Geilenkirchen - Ehrenamtler helfen: Menschliche Nähe am Krankenbett

Ehrenamtler helfen: Menschliche Nähe am Krankenbett

Von: Sarah Sillius
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Sind für die kranken Patienten und ihre Angehörigen da: Die Ehrenamtlichen Silke Löckenhoff, Fine Rütten, Barbara Owczarski (hinten, von links) und Heinz-Leo Gerards (vorne links) mit Meinolf Schrage, dem Koordinator des Besuchsdienstes und des Cafés Lichtblick (vorne rechts). Dazu arbeiten weitere 24 Personen ehrenamtlich im St. Elisabeth-Krankenhaus. Foto: S. Sillius

Geilenkirchen. Wie wichtig Zuhören sein kann, das wissen Barbara Owczarski, Silke Löckenhoff, Heinz-Leo Gerards und Fine Rütten ganz genau. Denn das ist es, was den Kern ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit ausmacht. Die vier sind Mitarbeiter des Besuchsdienstkreises und des Café Lichtblick im St. Elisabeth-Krankenhaus.<br />

Beide Institutionen sind für Krankenhausseelsorger Meinolf Schrage nicht mehr wegzudenken: „Die Ehrenamtlichen sind ganz wichtige Multiplikatoren meiner Arbeit”. Zur Zeit sind zwölf Personen im Besuchsdienst und 16 im Café Lichtblick tätig.

Barbara Owczarski besucht schon seit 20 Jahren kranke Patienten, seit der Gründung des Besuchsdienstes im St. Elisabeth-Krankenhaus 2003 ist sie in diesem Kreis als Ehrenamtliche aktiv. Alle zwei Wochen ist Barbara Owczarski seitdem auf der Privatstation unterwegs.

Erstes Kennenlernen

„Die Schwestern informieren uns, welche Patienten Besuch wünschen”, erklärt sie. Wenn die 79-Jährige einen Patienten zum ersten Mal besucht, stellt sie sich ihm zunächst vor und fragt ihn im nächsten Schritt nach seinem Befinden. „Dann geht es erst einmal um die Krankengeschichte und danach sehr schnell auch um Persönliches”, beschreibt sie den gewöhnlichen Vorgang des Kennenlernens.

„Aber auch kleine Gefälligkeiten gehören zum Aufgabenfeld”, ergänzt ihre Kollegin Fine Rütten. Damit meint sie die Besorgung von Gegenständen des täglichen Bedarfs („zum Beispiel eine Telefonkarte”) oder persönliche Hilfen wie die Begleitung zum Gottesdienst, zu kulturellen Angeboten im Krankenhaus oder bei Spaziergängen im Park.

Alle vier Ehrenamtlichen sind sich einig: Neben diesen Hilfen steht bei ihrer Tätigkeit das Gespräch am Krankenbett deutlich im Vordergrund. Der Patient soll die Möglichkeit bekommen, alles auszusprechen, was ihn bewegt.

„Zeit ist das Allerwichtigste, dafür reichen keine fünf Minuten”, weiß Heinz-Leo Gerards, der im Café Lichtblick beschäftigt ist. Dorthin kommen vor allem Angehörige von Krebspatienten.

In dem freundlich gestalteten Raum, der auf der onkologischen Station zu finden ist, wird ihnen montags bis freitags von 10 bis 12 Uhr nicht nur ein Kaffee, sondern auch ein Ort der Ruhe und Entspannung sowie ein offenes Ohr angeboten.

„Im Gespräch merkt man, wie sehr sie leiden, wie große Angst sie vor dem Verlust des Partners haben”, erzählt der 55-Jährige, der sich unbedingt ehrenamtlich engagieren wollte, nachdem er in Frührente gegangen war.

Die Sorge um den Verlust des Partners und die große Verzweiflung nach der Krebs-Diagnose kann Silke Löckenhoff nur zu gut nachempfinden. Denn vor einigen Jahren stand die Frau, die heute ehrenamtlich im Café Lichtblick aktiv ist, noch auf der anderen Seite. Sie war selbst an Krebs erkrankt, ebenso wie ihr Mann.

Während dieser Leidensphase sei sie fasziniert gewesen von den Ehrenamtlichen im Aachener Klinikum und im Eschweiler Krankenhaus: „Wie ein Kumpel setzten sie sich neben mich und meinen Mann ans Bett und haben gegen die trübe Stimmung im Patientenzimmer angekämpft.”

Es ist beeindruckend, wie offen die 42-Jährige über ihre Krankheit spricht, und über die schwere Zeit, die hinter ihr liegt. „Diese Offenheit hat meinem Mann und mir sehr geholfen, und hilft mir auch jetzt, mit den Patienten ins Gespräch zu kommen”, erklärt Silke Löckenhoff den Umgang mit ihrem Schicksal.

Sie will ein Stück ihrer Erfahrung weitergeben und so anderen helfen. Die eigene Betroffenheit schlage schnell eine Brücke zu dem Patienten, es entstehe dadurch ein besonderes Verhältnis.

„Ich will allerdings nicht immer nur auf meine eigene Krankheit hinweisen”, betont Silke Löckenhoff. Sie wolle dem Patienten auf diesem Wege lediglich vermitteln: „Was du mir sagst, kommt bei mir an, ich weiß, wie man sich als Trauernde fühlt, weiß, wie es ist, wenn über einem alles zusammen zu brechen droht.” So habe sie aus dieser Verbundenheit heraus schon oft mit Angehörigen und Patienten gemeinsam geweint.

Die Frau mit den kurzen blonden Haaren und der unverkrampften Art kennt das Gefühl, wenn sich Angehörige plötzlich von einem abwenden, „weil sie nicht wissen, wie sie mit einem Krebserkrankten umgehen sollen”.

Zum Handeln ermutigen

Wenn Patienten über solche Erfahrungen klagen, ermutigt Silke Löckenhoff diese oft dazu, selbst auf ihre Angehörigen zu zugehen, den Hörer in die Hand zu nehmen und einfach anzurufen.

Manchmal gehe es auch darum, die kranken Menschen an andere Stellen weiter zu vermitteln, erzählt die Ehrenamtliche: „Es gab einmal einen Patienten, der ganz auf sich allein gestellt und seelisch völlig aufgelöst war. Nachdem ich ihn an den Hospizdienst vermittelt hatte, war er sehr dankbar dafür, dass ich ihn auf einen Weg gebracht hatte, den er allein nicht mehr gefunden hätte.”


Infos für alle, die selbst tätig werden wollen:

Meinolf Schrage, der die Arbeit des Besuchsdienstes und des Cafés Lichtblick koordiniert, sucht weiterhin Ehrenamtliche ab 25 Jahre Lebensalter, die über die nötigen Fähigkeiten wie Einfühlungsvermögen und Bereitschaft zum Zuhören verfügen.

In Fortbildungen werden die Ehrenamtlichen auf ihre Tätigkeit vorbereitet und erhalten das nötige Hintergrundwissen, zum Beispiel über die Nebenwirkungen einer Chemotherapie.

Zunächst werden die Ehrenamtlichen auf den Stationen eingesetzt, bei Bedarf können sie anschließend zum Café Lichtblick wechseln.

Bei Interesse ist Meinolf Schrage unter 02451/622280 zu erreichen.

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