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Edeka-Markt: Das Aus kommt nicht überraschend

Von: Jan Mönch
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Wurde in einem Gutachten von 2011 trotz Konkurrenz für Edeka Roese ausdrücklich befürwortet: Der Rewe-Markt an der Bahnhofstraße. Allerdings war den Gutachtern offenbar nicht bekannt, dass am anderen Ende der Straße außerdem ein Pennymarkt eröffnet wird. Foto: Jan Mönch

Gangelt-Birgden. Das Aus für den Edeka-Markt im Gangelter Ortsteil Birgden war schon frühzeitig absehbar. Dies geht aus einem Gutachten hervor, das sich mit der Ansiedlung eines „Lebensmittelvollsortimenters“ in Birgden und den damit verbundenen Folgen für den hiesigen Einzelhandel auseinandersetzt. Das Gutachten liegt unserer Redaktion vor.

Es stammt aus dem Hause „Cima Beratung und Management“ in Köln, wurde in Auftrag gegeben von VDH Projektmanagement in Erkelenz und ist datiert auf August 2011. Zu dieser Zeit setzte die Gemeinde sich damit auseinander, ob sich auf dem Gelände am Fuß der Bahnhofstraße ein Rewe-Markt ansiedeln soll.

Mittlerweile ist der Markt Realität, für den Edeka-Markt gilt dies bald nicht mehr. Wie berichtet muss Inhaber Thomas Roese zum Jahreswechsel die Pforten für immer schließen. 20 Angestellten musste gekündigt werden, auf die meisten wartet eine ungewisse Zukunft. Gegenüber unserer Zeitung klagte Roese vor zwei Wochen, dass ihm übermächtige Konkurrenz vor die Nase gesetzt worden sei.

Er habe innerhalb weniger Monate einen Umsatzverlust von 35 Prozent zu verkraften gehabt – das war zu viel. Bürgermeister Bernhard Tholen (CDU) hielt dem damals entgegen, dass erstens die Versorgungssicherheit für Birgden gewährleistet sein müsse und es zweitens nicht seine Aufgabe sei, Konkurrenz zu verbieten.

In der Tat kommt das Gutachten zu dem Schluss, dass die Ansiedlung des Rewe-Markts „eine dauerhafte Sicherung der Nahversorgung“ gewährleisten könne. Ferner sprächen „positive Auswirkungen“ auf den Ortskern sowie „positive Synergieeffekte und Wechselwirkungen“ für das Vorhaben Rewe-Markt.

Dessen Betreibern wird ein möglicher Jahresumsatz von fünf Millionen Euro in Aussicht gestellt. Nennenswerte oder gar bedrohliche Auswirkungen auf den Einzelhandel im weiteren Umfeld, insbesondere das Nahversorgungszentrum an der Bundesstraße 56, seien nicht zu erwarten.

Weniger optimistisch aber klang seinerzeit schon die Prognose für Unternehmer Roese. So wird in der Analyse vorangestellt, dass „im Rahmen des Gutachtens weniger die Frage der grundsätzlichen Eignung des Standortes für Lebensmitteleinzelhandel, als vielmehr die Frage der Auswirkungen des neu zu schaffenden Versorgungs angebotes auf die bestehenden Versorgungsstrukturen (hier insbesondere der Edeka-Markt) im Ortsteil Birgden zu klären“ sei.

Es folgen Analysen zu Standort, Kaufkraft und Umsatzumverteilung. Letztere werde in Birgden bei zwölf Prozent des jährlichen Umsatzes für Nahrungs- und Genussmittel liegen, „in der allgemeinen Rechtsprechung werden Umsatzverlagerungen ab zehn Prozent als abwägungsrelevant eingeordnet“. Abschließend heißt es: „In erster Linie betroffen sein dürfte der Edeka-Markt am Hoferweg als unmittelbarer Wettbewerber.“

Dies sei zwar „gutachterlich zu akzeptieren“ und als freier Wettbewerb zwischen den verschiedenen Anbietern anzusehen. „Aus Sicht der Cima kann die Bestandsaufgabe des Edeka-Marktes jedoch nicht ausgeschlossen werden.“ Und genauso kam es dann ja auch.

Die 29-seitige Expertise beleuchtet penibel die Einzelhandelssituation nicht nur für Birgden, sondern auch für die umliegenden Ortschaften im Jahr 2011. Merkwürdig nur: Mit keiner Silbe wird erwähnt, dass am anderen Ende der Bahnhofstraße ein weiterer Supermarkt entstehen soll – der Anfang Mai dieses Jahres eröffnete Penny Markt.

Falls die Idee hierzu seinerzeit schon existierte, stellt sich die Frage, warum sie keinen Eingang in das Gutachten fand. Existierten sie noch nicht, stellt sich die Frage, warum trotz der ohnehin wenig erbaulichen Aussichten für Edeka Roese sogar noch ein weiterer Markt eröffnet wurde.

Diese und weitere Fragen könnte sicher der Bürgermeister beantworten. Tholen war für unsere Redaktion jedoch trotz Bitte um Rückruf weder am Donnerstag noch am Freitag zu sprechen. Er ging auch nicht an sein Handy.

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