Tae-Sik Kim kristallisierte vor allem wirtschaftliche und systematische Unterschiede zwischen den Staaten heraus. „Südkorea hat zum Beispiel 200 Mal mehr Wirtschaftskraft”, machte er mit Blick auf das Bruttoinlandsprodukt fest. Dazu schälte er heraus, dass Südkorea dem Bruderstaat im Norden jährlich Unterstützungen durch Devisen, Nahrungsmittel und Medikamente im Wert von rund zwei Milliarden Dollar zukommen lasse.

Doch dieses Programm sei inzwischen eingestellt, zum einen wegen eines Zwischenfalls, zum anderen, weil Nordkorea die Mittel nicht der darbenden Bevölkerung, sondern dem Militäretat zukommen lasse.

„Aber wenn Nordkorea keine Absicht hat, Krieg zu führen und seine Atomwaffen abschafft, ist Südkorea gerne bereit zu helfen”, machte er abschließend klar.
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