Diskussion um Schulen flammt wieder auf

Von: Thorsten Pracht und Udo Stüßer
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Schüler und Eltern kämpften vor zwei Jahren für den Erhalt der Realschule. Fotos (7): Georg Schmitz Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Die Diskussion über das Schulsystem flammt in Geilenkirchen erneut auf: Die Grünen haben eine Darstellung und Diskussion der schulischen Entwicklungen, insbesondere der weiterführenden Schulen, für die nächste Sitzung des Ausschusses für Bildung, Soziales, Sport und Kultur am 28. November beantragt. Zudem laden sie zu einer Diskussionsveranstaltung für Montag, 25. November, 20 Uhr, ins Hotel Jabusch ein.

Die Kommunen, so Grünen-Fraktionssprecher Jürgen Benden, seien durch die Verabschiedung des 9. Schulrechtsänderungsgesetzes durch den Landtag aufgefordert, Inklusionspläne zu erarbeiten und die Schulentwicklungsplanung inklusiv auszurichten. Kleine Klassen seien durch die Inklusionspläne die Folge. „Diese Neuerungen und die bekannte Problematik der Stadt Geilenkirchen bezüglich der fehlenden adäquaten Beschulung unserer Hauptschüler sollten zu einer Neubetrachtung der Geilenkirchener Schulentwicklungsplanung führen“, sagt Benden.

Im Gespräch mit unserer Zeitung erinnern er und seine Fraktionskollegin Ruth Thelen an die vor zwei Jahren geführte Diskussion. Damals hatten die Grünen die Einrichtung einer Sekundarschule, alternativ eine Erweiterung der Gesamtschule bei gleichzeitiger Auflösung der Realschule, gefordert. „Dabei haben wir von Anfang an die Sekundarschule favorisiert, weil sie kleiner und flexibler als eine sechszügige Gesamtschule ist und dabei auch noch die Schulvielfalt gewährleistet“, erklärt Ruth Thelen.

Die kreisweite Schulentwicklungsplanung habe, so die Grünen, im Jahre 2011 keinen Bedarf für Geilenkirchen gesehen. Da sich aber die Gemeinden Gangelt und Selfkant für eine eigene Gesamtschule entschieden hätten und die Gangelter Hauptschule auslaufe, mache sich das Problem in Geilenkirchen bemerkbar. „Geilenkirchen hat den Kooperationsvertrag gekündigt, bevor in Gangelt und Selfkant eine Entscheidung für die Gesamtschule gefallen ist. Da bislang unsere Hauptschüler in Gangelt beschult wurden, haben wir ein Problem“, so Benden.

Niveauabfall befürchtet

Dazu noch sei im vergangenen Jahr auch in Übach-Palenberg der Beschluss gefallen, die dortige Hauptschule auslaufen zu lassen. Mit der Einrichtung einer Sekundarschule oder einer Erweiterung der Gesamtschule hätten die Grünen das Problem lösen wollen. Dem ist der Stadtrat vor zwei Jahren allerdings nicht gefolgt. Er hat sich für den Erhalt der Realschule entschieden. „Die Schulleitung hat zugesichert, alle potenziellen Hauptschüler beschulen zu können. Eine Realschule kann aber nicht alle Hauptschüler beschulen“, so Thelen.

Die Grünen, so sagen Thelen und Benden unisono, würden mit den Problemen der Eltern konfrontiert. „Die Eltern von leistungsstarken Kindern befürchten ein Abfallen des Niveaus, die Eltern von schwachen Kindern bemerken, dass ihre Kinder überfordert sind und wissen nun nicht wohin mit ihnen“, beschreibt Benden das Problem. Und weiter: „Wenn sie es an der Realschule nicht schaffen, haben diese Schüler in Geilenkirchen keine Alternative, und die Möglichkeiten im Kreis Heinsberg werden immer weniger. Nur in Oberbruch, Erkelenz und Hückelhoven gibt es funktionierende Hauptschulen. Deren Kapazitäten sind begrenzt, und unsere Gesamtschule muss ebenfalls diese Schüler abweisen.“

Mehr als 50 Prozent der in der Realschule aufgenommenen Kinder hätten eine Hauptschulempfehlung. Nicht gelten lassen wollen Benden und Thelen die damalige Argumentation, dass laut Schulentwicklungsplan des Kreises Heinsberg die Schülerzahl in Geilenkirchen sinken werde und die Schülerzahl für die Errichtung einer Sekundarschule nicht ausreiche. „Die Schülerzahlen sind in Geilenkirchen gestiegen und bleiben höher als prognostiziert. Vor diesem Hintergrund muss das Thema neu diskutiert werden“, so Benden. Allerdings, so betonen sie, soll die Problematik zunächst von den Eltern diskutiert werden. Bei der Diskussion am 25. November im Hotel Jabusch sitzen Schulleiter aller weiterführenden Schulformen auf dem Podium, keine Politiker.

Die Stadt sieht derweil keine Probleme. „Alle Schüler unserer Stadt sind versorgt“, erklärt Beigeordneter Herbert Brunen. Außerdem habe der Leiter der Realschule erklärt, die Schule werde sich pädagogisch auf die neuen Anforderungen einstellen. „Wir müssen aber ständig am Ball bleiben und sehen, ob es die richtige Richtung ist.“

Gesamtschule ist prallvoll

Eine Erweiterung der Gesamtschule von vier auf sechs Züge wäre organisatorisch eine große Herausforderung. „Spätestens im zweiten Jahr der Sechszügigkeit müssten wir Schüler auslagern“, sagt Schulleiter Uwe Böken mit Blick auf die räumliche Situation. „Aber für die jetzt nicht versorgten Kinder wäre die Vergrößerung der Zügigkeit die beste Entscheidung“, erklärt der Pädagoge. Schon jetzt sei die Warteliste ab der fünften Klasse prall gefüllt, spätestens ab Weihnachten fragen die umliegenden Gymnasien wie auch die Realschule nach, ob zum Halbjahr Plätze frei werden. Vor diesem Schuljahr konnte die Anita-Lichtenstein-Gesamtschule 44 Schüler nicht aufnehmen. „Diesen Kindern würde ich lieber eine positive Nachricht überbringen, kann es aber nicht“, sagt Böken. „Der Beschluss zur Erweiterung war aus meiner Sicht vor zwei Jahren schon fällig“, erinnert Böken an den damaligen Ratsentscheid, stellt aber klar: „Wir arbeiten so, wie die Kommune als Schulträger entscheidet.“

Ungeklärt bleibt die Frage, auf welche Schule solche Schüler wechseln können, die es auf der Realschule nach der Orientierungsstufe nicht schaffen. An den Gesamtschulen Übach-Palenberg und Gangelt-Selfkant ist die Situation wie in Geilenkirchen: Beide sind voll und sehen sich „nicht als Alternative für Geilenkirchener Schüler“. In beiden Kommunen laufen die Hauptschulen aus, dort hat man früh auf die integrierte Beschulung an einer Gesamtschule gesetzt.

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